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Konjunkturumfrage

Donald Trump und der Brexit machen Sorgen

IHK sieht Wirtschaft weiter auf hohem Niveau – aber mit Abschwächungstendenzen.

12.10.2018

Von Lisa Maria Sporrer

Viele Unternehmen der Elektroindustrie produzieren am Maximum, sagt Christian Erbe, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen. „Kondensatoren, Widerstände, ganz banales Zeug also, das
wir früher in Säcken gekauft haben, kriegen wir gerade nicht mehr. Es gibt absolute Engpässe.“ Der IHK-Präsident lieferte am
gestrigen Mittwoch im Haus der Wirtschaft mehrere Erklärungsansätze dafür, warum die aktuelle Konjunkturumfrage überschrieben war mit „Unsicherheiten
nehmen zu“.

Dreimal im Jahr befragt die IHK Reutlingen Unternehmen der Region Neckar-Alb zu ihrer wirtschaftlichen Lage und wie sie ihren Zuwachs in der Zukunft einschätzen. „Nach dem Höhenflug der letzten Jahre erleben wir den durchaus üblichen Abschwung“, kommentierte Erbe die Ergebnisse der Befragung. 321 ausgewerteten Antworten ergaben: 62 Prozent der Betriebe schätzen ihre Lage als gut ein. 35 Prozent
beurteilen die aktuelle Situation als zufriedenstellend. Dabei
bewertet der Dienstleistungssektor die Lage besser als die Industrie. Im Bausektor ist die Geschäftslage nach wie vor sehr gut. Positive Zahlen vermeldet auch das Gastgewerbe.

Im Prinzip hätte sich wenig geändert im Vergleich zur Sommerumfrage. Lediglich der Einzelhandel sei noch immer ein bisschen das Sorgenkind. „Der Online-Handel macht den Läden in der Stadt große Konkurrenz“, sagte Beatrix Andriof, Leiterin Volkswirtschaft und Fachkräftesicherung der IHK Reutlingen.

Verschlechtert allerdings hat sich die Selbsteinschätzung der Unternehmen für die kommenden sechs bis zwölf Monate. Knapp 32 Prozent der Firmen gehen von besseren Geschäften aus. Im Frühsommer waren es noch über 35 Prozent. 60 Prozent glauben derzeit, dass es gleichbleibend weitergeht. Nur noch etwas über 36 Prozent sehen einen weiteren Zuwachs kommen. Im Frühsommer waren es noch fast acht Prozentpunkte mehr. Lediglich der Handel erwartet viel: Er freut sich auf das Weihnachtsgeschäft.

„Die handelspolitischen Auseinandersetzungen bringen Unsicherheiten in die Wirtschaft“, sagte Erbe. Sorgen machen der heimischen Wirtschaft der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie die Streitigkeiten zwischen den USA und China. Die USA sind noch vor China der wichtigste Markt für regionale Firmen. Die Region habe eine Exportquote von rund 50 Prozent, so Erbe. „Was wir brauchen, sind Verhandlungen. Die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten benötigen eine neue vertragliche Basis. Wir müssen ein Freihandelsabkommen der EU mit den USA abschließen, gerne eine TTIP light.“

Die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass der Export-Optimismus leicht zurückgegangen ist. Nur noch 33 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Außenhandelsumsätze. Knapp 400 Unternehmen aus der Region handeln mit Großbritannien. Rund 50 haben vor Ort eine Niederlassung oder Tochterfirma. 220 regionale Firmen sind im US-Geschäft aktiv, 196 Firmen von hier sind in China präsent. Zur Jahreshälfte 2018 lieferten Firmen aus der Region Neckar-Alb Waren im Wert von fast 4,7 Milliarden Euro in alle Welt.

Das Ergebnis der Umfrage
beurteilte Erbe so: „Die Konjunktur lässt sich auf eine knappe Formel bringen: Wir sehen
Abschwächungstendenzen, aber die heimische Wirtschaft ist weiterhin auf einem sehr hohem
Niveau.“ Lisa Maria Sporrer

Die wichtigsten Zahlen zur Umfrage

Der IHK-Konjunkturklimaindex, der von IHK-Vertretern gerne als Herzstück des Konjunkturberichts bezeichnet wird, verliert im Vergleich zum Frühjahr zwei Punkte. Er steht jetzt bei 140 Punkten. Das sei zwar ein geringer Verlust, aber, so IHK-Präsident Christian Erbe: „Der Mittelwert der letzten Jahre liegt bei 117 Punkten.“ Der Index kann Werte zwischen 0 und 200 annehmen. Bei Werten über 100 überwiegt die Zahl der optimistisch in die Zukunft blickenden Unternehmen. Zur Auswertung kamen diesmal bei der Umfrage 321 Antworten von Unternehmen der Region. 135 Antworten gab der Industrie- und Bausektor, 76 die Handelsunternehmen und 110 Fragebögen verteilten sich auf Dienstleistungsfirmen.

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Erstellt:
12. Oktober 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 01:00 Uhr

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