Peking

Corona: Düstere Aussichten in China

EU-Unternehmen kämpfen an vielen Fronten. Und jetzt drängen auch noch die Staatsbetriebe vor.

12.06.2020

Von dpa

Für die Maschinenbauer haben sich die Aussichten gebessert. Alle anderen kämpfen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Mit dem Abschwung durch die Corona-Krise und dem Handelskrieg der USA steuern europäische Unternehmen in China in eine ungewisse Zukunft. Zwar hat sich ihr Betrieb weitgehend normalisiert, da China den Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 im Griff hat, aber sie „tappen im Dunkeln“, sagte die Vizepräsidentin der EU-Handelskammer, Charlotte Roule, bei der Vorlage der jährlichen Umfrage zum Geschäftsklima in China.

Die Ungewissheit sei so groß „wie seit Generationen nicht mehr“. „Lieferketten sind unterbrochen, die Nachfrage bricht ein, und die Aussichten sind düster“, sagte Roule. Zudem stütze sich die Regierung in der Krise vor allem auf chinesische Staatsunternehmen, die damit noch stärker als zuvor auf dem Vormarsch seien und ausländische und private Firmen verdrängten.

Chinas Markt bewege sich in die Richtung eines Modells „Eine Wirtschaft, zwei Systeme“, sagte Roule. Auf der einen Seite gebe es ein offeneres, gerechteres und gut reguliertes System – auf der anderen aber Bereiche, in denen Staatsbetriebe mit „alarmierender Geschwindigkeit“ weitere Anteile übernähmen.

Am meisten Sorgen macht EU-Unternehmen der wirtschaftliche Abschwung. China musste im ersten Quartal einen Wachstumseinbruch von 6,8 Prozent hinnehmen. An zweiter Stelle steht in der Umfrage der seit zwei Jahren andauernde Handelskrieg der USA mit China. Kopfschmerzen bereiten den europäischen Firmen ferner der Rückgang der globalen Konjunktur, steigende Lohnkosten und zweideutige Vorschriften in China.

Aus Sicht des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) normalisiert sich dagegen die Lage für die deutschen Maschinenbauer in China, wie eine aktuelle Umfrage nahelegt. „Mittlerweile gehen 30 Prozent der knapp 140 Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, davon aus, dass sie ihr Wachstumsziel für 2020 doch erreichen werden“, teilte der Verband mit. Die Zuversicht hinge unter anderem mit der unerwartet schnellen Erholung des chinesischen Binnenmarktes und den staatlichen Konjunkturimpulsen zusammen. Eine überwiegende Mehrheit der Befragten (80 Prozent) gab jedoch an, dass das Einreiseverbot nach China ihr Geschäft beeinträchtige.

Von dem angestrebten Investitionsschutzabkommen zwischen Europa und China erhoffen sich die EU-Unternehmen eine größere Marktöffnung, weniger Diskriminierung auf dem chinesischen Markt und transparentere Genehmigungs- und Lizenzprozesse. Trotz der Corona-Krise und der Absage des EU-China-Gipfels laufen die Verhandlungen weiter, wie Roule berichtete.

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Erstellt:
12. Juni 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Juni 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2020, 06:00 Uhr

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