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Tübingen

Dokumentarfilm: Für ein freieres Leben

Nach der Familienphase griff die Ex-Tübingerin Gabriele von Moers zur Kamera.

14.10.2019

Von Dorothee Hermann

Gabriele von Moers. Privatbild

Lange war sie ein bekanntes Gesicht im Tübinger Stadtbild: Gabriele von Moers, geboren 1955, studierte an der Eberhard-Karls-Uni Germanistik und Biologie auf Lehramt. Drei ihrer vier Söhne sind gebürtige Tübinger. Am Samstag stellte von Moers ihren autobiografischen Dokumentarfilm „Mensch Mutter – Ein langer Weg zum Grundeinkommen“ im Tübinger Kino Arsenal vor.

Etliche Weggefährten und Freundinnen von früher waren zur Vorstellung gekommen. Einige waren auch im Film zu sehen, als sie sich beispielsweise nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gemeinsam mit von Moers in der Tübinger Initiative „Mütter gegen die atomare Bedrohung“ engagierten. Sie handelte damals „aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus, die eigenen Kinder nicht schützen zu können“, sagte die Filmemacherin. Zum ersten Mal in ihrem Leben ging sie damals an die Öffentlichkeit, organisierte Infostände und Mahnwachen.

Nach Tübingen war von Moers gemeinsam mit ihrem Mann aus Berlin gekommen. Der Jurastudent Stefan von Moers jobbte abends im Kino Arsenal: „Mein Mann war vor 40 Jahren Filmvorführer im Arsenal und hat unsere ersten beiden Kinder finanziert“, sagte sie. Die beiden hatten 1977 geheiratet, als sich das erste Kind ankündigte. Als der zweite Sohn geboren wurde, entschied von Moers, sich „ganz der Familie zu widmen“. Einen bereits zugesagten Ausbildungsplatz als Waldorflehrerin trat sie nicht an.

Stefan von Moers bekam 1986 ein Angebot als Medienanwalt in München. Er ist immer noch in der Branche und arbeitet jeden Tag zehn Stunden, „ein workaholic“. Seine eigenen künstlerischen Ambitionen mussten zurückstehen. „Vielleicht hätte er mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen mehr Mumm gehabt, sich doch für die Ausbildung zum Schauspieler zu entscheiden“, mutmaßte die Filmemacherin im Rückblick. Ihr Mann formuliert es im Film so: „Es musste ja auch Geld in die Hütte.“

Als ihr Mann nach München ging, blieb Gabriele von Moers mit den Kindern zunächst in Tübingen. Das Familienleben fand nur jedes zweite Wochenende statt. „Die Zeit allein mit den Kindern war schwer, aber wichtig für mich“, sagte sie. Durch diese Erfahrung könne sie sich viel besser in Menschen hineinversetzen, „die am Rand stehen“.

Die räumliche Trennung wuchs sich zu einer Krise aus, während der beide auch jeweils andere Partner hatten. 1993 fanden sie wieder zusammen, und die komplette Familie bezog eine Wohnung in Schwabing. Der vierte Sohn wurde zwei Jahre später in München geboren.

Von Moers’ Arbeit als Filmemacherin entwickelte sich aus ihrem Engagement in der Münchener Grundeinkommens-Initiative, wo sie seit 2009 aktiv ist. Ihr aktueller Film „Mensch Mutter“ ist bereits ihr dritter. Sie möchte damit auch andere zum Nachdenken anregen, wo im eigenen Leben ein Grundeinkommen „gut gepasst hätte“.

Vertrauen ohne Existenzangst

Doch es geht ihr ebenfalls um die Freiheit, die ein Grundeinkommen ermöglichen würde, wenn Arbeit nicht länger als Ware aufgefasst würde: „Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?“

Auch für Familien verspricht sie sich eine starke Entlastung durch ein Grundeinkommen: „Wieviel Zeit bleibt Eltern für eine angemessene Kindererziehung, wenn beide arbeiten müssen und kein Geld für eine sorgfältige Kinderbetreuung da ist?“ Mit ihren Filmen möchte von Moers dazu anregen, solche Fragen häufiger zu stellen und in politische Forderungen umzusetzen. „Das Grundeinkommen könnte für Muße und Entschleunigung in den Familien sorgen. Das würde unseren Beziehungen und vor allem den Kindern gut tun.“ Sie ist überzeugt: „Ohne Existenzangst könnten wir auch wieder lernen, auf die Gesellschaft zu vertrauen.“

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Erstellt:
14. Oktober 2019, 22:12 Uhr
Aktualisiert:
14. Oktober 2019, 22:12 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 22:12 Uhr

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