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Katastrophe

Durch das Unglück verbunden

Vor 20 Jahren starben durch Lawinen im Tiroler Paznauntal 38 Menschen, darunter zwölf Kinder. Das Schnee-Inferno ist ein Beispiel für die unberechenbare Natur.

21.02.2019

Von Matthias Röder

Auf dem Foto von damals durchsuchen Rettungsmannschaften nach der verheerenden Lawinenkatastrophe in Galtür Trümmer und Schnee nach Verschütteten. Foto: epa apa Minich/AP/dpa

Hier Galtür. Hier Galtür. Es ist ein Mords-Unglück.“ Der Alpinpolizist Alfons Walser rang um Worte, um seiner Einsatzzentrale die Katastrophe zu beschreiben. Mit kaum vorstellbarer Urgewalt war kurz nach 16 Uhr eine Staublawine in den Tiroler Skiort Galtür gedonnert, hatte Häuser zermalmt, andere Gebäude schwer beschädigt, Straßen und Wege unter einem bis zu acht Meter hohen Lawinenkegel begraben. Eltern verloren ihre Kinder, Kinder wurden zu Waisen und Halbwaisen.

31 Menschen starben am 23. Februar 1999. Sie erstickten im betonharten Schnee, der viele Häuser bis zur Zimmerdecke aufgefüllt hatte, oder erlitten tödliche Verletzungen. Einen Tag später verschüttete eine Lawine den benachbarten Weiler Valzur, wo sieben Menschen ums Leben kamen.

Auch 20 Jahre danach ist das Schnee-Inferno von Galtür trotz aller Fortschritte im Lawinenschutz ein Beispiel für die Unberechenbarkeit der Naturgewalten. „Wenn es wie damals drei bis vier Wochen durchschneien würde, wird es wieder Probleme geben“, ist sich Rudi Mair, Leiter des Tiroler Lawinenwarndiensts, sicher. Auch damals war er dabei. Vom 27. Januar bis zum 24. Februar 1999 schneite es in Teilen der Alpen fast pausenlos, teils lag die sechsfache Schneemenge des 100-jährigen Mittelwerts.

Unterhaltung auf dem Dorfplatz

In dem seit dem 17. Februar eingeschneiten Galtür sei die Stimmung noch entspannt gewesen, erinnert sich Bürgermeister Anton Mattle. Zur Unterhaltung der Gäste gab es ein Fassdaubenrennen am Dorfplatz. Kaum war das vorbei, ging es los. „Es wurde dunkel, an den Fenstern klebte plötzlich der Schnee“, so Mattle, der an seinem Schreibtisch im Gemeindeamt saß. Einige Momente später folgte dem Staub der Lawine der zerstörerische Teil der Schneewalze. 120.000 bis 160.000 Tonnen Schnee machten alles nieder, was im Weg stand. „Das sind 3000 bis 4000 mit Schnee beladene große Lastwagen, die mit Tempo 300 durch den Ort rasen“, veranschaulicht Mair das Horrorszenario.

Zwischen Leben und Tod lagen nur wenige Meter. „In einem Haus wurden zwei Frauen in einem Raum vom Schnee begraben, im verschonten Zimmer nebenan brannte noch die Kerze“, sagt Mattle. Die Wucht des Schnees habe in einem Gebäude das erste Stockwerk glatt herausgeschossen, das Dachgeschoss sei auf das Erdgeschoss gekracht, so Mair. Kinder, die im Freien spielten, hatten keine Chance. Insgesamt kamen in Valzur und Galtür zwölf Kinder ums Leben. 21 der 38 Opfer stammten aus Deutschland.

Wegen des Schneetreibens und der hereinbrechenden Nacht konnten Bergungskräfte erst nach rund 15 Stunden eingeflogen werden. Mit dem Mut der Verzweiflung gruben die Menschen nach möglichen Opfern. Insgesamt 22 Verschüttete wurden lebend geborgen.

Die Katastrophe zerstörte oder beschädigte knapp 30 Häuser und Höfe. Als sich das Wetter besserte, transportierten insgesamt 42 Hubschrauber aus Österreich, Deutschland, den USA und Frankreich teils im Minutentakt 18 000 Menschen aus Galtür und dem ebenfalls eingeschneiten Ischgl.

Die Wunden von damals sind nach Überzeugung von Mattle weitgehend geschlossen, das Unglück habe die Menschen zusammengeschweißt. Auch viele Hinterbliebene aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark suchten den Ort immer wieder auf. „Trotz oder gerade wegen des Unglücks sind viele Freundschaften entstanden.“

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Erstellt:
21. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 06:00 Uhr

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