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Draghis ultimative Waffe
EZB-Präsident Mario Draghi setzt auf eine Lockerung der Geldpolitik. Das gefällt längst nicht jedem Ökonom. Foto: afp
Kann die Notenbank mit "Helikoptergeld" Wirtschaftswachstum und Inflation steigern?

Draghis ultimative Waffe

Die Idee wirkt bestechend simpel: Die Notenbanken verschenken Geld, zum Beispiel an die Bürger. Die konsumieren mehr und schieben so die Wirtschaft an. Doch ganz so einfach ist es nicht. Ein Überblick.

22.03.2016
  • DPA

Was versteht man unter "Helikoptergeld"? Die Idee ist denkbar einfach: Man muss nur im großen Stil Geld unter der Bevölkerung verteilen, schon kommt die Wirtschaft durch den Geldregen in Schwung und die Inflation zieht an. Was zunächst wie ein Scherz klingt, wird aktuell in Finanzkreisen ernsthaft diskutiert.

Hat es so etwas schon mal von einer Notenbank gegeben? Nein. Während der Finanzkrise 2008 verteilte die US-Regierung zwar Steuergutschriften an Privathaushalte. Allerdings gibt es einen Unterschied zum "Helikoptergeld": Die US-Notenbank verschenkte kein Geld, sondern sicherte ihre Geldschwemme über den Kauf von Wertpapieren ab. Ähnlich geht zurzeit die EZB vor. Werden Wertpapiere wieder verkauft oder fällig, fließt das Geld zurück zur Notenbank. Dies wäre bei "Helikoptergeld" nicht der Fall.

Wie wird in der EZB-Führung über die Idee gedacht? Notenbankchef Mario Draghi versicherte zwar, dass innerhalb des EZB-Rates nicht ernsthaft über die Idee des "Helikoptergeldes" gesprochen wurde. Später hat er sie aber nicht rundweg abgelehnt, sondern als "ein sehr interessantes Konzept" bezeichnet. Etwas konkreter wurde EZB-Chefvolkswirt Peter Praet. Er sagte, dass theoretisch alle Notenbanken dieses "extreme Instrument" einsetzen könnten. Es stelle sich nur die Frage, ob und wann der Einsatz Sinn mache.

Wie wäre das in der Praxis umsetzbar? Schwierig. Zunächst einmal hat die EZB nicht die Kontonummern der etwa 337 Millionen Bürgern der Eurozone, um das Geld zu überweisen. Allein daran zeigt sich die bürokratische Herkules-Aufgabe. Schwierig wird es auch aus bilanztechnischen Gründen. Bisher gilt das Prinzip: Frisches EZB-Geld gibt es nur gegen Sicherheiten als Gegenleistung. Wenn die EZB das Geld aber einfach verschenken würde - wie soll das verbucht werden? Nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Michael Schubert wäre das Auszahlen von "Helikoptergeld" nur indirekt über die Euroländer denkbar. "De facto würde die EZB den Euroländern also eine Art Kredit gewähren", erklärt Schubert.

Was sagen die Kritiker? Zu den Kritikern zählt Bundesbankchef Jens Weidmann: "Ob und wie Geld an die Bürger verschenkt wird, ist eine hochpolitische Entscheidung, die Regierungen und Parlamente fällen müssen", sagte Weidmann. Hier habe die EZB einfach kein Mandat. Schon die bisher beschlossenen Maßnahmen werden nach Einschätzung von Weidmann schwächer in der Wirkung, je länger sie dauern, während Risiken und Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik zunähmen. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, bezeichnet die Idee des "Helikoptergeldes" schlichtweg als "Quatsch". Es würde die Illusion nähren, die Notenbank könne für die Bürger einfach immer mehr Geld drucken und damit die Probleme lösen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass das "Helikoptergeld" kommt? Das ist eher unwahrscheinlich. Sollten am Konjunkturhimmel wieder düstere Wolken aufziehen und große Eurostaaten wie Frankreich oder Italien stärker unter Druck geraten, dann verfüge die EZB noch über genügend Munition, versicherte jüngst EZB-Chefvolkswirt Praet. Ganz ähnlich äußerte sich zuletzt auch EZB-Direktor Benoît Coeuré.

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22.03.2016, 08:30 Uhr
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