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Terror

Dschihad weniger anziehend

Als die IS-Milizen siegreich auftraten, folgten ihnen viele Kämpfer. Das hat sich geändert, seit die Organisation in Syrien und im Irak an Boden verliert. Doch die Gefahr für Europa ist nicht gebannt.

15.03.2017
  • STEFAN KEGEL MIT AFP

Berlin. Jeden Tag gehen sie online, die Bilder von explodierenden Bomben und blutigen Hinrichtungen, untermalt von islamistischen Gesängen. Auf ihren Webseiten zeigen sich die IS-Dschihadisten als unaufhaltsame, mitleidlose Kämpfer. Doch nach zwei militärisch erfolgreichen Jahren sind sie im Irak und in Syrien auf dem Rückzug – die Bombardements der Anti-IS-Koalition zeigen Wirkung.

In den vergangenen Monaten verlor der IS im Irak massiv an Boden. In der Stadt Mossul im Norden des Landes sitzen die IS-Dschihadisten nach dem Vormarsch der irakischen Regierungstruppen laut dem US-Beauftragten Brett McGurk „in der Falle“. Die neunte irakische Armeedivision habe in der Nacht zum Sonntag „die letzte Ausfallstraße aus Mossul abgeriegelt“, sagte McGurk. „Wir legen es darauf an, sie in Mossul nicht nur zu besiegen, sondern sicherzustellen, dass diese Typen nicht entkommen können.“

Seit Beginn ihrer Offensive in West-Mossul vor knapp einem Monat hat die irakische Armee nach eigenen Angaben große militärische Erfolge erzielt. Rund ein Drittel von West-Mossul sei von der Dschihadistenmiliz IS zurückerobert worden, erklärte ein Armeevertreter. Aus Rücksicht auf die Zivilbevölkerung müssten die Einheiten allerdings behutsam vorgehen. Die Regierungstruppen hatten am 19. Februar eine Offensive zur Rückeroberung von West-Mossul aus der Hand des IS gestartet. Ende Januar nahmen sie nach gut dreimonatigen Kämpfen den Ostteil der zweitgrößten irakischen Stadt ein.

Das schrumpfende Einflussgebiet der Dschihadisten macht sich auch finanziell bemerkbar. Wie eine aktuelle Studie des Londoner King's College zeigt, sind die Einnahmen des IS im Vergleich zu 2014 um die Hälfte zurückgegangen. Nahm die IS-Organisation damals noch umgerechnet 1,83 Milliarden Euro ein, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 819 Millionen Euro. „Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, wird das Wirtschaftsmodell des Islamischen Staates bald scheitern“, resümieren die Experten um Peter R. Neumann.

Nur noch preiswerte Anschläge

Dass das auch die Terrorgefahr in Europa eindämmen wird, bezweifeln die Experten allerdings. Die Anschläge in Berlin, in Paris und Brüssel haben eines gezeigt: „Die terroristischen Operationen des Islamischen Staates sind oft relativ billig und werden finanziert, ohne sich auf offizielle Hilfen oder Unterstützung der Gruppe in Syrien und im Irak zu verlassen“, erklärt die Studie. Wie Neumann der „Zeit“ vorrechnete, war der Anschlag von Paris im November 2015 der teuerste, für den die Dschihadisten verantwortlich zeichneten, „und selbst dafür zahlten die Attentäter weniger als 20 000 Euro“.

Der Terrorexperte des King's College sieht die Maßnahmen gegen das Finanzsystem des IS daher als unzureichend an. IS-Terroristen hätten schlicht kein Konto bei Goldman Sachs. Sein Vorschlag lautet: „Wir müssen uns stärker mit Kleinkriminellen beschäftigen.“ Denn viele der Attentäter von Paris, Brüssel – und auch Anis Amri, der den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verübte – gingen als täglichem Broterwerb kleinen und großen Gaunereien nach. Als Anis Amri gefilmt worden sei, wie er mit Drogen handelte, hätten die Ermittlungen wegen islamistischer Radikalisierung gegen ihn aufgehört. Die Behörden seien davon ausgegangen, dass ein Drogenhändler kein Islamist sein könne. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich herausstellte.

Einer Studie Neumanns zufolge rekrutiere der IS mittlerweile gezielt in diesem Milieu. Denn die Kleinkriminellen wüssten nicht nur, wie man Geld beschafft – sondern auch, wo man Waffen herbekommt. (mit afp)

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15.03.2017, 06:00 Uhr
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