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Generalstreik auf der Leinwand

Dokumentarfilm über das Mössinger Theaterprojekt "Ein Dorf im Widerstand" kommt in die Kinos

Das ausgezeichnete Laientheaterprojekt "Ein Dorf im Widerstand" ist Thema eines Dokumentarfilm der Stuttgarter Journalistin Katharina Thoms. Der Film läuft ab 31. Januar in regionalen Kinos.

26.01.2015

Von MORITZ SIEBERT

Jetzt im Kino: Der Mössinger Generalstreik gegen Hitler - "Widerstand ist Pflicht"
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02:57 min

Mössingen Schwarzes Bild, nur stumpfes Marschieren ist zu hören. Dann fällt der Blick auf eine große Gruppe, die die Bühne im Gleichschritt überquert. Harter Schnitt: dieselben Darsteller, dieselbe Szene - nur während der Proben, ohne Kostüme, unkoordiniert. Ein Regisseur gibt Anweisungen. In wenigen Sekunden führt der Film die Zuschauer vom fertigen Theaterstück zurück in die Entstehung des Werks.

Die Stuttgarter Journalistin Katharina Thoms hat das Mössinger Theaterprojekt "Ein Dorf im Widerstand" ein halbes Jahr lang während der Proben begleitet. Daraus ist ein 80-minütiger Dokumentarfilm geworden, der ab Ende Januar in regionalen Kinos läuft. Das Projekt hatte das Melchinger Theater Lindenhof 2013 mit 100 Laiendarstellern geleitet. Anlass war der 80. Jahrestag des Mössinger Generalstreiks.

Gegen Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 hatte die KPD zum Massenstreik aufgerufen. Nur die Arbeiter im kleinen Mössingen folgten dem Aufruf. Das Dorf am Rand der Schwäbischen Alb hatte 4200 Einwohner und war von der Textilindustrie geprägt. Vor allem Handwerker und Arbeitslose führten den Mössinger Streik an. Sie versuchten, die Fabrikarbeiter zu mobilisieren, was teilweise gelang. Noch am Abend des 31. Januar wurden Streikende verhaftet, viele Arbeiter wurden inhaftiert und entlassen.

Das Theaterprojekt "Ein Dorf im Widerstand" wurde mit dem BKM-Preis "Kulturelle Bildung" ausgezeichnet. Sämtliche Aufführungen waren ausverkauft, auch bei der Wiederaufnahme des Stücks im letzten Jahr.

Vorpremiere von "Widerstand ist Pflicht" in den Mössinger Lichtspielen: Kameramann Fabian Hennig, Darstellerin Andrea Ayen, Regisseurin Katherina Thoms und der Regisseur des Theaterstücks, Phillip Becker (von links). Foto: Uli Rippmann

Als Protagonistin ihrer Doku hat Thoms die Laiendarstellerin Andrea Ayen ausgesucht. Die Mössingerin sei ihre Verbindung in die Vergangenheit gewesen, sagt Thoms. Ayen ist die Tochter eines der Anführer des Mössinger Generalstreiks. "Ohne diese Verbindung hätte der Film nicht funktioniert", ist Thoms sich sicher. So gelingt es der Regisseurin, die Ortsgeschichte in die Doku über das Theaterprojekt einzubinden. Auf einem Spaziergang durch die Stadt klärt sie den Darsteller, der im Stück ihren Vater spielt, über den historischen Hintergrund und den Ablauf des Generalstreiks auf. Thoms zeichnet auch persönliche Gedanken Ayens an ihren Vater auf. "Es wäre eine Riesenfreude für ihn gewesen, wenn es das Theaterprojekt zu seinen Lebzeiten gegeben hätte." Paul Ayen ist 1975 gestorben. Und die Bedeutung des Mössinger Generalstreik blieb über Jahrzehnte unberücksichtigt.

Auch der Regisseur des Theaterstücks, Philipp Becker, kommt im Film häufig zu Wort. Er sagt, was er mit dem Projekt bezweckt und welche Fragen das Stück an die Gesellschaft stellt. Natürlich wolle er die Welt mit dem Projekt verändern: "Sonst brauchen sich die Leute hier nach der Schule oder in der Mittagspause nicht den Arsch abfrieren."

Der Satz bringt es auf den Punkt. Die Laiendarsteller, darunter viele Schüler, haben ein halbes Jahr lang ihre Freizeit für das Projekt geopfert. Das Ensemble probte in einer unbeheizten Fabrikhalle, vor allem in den Wintermonaten. "Für nichts machen die mit", sagt Becker im Film. Und: "Es ist das größte Geschenk, mit Leuten wie euch zusammenarbeiten zu dürfen."

Am 31. Januar 2015, dem 82. Jahrestag des Generalstreiks, hat der Film in Mössingen (18 Uhr in den Lichtspielen) Premiere. Am Sonntag, 2. Februar, um 11.30 Uhr läuft er im Tübinger Arsenal, ab dem 5. Februar im Rottenburger Kino im Waldhorn. Zur Zeit sucht Thoms noch einen Fernsehsender für ihre Doku. "Ich will versuchen, die Geschichte über die Region hinaus bekannt zu machen." Ihr gehe es schließlich um das Thema: "Es wäre schade, wenn es die Region nicht verlässt."

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Erstellt:
26. Januar 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Januar 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2015, 12:00 Uhr

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