Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Baden-Württemberg muss dennoch für sein Engagement zuschießen

ENBW wieder mit Gewinn

Es gibt Energieversorger, die noch Gewinn machen und Dividende ausschütten. Das wieder positive Ergebnis der ENBW 2015 dürfte das Land als Hauptanteilseigner dennoch nicht komplett zufriedenstellen.

22.03.2016
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Deutschlands drittgrößter Energieversorger, die ENBW, ist nach einer knappen halben Mrd. EUR Verlust im vorvergangenen Jahr wieder in der Gewinnzone. Für die öffentliche Hand, die das Unternehmen nahezu komplett beherrscht, heißt dies: 55 Cent Dividende pro Aktie, in Summe sind das 71 Mio. EUR.

Weil das Land 2010 seinen Anteil von knapp 47 Prozent aber auf Pump gekauft hat, muss es mit der Dividende rund 134 Mio. EUR an Kreditzinsen finanzieren. Das sich selbst finanzierende Geschäft, von dem Stefan Mappus nach dem Aktienkauf einst schwärmte, existiert nicht mehr; rund 63 Mio. EUR muss das Land für sein Engagement allein für 2015 zuschießen.

Mit einem konsequenten Umbau weg aus dem Atom- und Kohlestrom hatte sich der Konzern bereits früh auf die Energiewende und mit einem Sparprogramm auf die geringeren Erlöse eingestellt. Im Segment erneuerbarer Energien ist das Wachstum denn auch besonders stark mit einem Gewinn-Plus von 50 Prozent vor Steuern. Bis 2020 soll dieses Segment immerhin ein Drittel zum Ergebnis beitragen, derzeit sind es erst 13 Prozent.

Im vergangenen Jahr wurde der Ostsee-Windpark Baltic II in Betrieb genommen, jetzt will Konzernchef Frank Mastiaux einen Haken unter die Planung des Nordsee-Windparks Hohe See machen. Noch in diesem Jahr soll die abschließende Entscheidung über 71 Windräder fallen, für die 1,5 Mrd. EUR investiert werden.

Im konventionellen Kraftwerksbereich drücken die verfallenden Großhandelspreise auf den Gewinn. Zwar verdienten alle Kraftwerke (auch die Atomanlagen) ihre Betriebskosten, die Kapitalkosten hingegen konnten nicht mehr erwirtschaftet werden, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Seit 2013 wurden deshalb schon 1200 Megawatt Kohle-Kapazität stillgelegt, zahlreiche Kraftwerke laufen auch künftig unter dem Regime des Übertragungsnetzbetreibers, weil sie zwar unrentabel, gleichzeitig aber für die Versorgungssicherheit unverzichtbar sind. Dies sichert zumindest kalkulierbare Einnahmen, "ist aber kein Geschäftsmodell", so der Finanzvorstand. Auch im Jahr 2015 wurden Abschreibungen von 700 Mio. EUR auf den Kraftwerkspark vorgenommen.

Für den Rückbau der Atommeiler hat der Konzern 8,3 Mrd. EUR zurückgestellt; eine Hälfte davon für die eigentliche Demontage, den Rest für die Lagerung strahlender Abfälle. "Wir sind überzeugt, dass das ausreicht", sagte Kusterer. Das Geld verbleibt bei dem Unternehmen, die ENBW werde sich nicht nach dem Beispiel anderer Energieversorger aufspalten in profitablere Einzelunternehmen und solche, in denen Altlasten versammelt werden.

Mit der noch nicht abgeschlossenen Mehrheitsbeteiligung am Gasversorger VNG steigt die ENBW zum drittgrößten Gasanbieter Deutschlands auf. Das Gasgeschäft soll künftig zu einem Viertel zum Gewinn beitragen und damit eine stabile Säule des Unternehmens werden. Mastiaux: Der Ausstieg aus der Kernenergie und der Druck auf die Kohleverstromung "werden die Nachfrage nach Gaskraftwerken befördern." Rückgrat der ENBW sind die Netze, in die die Karlsruher rund eine Dreiviertelmilliarde EUR investiert haben.

Dass der Konzern einen Überschuss erwirtschaftete, liegt aber nicht zuletzt an der Auflösung stiller Reserven. Die Wertpapiere wurden 2015 verkauft, um nicht heuer mit zusätzlichen Steuern belastet zu werden. Bei der Berechnung der Dividende wurde dieser Sondereffekt aber wieder herausgerechnet.

Für dieses Jahr rechnet der Vorstand mit einem bis zu 10 Prozent geringeren Gewinn. Das laufende Sparprogramm, das rund 400 Mio. EUR Kosten sparen soll, gilt zwar als erfolgreich, reiche aber nicht aus. "Wir werden weitere Maßnahmen zur Effizienzverbesserung prüfen", sagt Mastiaux und schließt dabei auch Stellenstreichungen und Umwidmungen nicht aus. Gleichwohl verzeichne die ENBW kein Jahr ohne positiven Cashflow. Mastiaux: "Das zeigt, dass wir in einem herausfordernden Umfeld in der Lage waren, die operative Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.03.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular