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Türkin aus Ludwigsburg hat mehr als eine Million Euro Steuern hinterzogen

Döner-Millionärin muss ins Gefängnis

Ungewöhnlicher Fall von Steuerhinterziehung: Eine 42-jährige Türkin ist mit ihrem Döner-Imbiss reich geworden; aber auch, weil sie mehr als eine Million Steuern hinterzog. Jetzt muss sie ins Gefängnis.

23.07.2009

Wer hätte gedacht, dass man mit dem Verkauf von Dönern in Ludwigsburg Millionär werden kann? Eine 42 Jahre alte Türkin - alleinerziehende Mutter dreier schulpflichtiger Kinder - hat es über Jahre vorgemacht, doch dabei versäumt, an das Finanzamt zu denken. Weil sie zwischen 1998 und 2003 mehr als eine Million Euro Steuern hinterzog, verurteilte sie das Landgericht Stuttgart gestern zu einem Jahr und acht Monaten Haft - ohne Bewährung. Die Intensität und kriminelle Energie der Tat ließen eine Bewährungsstrafe für die Angeklagte trotz ihrer Kinder nicht zu, sagte der Vorsitzende Richter. Das systematische Vorgehen an der Steuer vorbei sei "eine Bereicherung auf Kosten der Gesellschaft " gewesen. Gerade als Mutter von drei Kindern hätte sie wissen müssen, dass man so etwas nicht tut. "Ich bedauere es in gewisser Weise im Hinblick auf ihre Kinder ", fügte der Richter in seiner Urteilsbegründung hinzu. Der Vorsitzende der 13. Großen Wirtschaftsstrafkammer ging auch auf den in kurzer Zeit erlangten relativen Reichtum der 42-Jährigen ein und sprach von "hohen Vermögenswerten ", die die Angeklagte und ihre Familie wegen der unlauteren Geschäfte ansammelte. So machten es die florierenden Imbiss-Machenschaften möglich, dass die Angeklagte ein Haus im Wert von rund 296 000 EUR in nur vier Jahren abbezahlen konnte. Zudem gab es eine erhebliche Summe an Bargeld, die sie bei einer Bank angelegt hatte. Für den Richter unstreitig die Bilanz aus Gewinnen der Imbissbuden. Wegen dieser Summe hatte sich die Schwester der Angeklagten im Prozess beinahe um Kopf und Kragen geredet: Sie hatte versucht zu beweisen, dass das Geld nicht ihrer angeklagten Schwester gehört und sich dabei in Widersprüche verwickelt. "Es war unsinnig, es war widersinnig, es war nicht einmal gut gemacht ", sagte der Richter. Sie habe damit ein denkbar schlechtes Bild abgegeben. Der Angeklagten bescheinigte er eine kriminelle Energie: "Wir haben schon erhebliche Bedenken für ihre Sozialprognose. " Die 42-Jährige muss ihren Pass abgeben, Auslandsreisen sind ihr untersagt, und sie muss sich bis zum Haftantritt regelmäßig bei der Polizei melden. Die Kammer hatte sich mit dem ungewöhnlichen Fall ein Vierteljahr beschäftigt. Als zentrale Frage kristallisierte sich bald heraus: Wie viele Portionen Döner kann man aus einem Kilogramm Rohfleisch gewinnen? Nach Angaben der Angeklagten schwanden beim Braten pro Dönerspieß bis zu 50 Prozent, da die Spieße beim Grillen viel zugesetztes Wasser sowie Fett verlieren. Dabei wurde auf Initiative der Verteidigung ein mehrstündiger Film eines sich unentwegt drehenden Fleischspießes gezeigt, anhand dessen der hohe Schwund des Fleisches belegt werden sollte. Denn aus diesem lässt sich ableiten, wie viele Portionen verkauft werden konnten. Davon hing wiederum die Einschätzung der Umsätze und die Höhe der Steuerpflicht ab. Die Staatsanwaltschaft ging aber nur von einem Schwund von etwa 25 Prozent aus. Die Kammer einigte sich auf einen Schwund von rund 38 Prozent und ging von vier Döner pro Kilogramm Fleisch aus. Die Preise für einen Döner in Höhe von 2,50 EUR sowie an manchen Tagen mehr als 600 verkaufte Portionen sprechen für einen erheblichen Umsatz. "Man kann durchaus von gut gehenden Geschäften reden ", sagte der Richter. dpa

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23.07.2009, 12:00 Uhr
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