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Aktienrückkäufe beflügeln die Kurse, nur in Deutschland nicht

Doping für Unternehmen

US-Unternehmen kaufen Milliarden eigener Aktien zurück. Diese „Kurspflege“ gibt es hierzulande kaum. Verpassen deutsche Firmen einen wichtigen Trend?

29.08.2016
  • DPA

Frankfurt. Bei Olympia war das Thema Doping ein Dauerbrenner. Auch am Finanzmarkt spielt es eine wichtige Rolle. Zahlreiche US-Großkonzerne stützen ihren Börsenwert, indem sie für Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen. Das seit Jahren immer stärker um sich greifende Phänomen nennt sich „Kurspflege“ – und ist umstritten.

Vor wenigen Tagen schlossen die drei US-Leitbörsen Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq so gut wie seit 1999 nicht mehr. Eigentlich passt das nicht recht ins Marktumfeld, denn die Anleger haben viele Sorgen. Als Hauptgrund dafür, dass die Kurse trotzdem steigen, gilt die Flut billigen Geldes, mit der die Notenbanken für Anlagedruck sorgen. Im Hintergrund wirken aber noch andere Faktoren wie Aktienrückkäufe.

„Das ist Doping, ganz klar“, sagt Experte Robert Halver von der Baader Bank. Dem Analysehaus Factset zufolge haben US-Unternehmen allein zwischen Februar und April eigene Papiere im Wert von 166,3 Mrd. Dollar (147,6 Mrd. EUR ) zurückgekauft. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent im Jahresvergleich und dem höchsten Quartalswert seit 2007 – bevor in den USA die Kreditblase platzte und die Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzte.

Doch was versprechen sich die Unternehmen davon? Durch den Rückkauf von Aktien wird die Nachfrage nach dem Wertpapier erhöht, was den Kurs stützt. „Damit steigen in der Regel der Gewinn und die Dividende pro Aktie“, heißt es in einer Studie der Deutschen Bank. So werde überschüssiges Geld an die Anteilseigner weitergegeben.

Inzwischen ist es in den USA schon üblich, dass aufsässige Investoren wie der New Yorker Hedgefonds-Manager Carl Icahn Druck machen und mit Aktionärsaufstand drohen, damit Konzerne die Kasse öffnen. Allerdings profitieren häufig auch die Vorstände, weil viele von ihnen Aktienoptionen als Boni erhalten. Die große Beliebtheit ergibt sich vor allem aus dem Steuerrecht – während der US-Fiskus bei Dividenden mit 40 Prozent zuschlägt, sind es bei Kursgewinnen lediglich 20 Prozent.

So erklärt sich auch der grundlegende Unterschied zu Deutschland und Europa, wo beide Einkommensarten steuerlich gleich behandelt werden. Zwar gibt es auch hierzulande Konzerne, die eigene Papiere zurückkaufen wie etwa Siemens, Osram oder der Rückversicherer Munich Re. Doch sie sind die Ausnahme und fallen im Vergleich zur US-Konkurrenz kaum ins Gewicht. „Deutsche Unternehmen kaufen selten bis nie Aktien zurück“, sagt Philipp Immenkötter, Analyst beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Aktienrückkäufe seien in Deutschland bis 1998 nur unter hohen Auflagen möglich gewesen.

„In Deutschland konnte sich nie eine Rückkaufkultur entwickeln“, sagt Immenkötter. Bei Rückkäufen haben sich deutsche Firmen zudem die Finger verbrannt. Kurz vor der Finanzkrise 2008 erwarben Dax- und M-Dax-Konzerne eigene Papiere. Als wenig später die Kurse abstürzten, machte die Mehrzahl Verluste. Firmen hätten daraus Konsequenzen gezogen. „Nach der Finanzkrise sind Häufigkeit und Volumen der Rückkäufe deutlich zurückgegangen.“

Peter Barkow, Gründer der Finanzberatung Barkow Consult, macht ferner ein typisch deutsches Phänomen für den Mangel von Aktienrückkäufen verantwortlich: den großen Einfluss von Familienunternehmen. Selbst bei Großkonzernen wie Merck, Beiersdorf, Henkel, Continental, BMW oder VW hielten Familien- und Gründeraktionäre große Anteile. Sie schienen eine größere Präferenz für Barmitttel zu haben, sagt Barkow.

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29.08.2016, 06:00 Uhr
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