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Stuttgart 21

Dürrs Werk und Teufels Beitrag

Vor 25 Jahren stellten die „Väter“ von Stuttgart 21 die Idee für den Tiefbahnhof vor. Bei einer Besichtigung zeigen sie sich weiter voll vom Projekt überzeugt.

06.06.2019

Von DPA

Viel Lob fürs „Leuchtturmprojekt“: Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann (CDU). Foto: Fabian Sommer/dpa

Deutlich teurer, um Jahre verspätet und entgegen starker Proteste – das Milliardenprojekt Stuttgart 21 verläuft alles andere als reibungslos. Wenn die Väter des Projekts zurückblicken, kommen die Probleme allerdings nur am Rande vor. Bei einer Baustellenbegehung 25 Jahre nach der Projektvorstellung zeigen sich der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU), Ex-Bahn-Chef Heinz Dürr und der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) vor allem stolz auf den Bau.

Die Vorentscheidung für Stuttgart 21 fiel laut Erwin Teufel sehr schnell: „Nach wenigen Minuten“ habe er sich damals für eine Variante mit Durchgangsgleisen durch die Stadt entschieden, nachdem ihm der damalige Bahn-Chef Heinz Dürr die Lösung vorgeschlagen hatte. Es habe das Abnabeln vom Fernverkehrsnetz und damit praktisch die Stilllegung des Hauptbahnhofs gedroht. Dagegen habe man sich gewehrt.

Sichtbar stolz berichtet auch der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann von den Anfangstagen. Stuttgart 21 sei als Leuchtturmprojekt gestartet, das auch zeigen sollte, wie man die Zerschneidung von Innenstädten durch Gleise überwinden und neue Stadtviertel schaffen könne. „Das damals fast einhellige Lob praktisch aller Beteiligten hat sich im Lauf der Jahre etwas verflüchtigt“, räumt er ein. Dass es bis jetzt 25 Jahre gedauert hat, ist auch ihm zu lang. Er fordert politische und rechtliche Voraussetzungen, um Großprojekte schneller realisieren zu können.

Ex-Bahnchef Heinz Dürr sieht den Hauptgrund der Verzögerung bei der Politik. Wechselnde Machtverhältnisse und Prioritäten hätten das Unternehmen verlangsamt. Das sei auch ein Hauptgrund für die gestiegenen Kosten. Derzeit liegt der Kostenrahmen bei 8,2 Milliarden Euro statt der vor Baubeginn veranschlagten 4,5 Milliarden.

„Mit dem Wissen von heute würde man das Projekt nicht mehr bauen“, hatte der derzeitige Vorstandschef der Bahn, Richard Lutz, vergangenes Jahr im Verkehrsausschuss des Bundestags gesagt. Das berichten jedenfalls Anwesende. Dürr stellte das jetzt in Frage. Das stimme nicht. Lutz habe das so nicht gesagt und stehe hinter dem Projekt, das wisse er aus persönlichen Gesprächen. Dennoch räumte auch Dürr ein: „Ich hab das damals nicht so kompliziert gesehen, wie es jetzt heute geworden ist.“

Mit Blick auf die vehementen Proteste gegen das Projekt sagt Erwin Teufel, er wisse nicht, ob man die Ablehnung durch mehr Informationen hätte verringern können. „Wenn man Mehrheiten bekommt auf jeder einzelnen Ebene für das Projekt, dann, glaube ich, muss man das Projekt auch durchführen.“

Stuttgart 21 war immer wieder Gegenstand von starken Bürgerprotesten und 2011 sogar einer Volksabstimmung, bei der sich aber mehr als 58 Prozent gegen einen Ausstieg des Landes aus der Finanzierung des Bahnprojekts aussprachen. Mit der Fertigstellung werde auch die Kritik verhallen, glaubt Teufel: „Bitte wartet nur wenige Jahre ab, bis es fertig ist, dann will niemand mehr dagegen gewesen sein.“ dpa

„Nach wenigen Minuten“ von Stuttgart 21 überzeugt: Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU). Foto: Fabian Sommer/dpa

Unglücklich über lange Verzögerung: Ex-Bahnchef Heinz Dürr. Foto: Fabian Sommer/dpa

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Erstellt:
6. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2019, 06:00 Uhr

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