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Asienreise

Donald Trump auf dem Hochseil

China hatte sich vom US-Präsidenten verbesserte Beziehungen erhofft. Nun deutet nicht nur die Besuchsroute darauf hin, dass diese Erwartung enttäuscht werden könnte.

06.11.2017
  • FELIX LEE

Peking. Als die USA vor einem Jahr Donald Trump zu ihrem Präsidenten wählten, brach im Pekinger Regierungsviertel Freude aus. Mit Trumps Gegenkandidatin, Hillary Clinton, hatten die chinesischen Führer schlechte Erfahrungen gemacht. Als Außenministerin hatte sie ihnen regelmäßig die Leviten gelesen, etwa, indem sie Chinas schlechte Menschenrechtslage anprangerte. Mit Obamas „Fokus auf Asien“ und dem geplanten Handelsabkommen TPP (Transpazifische Partnerschaft), das eine Freihandelszone mit allen asiatischen Ländern außer mit China vorsah, hatte Trumps Vorgängerregierung zudem ganz Südostasien zu ihrer Einflusssphäre erklärt. Die USA wollten damit unverhohlen Chinas rapide wachsenden Einfluss einhegen.

Am Sonntag hat nun ein US-Präsident eine insgesamt 13-tägige Ostasien-Reise begonnen, der zu Beginn seiner Amtszeit eine völlig andere Asien-Politik angekündigt hatte – und zwar zu einem beträchtlichen Teil im Sinne Chinas. Allerdings zeichnet sich bereits jetzt ab, dass Trumps Asien-Reise zum Problem für Peking werden könnte. Schon seine Route verweist auf eine Abkehr der angekündigten Politik. Nach Stationen in Tokio und Seoul wird er in Peking erwartet. Von dort aus geht es weiter nach Vietnam und auf die Philippinen. Von China abgesehen entspricht die Auswahl dieser Länder ziemlich genau der Achse, welche die Obama-Regierung auserkoren hatte, um China als expandierende Handels- und Militärmacht einzukreisen.

Dabei sympathisierte Trump noch vor kurzem mit autoritären Führungen wie jener in Peking. Vom Freihandelsabkommen TPP wollte er nichts wissen und stoppte die Verhandlungen. Sein Credo „Amercia first“ sah außerdem vor, Verbündete wie Japan und Südkorea zahlen zu lassen, wenn sie weiter von US-Truppen vor einem möglichen Angriff Nordkoreas geschützt werden wollen. Er erwog sogar einen Truppenabzug. All diese Ankündigungen kamen in Peking gut an.

TPP hat Trump zwar gestoppt. Dafür aber bemüht er sich um bilaterale Handelsabkommen mit Japan und Südkorea. Zugleich wettert er bei jeder sich ergebenden Gelegenheit gegen Chinas angeblich unfaire Handelspraxis. Dabei ist China längst auf Washington zugegangen und verlagert Produktionsstätten zurück in die USA. Und auch im Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist Trump nicht, wie angekündigt, auf das Regime in Pjöngjang zugegangen, sondern verhöhnt Anführer Kim Jong-un als „Little Rocket Man“. Er hat sogar damit gedroht, das Land mit „Feuer und Wut“ zu überziehen und bedient sich derselben schrillen Rhetorik wie Kim, der wiederum Trump als „senil“ und „geisteskrank“ beschimpft.

Vor jubelnden US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Yokota in Japan sagte Trump gestern: „Kein Diktator, kein Regime“ solle die USA unterschätzen. Er werde auf seiner Reise auch den russischen Präsidenten treffen, um „Putins Hilfe“ im Atomkonflikt mit Nordkorea zu erhalten.

Peking blickt auf diesen Krieg der Worte mit Sorge und befürchtet, Washington könnte bewusst auf eine Eskalation des Konflikts setzen. Die chinesische Führung fürchtet vor allem, dass die USA das Regime in Pjöngjang stürzen und GIs unmittelbar an der chinesischen Grenze stehen.

Zugleich haben sich auch in Südkorea und Japan die politischen Parameter verschoben. Nach Japans vorgezogener Neuwahl im Oktober, die dem regierenden Shinzo Abe eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit bescherte, fühlt sich der japanische Premier nun in seiner Position gestärkt, Japans pazifistische Nachkriegsordnung über Bord zu werfen und eine militärische Wiederbewaffnung einzuläuten – inklusive der Aufrüstung mit Atomwaffen. Das wiederum dürfte Tokios ohnehin angespanntes Verhältnis zu Peking noch mehr verschlechtern.

In Südkorea wiederum musste im Frühjahr nach einem Korruptionsskandal die rechtskonservative Park Geunhye vom Präsidentenamt zurücktreten. Ersetzt wurde sie durch den moderaten Moon Jae-in, der um jeden Preis einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel verhindern will. Moon setzt auf Verhandlungen mit Pjöngjang und ist auch um eine Annäherung mit Peking bemüht. Das wiederum ist der Trump-Administration ein Dorn im Auge.

In Peking macht sich wenige Tage vor dem Besuch Nervosität breit. „Der Ablauf ist so designt, dass der Präsident das Drehbuch möglichst nicht verlassen kann“, versichert Elizabeth Economy vom US-Council on Foreign Relations. Daniel Russell, Obamas einstiger Spitzendiplomat für die Region, befürchtet dennoch Unheil. Trump werde in Asien einen Hochseilakt meistern müssen. Das Problem: „Trump ist ja eher der stampfende Typ.“

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06.11.2017, 06:00 Uhr
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