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Ich mit ohne Mama

Doro und Jonas Zachmann über das Erwachsenwerden mit Down Syndrom

Doro Zachmann hat ein drittes Buch über ihren Sohn Jonas veröffentlicht. Der durch das Down Syndrom behinderte junge Mann hat dabei mitgeschrieben. Beide lasen beim ökumenischen Frauenfrühstück in der Mössinger Christuskirche.

09.10.2015
  • Susanne Mutschler

Mössingen. In den ersten beiden Büchern, in denen Doro Zachmann vom Aufwachsen ihres Sohnes erzählt, geht es um die Babyjahre mit Jonas und um seine Kindheit. Jonas, der 1992 mit dem Down Syndrom zur Welt kam, leide nicht an seiner Behinderung, betonte Doro Zachmann am Mittwoch. Auch sich selbst will sie nicht als negativ „Betroffene“ sehen. Viel eher sei sie eine Getroffene, denn Jonas mit seinem „fröhlichen Gemüt“ und seiner ansteckenden Heiterkeit sei von Anfang an „ein Volltreffer in ihr Herz“ gewesen und „ein Mega-Geschenk von Gott“. Denn ihrem Sohn sei die Kunst, sich selbst zu lieben, in die Wiege gelegt. Jonas habe ein „bewundernswert gesundes Selbstwertgefühl“, sagt Doro Zachmann. Er genieße sein Leben in vollen Zügen. „Ich bin mein Lieblingsmann“, schreibt „Knüller Jonas“, wie er im Untertitel des Buches genannt wird.

Beim Mössinger Frauenfrühstück, das der Veranstaltung wegen auf den Abend verlegt wurde, lasen Doro und Jonas Zachmann im Wechselgespräch aus „Ich mit ohne Mama“. In fünf Kapiteln und auf über 300 Seiten geht es darin um das Erwachsen- und Selbstständigwerden des jungen Mannes. Das Buch ist gespickt mit Fotografien, Tagebucheinträgen und den krakeligen Aufzeichnungen von Jonas. Auch aus der vierten Folge der begleitenden Biografie, die demnächst unter dem Titel „Bin kein Star, bin ich“ erscheinen wird, gaben die beiden erste Kostproben.

„Ich bin dein Sohn und dein Abenteuer“, beschreibt Jonas seine enge Mutterbeziehung. Noch immer bekommt Doro Zachmann Liebesbriefe und Heiratsanträge von ihm. Auch beim Vorlesen ist ihm ihre Nähe wichtig. Jonas sei in der Lage, ohne Einschränkung zu lieben, erklärt sie. Dass gerade er als eingeschränkt gelten soll, kommt ihr vor wie eine „verkehrte Welt“.

Der 23-Jährige weiß genau, dass ihn seine Behinderung von anderen jungen Männern unterscheidet. Er habe Probleme beim Sprechen; Zahlen und Fahrpläne machen ihm Mühe. Er lerne langsamer als andere, und es sei für ihn schwierig, „wenig zu essen und seine Fußnägel zu schneiden“. Wenn andere ihn auslachen und ausgrenzen, macht ihn das traurig. „Aber Gott sagt mir, dass ich gut bin“, schreibt Jonas und zählt viele positive Eigenschaften auf: Er könne schreiben, lesen, in seinem Kopf drin denken, schwimmen und tauchen, charmant küssen und gut tanzen. Seit Jonas mit 18 Jahren telefonisch seine erste Pizza bestellte und selbst bezahlte, hält Doro Zachmann ihren Sohn für „überlebenstauglich“.

2012 hat er das Familienleben mit Eltern und Schwestern gegen eine gemischte Wohngruppe in Karlsruhe eingetauscht. In einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen macht er eine Holzbau-Ausbildung. „Ich liebe Schreiner“, bekennt er leidenschaftlich. Mindestens ebenso gern geht er an den Wochenenden mit seiner Mutter auf Lese-Tour. Er mag die Auftritte und vor allem das Übernachten in den Hotels. In seiner Freizeit geht er zum Tanzkurs im Haus der Karlsruher Lebenshilfe. Spontan zeigt er den begeistert mitklatschenden Frauen, was er an Beweglichkeit und tänzerischer Fantasie alles draufhat.

Kerstin Metzger, die das Frauen frühstück organisierte und selbst Mutter eines „besonderen Kindes“ ist, dankte Jonas und seiner Mutter „für den tollen Ausblick in die Zukunft“, den sie ihr gegeben hätten. Menschen wie Jonas seien „von Gott geliebte Unikate“.

Doro und Jonas Zachmann über das Erwachsenwerden mit Down Syndrom
Kann schreinern, tanzen und schreiben: Jonas Zachmann mit seiner Mutter und Co-Autorin Doro. Bild: Rippmann

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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