Natur

Dramatisches Insektensterben im Südwesten

Eine Langzeitstudie zeigt bei einer Schwebfliegenart Rückgänge um 97 Prozent innerhalb von 50 Jahren.

30.10.2020

Von EPD

Ein Insektennetz der Forschungsstation Randecker Maar: Die Forscher registrieren einen dramatischen Insekten-Rückgang. Foto: R. Gatter/Forschungsstation Randecker Maar/dpa

Stuttgart. In den vergangenen 50 Jahren ist der Insektenbestand im Südwesten drastisch eingebrochen. Das belegen Wissenschaftler, die über diese Jahrzehnte in einer Forschungsstation im Randecker Maar bei Kirchheim unter Teck Daten gesammelt haben. Am Donnerstag stellten in Stuttgart der Gründer der Station, Wulf Gatter, und der ehemalige Mitarbeiter Markus Rösler sowie Professor Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart die Ergebnisse vor.

In der nach Angaben der Insektenkundler europaweit einmaligen Langzeitstudie haben sie in zwei Versuchsreihen Rückgänge von rund 97 Prozent innerhalb von 50 Jahren beziehungsweise etwa 85 Prozent innerhalb von 40 Jahren festgestellt. „Was wir heute noch sehen, ist niederschmetternd“, sagte Gatter.

Die Schwebfliegen standen im Mittelpunkt der Erfassungen. Seit 1970 gab es dabei beispielsweise bei der größten und artenreichsten Gruppe, deren Larven räuberisch vor allem von Blattläusen leben, einen Rückgang um 97 Prozent. Die Populationen zweier gleichzeitig erfasster Gruppen, der Waffenfliegen und parasitische Schlupfwespen, gingen im selben Zeitraum um deutlich über 80 Prozent zurück.

„Jetzt liegt es an der Politik, einschneidende Maßnahmen zum Schutz von Insekten und unserer gesamten biologischen Vielfalt zu ergreifen“, sagte Gatter. Krogmann sagte, die gesammelten Daten zeigten „dramatisch eine kontinuierliche Verarmung unserer heimischen Insektenvielfalt.“ Als „einen katastrophalen Spiegel unseres menschlichen Umganges mit der Natur“ bezeichnete Rösler die Ergebnisse.

Das Randecker Maar am Rand der Schwäbischen Alb ist ein ehemaliger Vulkanschlot. Dort ziehen auf einer Breite von über sechs Kilometern Vögel und Insekten von Nord nach Süd und können beim Durchflug gut erfasst werden. Mehr als 600 Mitarbeiter aus Deutschland und Europa haben sich in den letzten 50 Jahren im Rahmen von jährlich rund 100 Tage dauernden Arbeits- und Forschungsprogrammen an der wissenschaftlichen Studie beteiligt. epd

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Erstellt:
30. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Oktober 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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