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Döner und Dosenbier
Stefan Vinke (Siegfried) und Ana Durlovski (Waldvogel) in Bayreuth. Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath/dpa
Richard Wagners „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ bei den Festspielen in Bayreuth

Döner und Dosenbier

Mit der zweiten Hälfte seiner Bayreuther „Ring“-Tetralogie war Frank Castorf wieder der Buhmann für die Wutbürger unter den Wagnerianern.

02.08.2016
  • WILHELM TRIEBOLD

Bayreuth. Er lässt sich anschließend nicht blicken. Doch Frank Castorf, der in Berlin als Schaubühnen-Wotan dem Zeitgeist weichen muss, hat zumindest mit Teil drei und vier die Traditionalisten auf dem grünen Hügel wieder bis aufs Blut gereizt. Der Zorn entlud sich dann sogar gegen den Pult-Altmeister Marek Janowski. Und das, obwohl der Bayreuth-Spätstarter und erklärte Regietheater-Kostverächter wacker gegen Castorfs abgehangene „Ring“-Parabel vom Pyrrhussieg des kapitalistischen Systems über den real existiert habenden Sozialismus andirigiert. Leider mit allzu flotten Tempi gegenüber denen, die auf der Bühne Schwerstarbeit verrichten müssen.

Auch musikalisch sind die letzten beiden Abende des Bühnenfestspiels keine Offenbarung. Schon im „Siegfried“ funkelt, gleißt und glitzert wenig aus dem Orchestergraben herauf, und das setzt sich mit der „Götterdämmerung“ fort. Bestenfalls solides Handwerk, auch bei einigen Gesangspartien – allen voran Stefan Vinke als merkwürdig unforcierter Titelheld Siegfried.

Spannender ist, den Blick auf die Umbesetzungen zu lenken. Drei sind es im „Siegfried“, wobei John Lundgren den Wanderer gefällig und intonationssicher singt. Ganz im Sinne des großen Tierfreundes Richard Wagner verwandelt Castorf den Drachen Fafner in einen zweibeinigen Zuhälter am Berliner Alex, Karl-Heinz Lehner gibt ihn mit schwarzem Bart und ebensolchem Bass. Dass Siegfried ihn mit einer Kalaschnikow niedermäht, ist zumindest seit dem Bataclan-Massaker nicht die feinfühligste Regie-Variante.

Dritter Neuzugang ist Ana Durlovski, Stuttgarter Operngängern als Bellini-Bellissima der „Nachtwandlerin“ und der „Puritaner“ vertraut. Koloratursopranistinnen sind Zwitschermaschinen. Was lag näher, als Siegfrieds zeitweilige Waldvogel-Begleitung mit ihr zu besetzen? Viel zu singen hat sie in prächtigem Pfauenauge-Sambakostüm zwar nicht. Aber das erledigt sie großartig: jubilierend und mit Emphase, alles andere als nur ein zartes Vögelein.

Auch in der „Götterdämmerung“ eine Stuttgarter Bekannte: Im (Wagner-)Jahr 2013, als in Bayreuth die Castorf-Version herauskam, sang Marina Prudenskaya in der wiederaufgenommenen Stuttgarter Konwitschny-Inszenierung die Walküren-Vertraute Waltraute. Und stiehlt nun sogar beinahe Catherine Fosters stimmstarker Brünnhilde die Schau.

Ein Hingucker bleibt weiterhin Aleksandar Denics monumentalrealistischer Bühnen-Dreh. Im „Siegfried“ zeigt er die vier Großkopferten des Kommunismus (Marx, Lenin, Stalin und Mao) à la Mount Rushmore als Kehrseite trister Alexanderplatz-Anarchie. Und in der „Götterdämmerung“ reichen dann, in opulentem Abwrack-Ambiente, Siegfrieds Dönerspießgesellen den Choristen Dosenbier. Die weiteren Drehs übernimmt im Getümmel ein Steadycam-Experte – ein probates Volksbühnen-Stilmittel. Es gibt, heißt es, im Gegensatz zu „Parsifal“ und „Tristan“ noch genügend Karten.

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02.08.2016, 06:00 Uhr
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