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„Schule als Fußball-WM“

Drei Tage lang dreht sich alles um den Ball

Der WM-Ball rollt schon: Kurz vor Beginn des „echten“ Turniers in Südafrika simulieren 650 Schüler und Lehrer des Mössinger Firstwald-Gymnasiums die Fußball-Titelkämpfe – mit allem Drum und Dran.

10.06.2010
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Tröten, Trommeln und Trikots: Auf dem Firstwald-Gelände wimmelt es am Mittwoch, dem ersten Austragungstag dieser WM, nur so davon. Der Spielplan entspricht dem der „richtigen“ WM, es treten 32 Schüler-Mannschaften an, sie vertreten unterschiedliche Nationalitäten. Angestoßen hat das Projekt Sportlehrer Dieter König. Die Siegermannschaft bekommt einen Pokal, den Kunstlehrer Oliver Walter entworfen hat. Musik- und Erdkundelehrer Ulrich Krämer sorgt mit dem „Fanprojekt“-Team für Stimmung am Spielfeldrand: „Es wird getrommelt und gesungen, auch bei der Eröffnungsfeier waren wir in Aktion.“ Sogar einen „Fanshop“ gibt es: Hier können sich Anhänger aller Teams mit Schals, Shirts, Vuvuzelas eindecken. „Es gibt auch „Air Sticks““, erklärt Shop-Verwalterin und Fünftklässlerin Eva Maria – damit kann man volltönend Beifall klatschend.

Wer auf dem Campus Fanartikel, Essen oder Getränke kaufen will, egal ob Projektteilnehmer oder gerne gesehener Gast, der muss bei der WM-Bank den Euro erst mal gegen die passende WM-Währung eintauschen: Das ist, in Anlehnung an das südafrikanische Zahlungsmittel und passend zur geografischen Lage Mössingens, der „Alb-Rand“. Für einen Euro bekommt man einen halben Rand. Teresa Schneider vom Bankmanager-Team: „Viele verstehen nicht, dass sie einmal eingetauschte Euro nicht wieder zurücktauschen können.“ Kollegin Franziska Müller, 16, hält eine Banknote hoch: Die südafrikanischen Motive hat EFG-Oberstufenschülerin Alena Mang gezeichnet.

Englischlehrerin Gillian Hughes betreut die Cheerleader: Vor jedem Anpfiff heizen sie in kurzen weißen Faltenröcken, blaue Bommel schwenkend, den Zuschauern ein – auch beim Spiel Dänemark gegen die Niederlande. Über Lautsprecher schallen die Nationalhymnen weit über den Campus. „Ein erster Torschuss, aber der Torwart hält“, so der Schüler-Live-Reporter. Nach jedem Tor ertönt „Samba de Janeiro“.

Gespielt wird in altersgemischten Mannschaften, Jungen und Mädchen zusammen. Bei der Pressekonferenz danach, im extra eingerichteten Presseraum, geben die Holländer sportlich fair zu: „Wir waren schwach in der Abwehr, die Dänen waren kämpferisch besser.“ Schlecht lief es in der ersten Begegnung für „die Deutschen“: 2:0 verlor man gegen die Jungen und Mädchen aus „Down Under“. „Die Australier haben gleich volle Kanne losgelegt, die hatten einfach eine andere Taktik“, analysiert Johanna Baden, 18, die Auftaktniederlage. Alle, die bei dem riesigen Rollenspiel, das bis Freitagabend läuft, mitmachen, sind mit Trikots mit eigenem Namen und Funktion ausgestattet. Stefan Schneider und Simon Ochs, beide 12, sind im „Medizinteam“: „Bisher mussten wir aber nur leichte Blessuren verarzten“, ziehen sie zufrieden Zwischenbilanz. „Sensationell gerettet vom Schlussmann, was für ein Lattenknaller“, tönt es vom Spiel Kamerun gegen Japan herüber.

Im „Event-Büro“ laufen alle Fäden zusammen: Sonja Fischer trägt die Ergebnisse in Listen ein. Ein TV-Team und ein Radio-Team berichten über die Spiele und sind auf den Pressekonferenzen. Die Sendungen können jeden Abend über Internet auf der Schulhomepage abgerufen werden. Die 12-jährige Annika, die 15-jährige Miriam und Nicole, 17, brüten am Laptop über einem Spielbericht. „Wir machen aber auch Interviews oder Berichte zu verschiedenen Themen.“ Im Hintergrund interviewt eine Live-Reporterin die Spieler: „Welche Mannschaft hat eine Chance auf den WM-Titel?“ „Dänemark“, hofft Marius Serra, der selbst bei den Nordländern mitkickt: „Die haben die besten Spieler.“

Längst nicht alle sind für Deutschland: „Frankreich soll gewinnen“, raunt ein Referee dem anderen in einer Pause zu. Parteiische Schiedsrichter: Das gibt‘s bei der EFG-WM höchstens außerhalb des Platzes, sonst geht alles professionell zu. Peter Sitner, 13, wie seine „Kollegen“ ganz in Schwarz, findet das Schiedsrichter-Sein „anstrengend, aber auch spannend“. Für den 13-jährigen Ludwig Stumpp ist es „total interessant, mal die andere Seite des Fußballs kennen zu lernen.“ Beiden macht ihr Projekt-Amt Spaß; allerdings: „Fehlentscheidungen sind ein bisschen blöd, da wird man dann von allen ausgebuht.“

Sonne satt und knallvolle Ränge dann in der „WM-Arena“ bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises, die über eine Videoleinwand live aus Berlin übertragen wird; Jubel, als Mössingen neben Großstädten wie München, Saarbrücken und Bielefeld auf der Karte mit den 15 besten Schulen des Landes erscheint. Tosenden Applaus gibt es, als feststeht, dass das EFG den Sonderpreis der Akademie in der Tasche hat (siehe Extra-Berichte auf der ersten Lokalseite und links).

Info Am Freitag um 15 Uhr startet das Schulfest mit Public Viewing von der „richtigen“ WM; um 18.30 Uhr ist das Endspiel der Firstwald-WM unter Leitung von Fifa-Schiedsrichter Knut Kircher. Um 19 Uhr beginnen Schlussfeier und Siegerehrung.

Drei Tage lang dreht sich alles um den Ball
Schüler-WM in Mössingen: Zum Eröffnungsspiel laufen hier die Schiedsrichter ein, dahinter die Teams von Südafrika und Mexico. Bild: Rippmann

Drei Tage lang dreht sich alles um den Ball
Und alle jubeln über die Sonderauszeichnung beim Deutschen Schulpreis – die Mössinger Firstwald-Delegation gestern vor der Berliner St. Elisabeth-Kirche. Bild: Robert-Bosch-Stiftung / Max Lautenschläger

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10.06.2010, 12:00 Uhr
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