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Drei Fragen zu Witold Lutoslawski an die Pianistin Corinna Simon
Die CD mit Lutoslawski-Klaviermusik Foto: Label
Klaviermusik eines großen Polen

Drei Fragen zu Witold Lutoslawski an die Pianistin Corinna Simon

11.08.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Welchen Stellenwert haben die Solo-Klavierwerke in Lutoslawskis Oeuvre?

Es sind allesamt wunderbare Werke, die in ganz unterschiedlichen Phasen seiner künstlerischen Entwicklung entstanden sind. Stücke wie die Sonate oder „Zwei Etüden“ sind stark geprägt von den Klangmöglichkeiten des Instrumentes und großen pianistischen Herausforderungen, andere wie der Miniaturzyklus „12 Volksmelodien“ konzentrieren sich ganz auf die musikalische Ausarbeitung der Themen im Kontext. Von besonderer Bedeutung ist, dass 1945 Volksmusik in Polen verboten war.

Wie sehr sind die zu hörenden Werke auf das Klavier zugeschnitten?

Lutoslawski war selbst ein hervorragender Pianist. Der Klavierklang ist beim Spielen seiner Stücke immer auch Inspiration. Bei den „Volksmelodien“ etwa gilt es, den Charakter jedes Stückes durch genaues Ausloten von Klang, Tempo, Artikulation und anderen Parametern exakt zu treffen. Als ich die CD aufgenommen habe, gab es davon noch keine Einspielungen, ich konnte mir also nur anhand der Noten eine Vorstellung von der Musik verschaffen. Es war sehr spannend für mich, so unvoreingenommen an die Sache herangehen zu können.

Was erzählt uns die Klaviersonate?

Ich höre darin eine „immerwährende“ Suche. Teils ist diese thematisch bedingt. Der erste Satz beginnt strömend, mit impressionistisch inspirierten Klängen, die sich dann in andere Strukturen wandeln. Was ein Stück „erzählt“, lässt sich natürlich nur sehr schwer beantworten. Aber die Sonate „spricht“, sehr ausdrucksvoll, in einer ganz eigenen Sprache. Für mich handelt das Werk auch von der Suche nach Schönheit in der Musik. Und es endet in der Schwebe.

Zur Person

Witold Lutoslawski (1913–1994) war eine der Leitfiguren der polnischen Komponistenszene. Sein 1988 vollendetes Klavierkonzert markiert im 20.?Jahrhundert einen Meilenstein der Gattung. Mit den „Variationen über ein Thema von Paganini“ hat er zudem einen modernen Klassiker für zwei Klaviere geschrieben. Seine – zumeist in der frühen Schaffenszeit entstandenen – Werke für Solo-Klavier sind dagegen fast unbekannt. Die aus Berlin stammende Pianistin Corinna Simon hat sie jetzt in einer Maßstab setzenden Interpretation – teilweise als Weltersteinspielung – auf CD gebannt. Zu hören sind unter anderem die „12 Volksmelodien“, „5 „Hirtenlieder“ und „3 Stücke für die Jugend“ sowie die „2 Studien für Klavier“. Die eigentliche Sensation präsentiert Simon ganz am Schluss: Lutoslawskis Klaviersonate, bereits 1934 entstanden. Zu Lebzeiten hat der Komponist sie oft mit Erfolg aufgeführt, aber nie veröffentlicht (Avi/Vertrieb: Harmonia Mundi).

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11.08.2016, 06:00 Uhr
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