Tübingen · Forschung

Durchbruch für das gute Sehen im Alter?

Altersbedingte Makuladegeneration: Die Erkrankung soll sicherer vorhergesagt und besser behandelt werden können.

08.02.2020

Von ST

Dieses überdimensionale Auge steht in der Tübinger Augenklinik. Bild: Metz

AMD ist eine chronisch verlaufende Netzhauterkrankung und bei Menschen über 50 in den westlichen Ländern die häufigste Ursache für schwerste Seh-Einbußen bis hin zur Erblindung, an der mindestens 7 Millionen Menschen allein in Deutschland leiden. Die „feuchte“ AMD kann bis zu einem gewissen Grad behandelt werden, die „trockene“ derzeit nicht.

Wissenschaftler um Prof. Simon Clark vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen haben laut einer Pressemitteilung am Freitag in „Nature Communications“ die Ergebnisse einer Studie publiziert, die ein besseres Verständnis für die Ursachen von AMD liefert. Außerdem soll es möglich werden, das Erkrankungs-Risiko durch Blutmessungen zu prognostizieren und das Immunsystem gegen für AMD verantwortliche Entzündungen zu motivieren.

Seit über 20 Jahren ist bekannt, dass Entzündungsprozesse bei der Entstehung der Krankheit eine große Rolle spielen. Die Tatsache, dass ein Gendefekt im Protein FH ein Risikofaktor für die AMD ist, rückte das so genannte Komplementsystem, dem im Immunsystem eine Schlüsselfunktion bei der Auslösung von Entzündungen zukommt, in das Interesse der Forschung. Die Annahme, dass AMD durch eine Störung der Komplementregulierung im Auge verursacht wird, führte zur Entwicklung vieler Medikamente zur Komplementhemmung bei der „feuchten“ AMD. Effektive Medikamente zur Behandlung der AMD gibt es jedoch nicht.

Untersuchungen führten nun zu einem erhöhten Anteil von „Eiweiß 4“ (FHR4) im Blut von AMD-Patienten. „Statistisch hochsignifikant“ bewertet das Forscherteam aus Tübingen, Manchester, Cardiff, London und Nijmegen die Ergebnisse aus 484 Patienten- und 522 Kontrollproben, die daraufhin deuten würden, dass das FHR4 zum Kontrollverlust des Komplementsystems bei AMD beiträgt.

Doch sind höhere FHR4-Mengen Ursache oder Folge von AMD? Die Antwort auf diese Frage suchten die Forscher auf genetischer Ebene und kamen auch dort zu Ergebnissen, die „überzeugende Beweise“ lieferten, dass genetisch höhere FHR4-Mengen im Blut zu mehr FHR4 im Auge führen, was die Krankheit verstärkt. Damit ergäbe sich eine neue Möglichkeit der Behandlung, indem man die FHR4-Mengen im Blut reduziert, um die Komplementkontrolle im Auge wiederherzustellen.

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Erstellt:
8. Februar 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Februar 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2020, 01:00 Uhr

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