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TV-Duell

Duell ohne Biss

Nein, am Sonntagabend findet kein Boxkampf statt, kein WM-Endspiel, kein Champions-League-Finale.

02.09.2017
  • ULRICH BECKER

Ulm. Eine Dame und ein Herr – sie im ewig gleich geschnitten Jackett, er vermutlich im dunkelblauen Anzug mit roter Krawatte – unterhalten sich über Politik, befragt und angefeuert von vier Moderatoren, die brav nach Proporz-Gesichtspunkten ausgesucht sind. Es wird abwechselnd gefragt und sogar die Zeit der Antworten gemessen. Fair play.

Warum in aller Welt sollten zwischen 15 und 20 Millionen Zuschauer nach diesen 90 Minuten wissen, wer das wichtigste politische Amt in diesem Land übernehmen soll?

Das Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz sollte der Höhepunkt eines spannend geführten Wahlkampfs sein, der uns in Atem hält und täglich fesselt. Stattdessen plätschert die Auseinandersetzung dahin. Der Herausforderer versucht die Amtsinhaberin zu provozieren, sie lässt es an sich abperlen, vermeidet sogar meist, Martin Schulz beim Namen zu nennen. Wir, die Medien, sind entsetzt: Das soll der Kampf um die Macht in Deutschland sein?

Wer in das Jahr 2013 zurückschaut, kann nahezu wortgleich die gleiche Diskussion nachlesen: Der Wahlkampf sei langweilig, es gebe keine Themen, keine Auseinandersetzung. Und 2009 titelte die BILD-Zeitung nach dem TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier sogar „Yes, we gähn“. Die boulevardeske Umschreibung einer inhaltsarmen Diskussion.

Wenn wir aber alle vier Jahre das Gleiche beklagen, müssen wir uns vielleicht eine andere Frage stellen: Erwarten wir, die Wähler, eigentlich etwas, das die Politik weder erfüllen kann noch sollte? Passen mediale Inszenierung und politische Auseinandersetzung in unserem Land überhaupt zusammen?

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Duellen und Zweikämpfen. Im Sport sind Finalspiele packend, weil es am Ende nur einen Sieger gibt. Im TV feiern Formate wie „Schlag den Raab“ oder „Dschungelcamp“ Erfolge. Nur einer kann gewinnen. Kein Platz für Kompromisse. Das ist Unterhaltung.

Politik, zumal in einem hoch entwickelten Mehrparteiensystem wie dem der Bundesrepublik, entzieht sich dieser Mechanik. Es geht nicht – bis auf Ausreißer am rechten und linken Rand – um grundsätzliche Fragen. Es geht um Ausformungen und Weiterentwicklung bestehender Systeme, teilweise nur um Nuancen.

Ein Bundeskanzler Martin Schulz würde Deutschland nicht plötzlich aus den Angeln heben und neu erfinden. Allein deshalb nicht, weil die SPD von den letzten 19 Jahren seit 1998 15 Jahre lang auf der Regierungsbank saß. Aber auch, weil es nicht unserem Demokratiemodell entspricht. Deshalb werden weder dieser Sonntagabend noch die kommenden drei Wochen heiße Auseinandersetzungen bringen. Es geht am Ende um die Frage, wem man es eher zutraut, dass er dieses Land weiterhin auf Kurs hält, es für die Zukunft fit macht und sich nicht auf dem Erreichten ausruht.

Das reicht, um zu diskutieren – aber nicht, um sich zu duellieren.

leitartikel@swp.de

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02.09.2017, 06:00 Uhr
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