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Umwelt

E-Scooter an der Angel

Elektrische Roller werden in Paris zu Dutzenden aus der Seine geholt. Eine Studentengruppe putzt regelmäßig den Grund des Flusses.

24.08.2019

Von DPA

Ausbeute eines Fischzugs: E-Scooter am Seine-Ufer. Foto: --/Guppy/dpa

Paris. Das Seine-Ufer in Paris ist eine Art Friedhof für E-Tretroller und Leihfahrräder. Sie liegen dort, die Farben verblasst, von Schlamm und Algen überzogen. Ihren Tod haben die E-Tretroller und Fahrräder im Wasser gefunden. Dort hat sie irgendjemand hineingeworfen. Wer, darüber lässt sich nur spekulieren. Es hat sie auch jemand wieder herausgefischt – wer das war, ist bekannt: „Guppy“.

„Guppy“ ist ein von Studenten gegründetes Kollektiv, das die Seine regelmäßig von Müll befreit. Ihr Ziel sei es, dass sie sauber bleibt, sagt Sacha Kleynjans, einer der Gründer von „Guppy“. Das Team geht mit Magneten auf Angeltour. Das Ergebnis eines Fangs im Juni: 58 E-Tretroller, 11 Fahrräder, 6 Absperrgitter und 2 Elektromotorroller.

Lime, der Marktführer von E-Tretrollern (E-Scooter) in Frankreich, recycelt die Flitzer nach eigenen Angaben. Ein Großteil könne wieder verwendet werden.

Das Problem treibt nicht nur Paris um. In Marseille landen die E-Tretroller – oder „Trottinettes“, wie die Franzosen sagen – regelmäßig im Mittelmeer. Freiwillige des Meeres-Vereins Société Nautique Corniche fischen sie zum Beispiel aus dem Becken des Alten Hafens. Sie treffen sich mit den Verleihern, um eine Lösung zu finden.

In Deutschland gibt es das Phänomen wohl nicht in allzu großem Ausmaß. In der Berliner Umweltverwaltung zum Beispiel heißt es, es handele sich um „Einzelfälle“ und sei „unproblematisch“. Das bestätigen der Fahrradverleiher Nextbike und die Deutsche Bahn.

Übermütige Schulkinder?

In Amsterdam, der Fahrradstadt schlechthin, fischen die Wasserbehörden jedes Jahr rund 12 000 bis 15 000 Räder aus den Grachten. Dabei handelt es sich aber eher selten um Leihfahrräder. Die Verleiher beugen dem vor, indem sie relativ hohe Kautionen und Kopien von Ausweisen und Kreditkarten verlangen. Im Wasser liegen meist Wracks und gestohlene Räder.

Wer sind die Täter? Auch darüber lässt sich nur spekulieren. In Marseille heißt es, vor allem Schulkinder machten sich einen Scherz daraus, die Geräte ins Wasser zu werfen. Lime Frankreich sagt, das Problem trete zum Beispiel während der Ferien häufiger auf.

Wer sonst wirft Leihfahrzeuge ins Wasser? Verärgerte Fußgänger? Stumpfsinnige Randalierer? Die französische Zeitung „Libération“ mutmaßt, dass sich vielleicht auch Wettbewerber an Konkurrenz-Fahrzeugen zu schaffen machen. Doch dafür gibt es keine Beweise.

Dass die E-Tretroller und Fahrräder im Wasser landen, ist nicht nur lästig für die Betreiber, sondern auch umweltschädlich. „In den Lithium-Batterien sind umweltgefährdende Stoffe enthalten, die für die Wasserwelt gefährlich und giftig sind“, sagt Anita Schmidt von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung.

Diese Stoffe treten aber nicht nach wenigen Tagen oder Wochen aus, sagt Schmidt. höchstwahrscheinlich sogar erst nach vielen Jahren, wenn die Hülle der Batterien undicht wird. „Man muss die Geräte rausholen, um die Umwelt zu schützen – auch für die Zukunft.“

Auch für „Guppy“ ist der Umweltaspekt entscheidend. Wichtig sei es, die Bürger auf das Problem aufmerksam zu machen, sagt Kleynjans. Die Seine sei allerdings nicht erst verschmutzt, seit es die E-Tretroller gibt. Alles Mögliche werde ins Wasser geworfen.

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Erstellt:
24. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 06:00 Uhr

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