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Ausbildung

Dort lernen, wo andere in den Urlaub fliegen

Flughafen Stuttgart. Die Ausbildung am achtgrößten Flughafen Deutschlands boomt – und passt nicht in das Bild von Fachkräftemangel und der schwierigen Suche nach Auszubildenden. Personalleiter Friedemann John erklärt die Gründe, spricht über die Motivation der jungen Menschen und Maßnahmen, die zur Arbeit am Airport reizen sollen.

29.06.2018
  • TEXT: Moritz Hagemann|FOTOS: Flughafen Stuttgart

Vor 26 Jahren begann Friedemann John am Stuttgarter Flughafen. Heute ist der 51-Jährige Personalleiter und spricht von einer „Insel der Glückseligkeit“ – was die Bewerbungen auf die acht verschiedenen Ausbildungsberufe am Airport angeht. 2017 verkehrten am Manfred-Rommel-Flughafen fast elf Millionen Fluggäste – so viele wie noch nie.

Wie lange das Arbeiten auf dem Flughafen noch boomt? „Das weiß niemand“, sagt John. „Aber ich sage ja schon seit zehn Jahren, dass es uns diesbezüglich richtig gut geht.“

Einen Fachkräftemangel? Gibt es am Airport nicht. Auf zwei Ausbildungsplätze zur Servicefachkraft im Luftverkehr kommen jährlich etwa 500 Bewerbungen. Dieser Beruf beinhaltet alles, was mit der operativen Flugzeugabfertigung zu tun hat. Einige Beispiele: Check-in, Boarding, Catering, Gewichts- und Ladeberechnung. 27 000 Tonnen Fracht wurden etwa im vergangenen Jahr vom Flughafen der Landeshauptstadt auf die Reise geschickt. Dabei werden viele Aufgaben inzwischen teils von Maschinen übernommen wie etwa die Gepäckaufgabe und die wegweisenden Info-Säulen.

Selbst in den technischen, nicht so beliebten Berufen, wollen im Schnitt bis zu 140 Bewerber/innen die beiden Plätze haben. Das Einstiegsgehalt ist in allen Berufen tariflich festgelegt: 918 Euro brutto. Pro Ausbildungsjahr geht es etwa 50 Euro nach oben. Und: „Wir haben immer wieder einige Bewerber auch aus dem Großraum Tübingen“, sagt John. Der Flughafen bezuschusst das Jobticket für die öffentlichen Verkehrsmittel mit bis zu 500 Euro im Jahr, was „für manche schon die ganze Miete ist“.

Ein großer Grund für den Boom: die Emotionen. Dort arbeiten, wo der Urlaub beginnt. „Viele verbinden mit dem Flughafen den Beginn der schönsten Zeit des Jahres“, sagt John. Der Personalleiter hält es für unerlässlich, die Zielgruppe vor allem über die sozialen Medien anzusprechen – wobei Facebook kaum mehr relevant sei. Der Großteil nutze heute Instagram in Verbindung mit Whats
App. Die Präsenz auf Messen und der eigenen Homepage ist zudem von hoher Bedeutung. Azubis aus verschiedenen Berufen bloggen dort über ihre Erfahrungen, wofür wiederum der Flughafen ein Tablet zur Verfügung stellt, das auch privat benutzt werden darf. „Das zahlt sich aus“, sagt John. Viermal jährlich erscheint außerdem das Magazin „Flugblatt“ – ebenfalls eine gute Plattform zur Bewerbung der Angebote.

Durch die hohe Bewerbungsanzahl können sich John und seine Mitarbeiter strenge Auswahlkriterien leisten. So ist beispielsweise ein einwöchiges Praktikum im Voraus Pflicht. So soll verhindert werden, dass Azubis die Ausbildung abbrechen, weil ihnen der Job doch nicht zusagt. Die Abbrecherquote am Flughafen liege bei etwa vier Prozent. Viele Azubis werden übernommen, dafür hat der Airport ein sogenanntes Übernahmeprogramm entwickelt, das bei fehlendem Bedarf im Wunschbereich dennoch die Möglichkeit eröffne, erste Berufserfahrung sammeln zu können. So kann jeder Azubi nach der Ausbildung für ein Jahr garantiert am Flughafen bleiben. John schätzt die Übernahmequote auf 60 bis 70 Prozent. Einige studieren danach noch, „wenige andere wechseln zu einem anderen Arbeitgeber“, sagt der Personalleiter.

In seinen 26 Jahren habe er schon alles erlebt, sagt John. Herausragende Azubis, die später zu den besten in ganz Deutschland gewählt worden sind. „Aber auch Vorstellungsgespräche, bei denen ich mich gefragt habe, wo eigentlich die Kamera versteckt ist.“

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29.06.2018, 08:00 Uhr
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