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Dokumentarfilm „Voices of Violence“ erzählt schockierend von der Gewalt gegen Frauen im Kongo
Schmerzhaftes Erinnern, damit die Welt davon erfährt

Dokumentarfilm „Voices of Violence“ erzählt schockierend von der Gewalt gegen Frauen im Kongo

Mit „Voices of Violence“ zeigte das Kino im Waldhorn einen schockierenden Film über die Situation der Frauen in der Demokratischen Republik Kongo. Im Anschluss sprach Regisseurin Claudia Schmid mit rund 50 Zuschauern über die Ursachen und Dinge, die Anlass zur Hoffnung geben.

02.06.2016
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Für ihren ersten Film über Gewalt gegen Frauen wählte die Regisseurin Claudia Schmid die Demokratische Republik Kongo als Beispiel, weil sich dort „die Gewalt in ihrer schlimmsten Form zeigt“. Weitere Dokumentationen zu diesem Thema sind über Bangladesh, Benin und Deutschland geplant.

Im Kongo überlagert sich die Gewalt gegen Frauen aus patriarchalische Strukturen mit der Kriegsgewalt. Patriarchale Dorfgemeinschaften sprechen Frauen jegliche Rechte ab. Über die einheimische Sozialarbeiterin Thérèse Mema Mapenzi konnte Schmid das Vertrauen einiger Kongolesinnen gewinnen. An Orten, „an denen die Täter gewütet haben“, erzählen sie erstaunlich gefasst von Gewalttaten, die sie von Rebellengruppen erlitten. Ihre detaillierten Berichte von Vergewaltigungen, Demütigungen und der anschließenden Verstoßung von ihren Familien und Dorfgemeinschaften sind so schockierend, dass sie kaum zu ertragen sind. Allein das Zuhören löst schon Fluchtgedanken aus.

Aus Angst, getötet zu werden, wenn sie sich den Befehlen der Rebellen widersetzen, vergewaltigen Söhne ihre Mütter, erschlagen Frauen Mitglieder der Dorfgemeinschaft und essen deren Fleisch. „Die Ehemänner fliehen als erste“, berichtete Schmid. Die Frauen würden versuchen, ihre Kinder zu beschützen. Vergewaltigte Frauen werden verstoßen, weil sie „die Frau eines anderen“ waren und sich mit HIV infiziert haben könnten. Von Rebellen gezeugte Kinder gelten als „Satansbrut“. Mit dem Film „Voices of Violence“ wollte die Regisseurin und Künstlerin den „unsichtbaren Frauen, denen sonst niemand zuhört, eine Stimme geben“. Die Kongolesinnen setzten sich erneut schmerzhaften Erinnerungen aus, weil sie wollten, „dass die ganze Welt davon erfährt“.

Was Menschen zur Gewalt antreibt

Schmid will mit ihren Recherchen der Antwort auf die Frage näherkommen, „was Menschen dazu bringt, so gewalttätig gegen andere Menschen vorzugehen“. Die Vergewaltigung von Frauen als Kriegswaffe einzusetzen sei nicht neu, sagte die Regisseurin. „Das war in den Weltkriegen nicht anders.“

Wer die Seele der Frauen zerstöre, zerstöre auch die Familien und die Gesellschaft. Vom Patriarchat, das die Männer als versorgendes Oberhaupt der Familie sieht, sei im Kongo nur die Unterdrückung geblieben. Die Männer seien durch den Krieg verstört, ihre Werte verloren gegangen. „Durch die Vergewaltigungen wurde den Männern ihre Machtlosigkeit vor Augen geführt“, sagte Wolf-Gero Reichert, Diözesanreferent und Moderator des Abends.

Der Bürgerkrieg im Kongo müsse in einem globalen Zusammenhang gesehen werden, betonte Schmid. Rivalisierende Gruppen kämpfen um den Zugang zu wertvollen Rohstoffen wie Gold, Diamanten und Coltan. Das aus Coltan gewonnene Metall Tantal ist in nahezu jedem elektronischen Gerät verbaut, auch in Smartphons.

Welche Rolle die christliche Religion im Bürgerkriegsgebiet spiele und was die Kirche tue, wollte ein Zuschauer wissen. „Das Christentum kann etwas gegen die tägliche Gewalt machen“, antwortete Schmid. Durch die Vermittlung von Mema Mapenzi, die vom katholische Hilfswerk Missio unterstützt wird, konnten Familien wieder zusammen geführt werden. Die Sozialarbeiterin versuche, ethische Werte, Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu vermitteln. Ein Umdenken hin zu „die Frauen sind nicht schuld an den Vergewaltigungen“ sei nötig.

Schmid beobachtete über den Zeitraum von einem Jahr Veränderungen an den Frauen. „Sie haben einen Riesenschritt nach vorn getan.“ Weil jemand ihnen zugehört habe und das, was sie erzählten, in die Welt trägt. „Das sind Kämpfernaturen.“ Einige Frauen aus dem Dorf, in dem Schmid drehte, treffen sich in einer Selbsthilfegruppe. Bei jeder Zusammenkunft sammeln sie Geld in eine Kasse, um Mitglieder in Notsituationen finanziell zu unterstützen. Über das katholische Hilfswerk Missio erhalten sie Mikrokredite. Mema Mapenzi empfiehlt den Frauen, Meerschweinchen zu kaufen. Wenn sie das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr bezahlen könnten, sollten sie diese verkaufen. „Ihr könnt sie auch selbst essen“, sagt sie im Film.

Die Lebensenergie, die die Kongolesinnen trotz ihrer leidvollen Erfahrungen ausstrahlten, habe sie fasziniert, sagte Schmid auf die Frage, was sie von ihren Recherchen mitgenommen habe. Außerdem hätten sich für sie die Werte der westlichen Welt wie etwa das Streben nach Wohlstand und beruflichem Erfolg relativiert.

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02.06.2016, 01:00 Uhr
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