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Dunkles, wildes Traum-Theater
"Der Sturm" mit Manolo Bertling als Ferdinand und Julischka Eichel als Miranda. Foto: JU Ostkreuz
"Der Sturm" am Stuttgarter Schauspiel

Dunkles, wildes Traum-Theater

Schade eigentlich. Intendant Armin Petras inszeniert Shakespeares Inselmärchen "Der Sturm" als dunkles, bilderreiches Traum- und Trauma-Theater mit viel Zivilisationskritik - und kassiert Buhs dafür.

14.12.2015
  • OTTO PAUL BURKHARDT

Stuttgart. Es ist völlig legitim, dass ein Intendant wie Armin Petras auch auswärts inszeniert. In Stuttgart nehmen ihm das manche übel - weil das Gebotene vor Ort, im Vergleich zum fulminanten Start, nicht mehr so recht überzeugen will. In der ersten Petras-Saison 2013/14 strömten noch 145 000 Zuschauer ins Schauspielhaus, in der zweiten nur noch 128 000. Die Auslastung sank von 87 auf 78 Prozent. Vor allem "Purpurstaub", "Antigone" und "Der Idiot" gerieten zu zähen Geduldsproben.

Dennoch ist Petras Vertrag kürzlich bis 2021 verlängert worden. Jetzt in der dritten Saison sollte Shakespeares Inselmärchen "Der Sturm", inszeniert vom Intendanten selbst, den Trend stoppen. Doch der Plan könnte schiefgehen - zumindest bei der Premiere erntete Petras deutliche Buhs, ein enden wollender Applaus konnte da nicht wirklich dagegen halten.

Warum? Die Inszenierung war so schlecht nicht. Petras mischt den Klassiker mit einer ganzen Fülle von Ideen, Rätselbildern und magischen Momenten auf. Er liest ihn nicht als helles Fantasie-Spiel, sondern als dunkles Traum- und Trauma-Theater, dessen kritischer Impuls sich auch gegen postkoloniale Ausbeutung heutiger Tage richtet. Die Bühne (Kathrin Frosch) ist ein archaischer Tanz- und Kampfplatz mit einer großen, halbrunden Mauer. Immer wieder kreist dieses wuchtige Insel-Theater um sich selbst. Dunkle Holzfiguren, Chiffren für die indigenen Völker, wirken dabei wie stumme Zeugen einer ausgelöschten Kultur.

Diese Zwischenspiele, in denen die Drehbühne sich in eine unheimliche Dschungelhölle verwandelt, unterlegt mit Dröhn-Rhythmen und Urwaldgeräuschen, sind noch das Beste an dieser Inszenierung. Der auf eine Insel im Irgendwo vertriebene Mailänder Herrscher Prospero, bei Manuel Harder ein abgewrackter Egomane in Operettenuniform, schmiert sich dann mit schwarzer Farbe ein und kriecht auf allen Vieren herum. Sein Sklave, der Luftgeist Ariel, den Paul Grill zur Stöckel-Transe mit Logorrhoe veralbert ("Adele, tschüssikowski, mach s gut, Knut"), lässt einen Globus im Höllentempo rotieren. Oder jemand rennt mit Rollkoffer wie irrsinnig um den Weltenkreis herum.

Klar, dass in diesem zivilisationskritischen Zirkus auch ein offener Raubtierkäfig vorbeikreist - und ein knuddliger King-Kong-Riesenaffe mit grünen Glühaugen. Die Holzfiguren werden ausgepeitscht, angezündet und erschossen. Hier dekadente, dumpfe Europäer, dort versklavte, gedemütigte Wilde.

Doch Petras bringt auch noch Elektrobeats, Stroboskoplicht, Filme über Hochzeitsriten und ein Klein-Ufo zum Einsatz. Die Ideenfülle kippt irgendwann um. Bescheidwisserei herrscht vor. Manches wirkt schwarz-weiß gemalt, anderes doppelt und dreifach gemoppelt. Als vollends der Sklave Caliban, bei Sandra Gerling ein rebellischer Wilder im Dauerbrüllton, die Regie übernimmt und zu einer mäßig lustigen Publikumsanimation ansetzt, spielen etliche Zuschauer nicht mehr mit: "Aufhören!" "Bringt s zu Ende!". Ja, es war ein oft furioser, bilderstarker "Sturm". Vielleicht kam manches zu breit getreten rüber. Schade eigentlich.

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14.12.2015, 08:30 Uhr
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