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Doppelte Ernte
So sieht Agrophotovoltaik in der Praxis aus: Feldbearbeitung unter dem Sonnenenergie-Dach. Foto: © Fraunhofer ISE
Agrophotovoltaik

Doppelte Ernte

Solarmodule produzieren in fünf Meter Höhe Strom, darunter wachsen Kartoffeln. Am Bodensee haben Forscher und Landwirte die Technik ausprobiert. Sie sind mit den Erträgen zufrieden.

28.11.2017
  • HENNING KRAUDZUN

Heggelbach. Landwirt Thomas Schmid ist mit der doppelten Ernte zufrieden. Die Solarmodule fünf Meter über dem Acker haben in den vergangenen Monaten ordentlich Energie produziert und die Früchte vom Feld hat Schmid auch schon geholt.

Schmid ist Gründungsmitglied einer Bio-Hofgemeinschaft in Heggelbach am Bodensee, wo ein zukunftsträchtiges Modell in der Landwirtschaft erforscht wird. Die Agrarfläche wird doppelt genutzt: für den Anbau und für Photovoltaik. Bisher mussten sich die Landwirte entscheiden, wobei die Stromversorgung zehnmal so lukrativ sei wie Nahrungsmittelerzeugung, sagt Schmid.

Forscher der Universität Hohenheim und des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) montierten die Solaranlage auf Gerüsten, die ein Drittel Hektar überdeckten. Weitere zwei Hektar dienten als Referenzfläche. Jetzt zogen die Institute Bilanz. „Die Ergebnisse sind ein voller Erfolg“, betont Projektleiter Stephan Schindele vom ISE.

Die Kosten der 200-Kilowatt-Anlage, die rund 60 Haushalte mit Strom versorgen kann, lassen sich mit denen herkömmlicher Solaranlagen vergleichen. Durch den Schattenwurf komme zwar rund 30 Prozent weniger Licht auf dem Acker an, sagt Schindele, die Ernteverluste hielten sich jedoch in Grenzen.

Agrarexperten der Uni Hohenheim berechneten, dass sich beim Kleegras der Ertrag um 5 Prozent reduziert hat, bei Kartoffeln und Weizen waren es zwischen 18 und 19 Prozent. Für die Betreiber der Hofgemeinschaft wurde eine kritische Grenze nicht erreicht. Zudem galt als Voraussetzung, dass Traktoren und Mähdrescher unter dem Solardach problemlos rangieren können.

Mit dem neuen Verfahren wurden die Module so ausgerichtet, dass der Acker gleichmäßig beleuchtet wird. „Wir mussten die Ausrichtung der Solarmodule leicht verändern, wodurch der Wirkungsgrad nicht mehr ganz so groß war“, erklärt der ISE-Forscher Maximilian Trommsdorff. Die Stromverluste betrugen lediglich 5 Prozent.

Eine neue Generation von Solarmodulen auf den Markt, die doppelt beschichtet sind, ermöglichen es, dass auch die vom Boden reflektierte Sonnenstrahlung genutzt werden kann. Die Wissenschaftler glauben, dass sich ihr Konzept in der Agrarbranche langfristig durchsetzt. Deutschlandweit könnten Agrophotovoltaik-Anlagen auf bis zu 70 000 Hektar installiert werden, wodurch 50 Gigawatt Strom produziert würden, schätzt Trommsdorff. Auch im Zusammenspiel mit weiteren Kulturen sollen die Anlagen getestet werden – über Obstbäumen, Erdbeerfeldern oder Wein- und Hopfenflächen.

Baden-Württemberg hat im März dieses Jahres die gesetzlichen Grundlagen geschaffen. Pro Jahr dürfen 200 Hektar Agrarland mit Solaranlagen bebaut werden, wenn sie in einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur den Zuschlag erhalten. Eine ähnliche Verordnung hat Bayern erlassen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg arbeiten noch daran. Andere Länder sehen von solchen Plänen ab.

Beim Deutschen Bauernverband bewertet man die Idee zurückhaltend. „Das klingt charmant, aber es fehlt noch die Praxistauglichkeit“, erklärt Verbandssprecher Michael Lohse. „Man braucht Platz, um Aussaat und Ernte zu betreiben. Das wird auf diesen Flächen schwierig.“ Zudem seien die Zeiten, als Landwirte großflächig in Solaranlagen investierten, mittlerweile vorbei.

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28.11.2017, 06:00 Uhr
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