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Digitaler Fingerabdruck: Wie Youtube Piraterie bekämpft
YouToube-Logo am Google-Standort Zürich: Rechteinhaber haben oft die Möglichkeit, hochgeladene Lieder zu blocken oder daran mitzuverdienen. Foto: A9999/_Jenny Tobien
Content ID ist ein System, das Musikvideos erkennt – Rechteinhaber können sie blockieren oder damit Geld verdienen

Digitaler Fingerabdruck: Wie Youtube Piraterie bekämpft

Während das Geschäft mit Musik-Streaming schnell wächst, schießt ich die Branche auf Youtube ein, bei der man viele Songs kostenlos hören kann.

24.08.2016
  • DPA

Zürich/Berlin. Wer schon einmal ein Video auf Youtube hochgeladen hat, kennt das vielleicht. Im Clip ist ein bekannter Song enthalten, etwa als musikalische Untermalung oder Karaoke-Darbietung – und wenig später landet eine E-Mail von Youtube im Postfach. „Ein Rechteinhaber, der Content ID verwendet, beansprucht Inhalte in Deinem Video“, heißt es darin. Und: „Keine Sorge, Du bekommst keinen Ärger.“ Der Clip müsse nicht gelöscht werden, allerdings verdiene der Rechteinhaber an den Werbeeinnahmen, die rund um das Video generiert würden.

Laut Youtube haben sich im Musikbereich inzwischen 95 Prozent der Songrechteinhaber entschieden, via Content ID Geld zu verdienen. Und: Mehr als 50 Prozent der Umsatzes der Musikbranche auf Youtube würden auf diesem Weg erzielt. Lange Zeit litt die Branche arg unter der Piraterie im Internet. Ist ein solcher „digitaler Fingerabdruck“ nun der Weg, um auch auf Gratis-Plattformen gutes Geld zu verdienen?

„Nein“, sagt Florian Drücke vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Maßnahmen wie Content ID reichten nicht aus. „Es muss endlich klargestellt werden, dass auch Online-Plattformen wie Youtube Lizenzen für ihre Inhalte zahlen müssen – so wie es Spotify, Apple Music oder Deezer tun“, fordert er.

Wie funktioniert Content ID genau? Die Rechteinhaber können Songs, Kinofilme oder Sport-Livestreams zu Youtube als so genannte Referenzdatei übertragen. Daraus wird eine Art digitaler Fingerabdruck erstellt, mit dem das Material wiedergefunden werden kann. Der Datenpool der Google-Tochter umfasst derzeit etwa 50 Mio. Referenzdateien mit einer Gesamtdauer von rund 600 Jahren. Dem gegenüber stehen die 400 Stunden Material, die minütlich weltweit auf die Videoplattform hochgeladen werden. Die Daten werden miteinander abgeglichen. Kommt es zu einem Treffer, werden beide Seiten darüber informiert. Der Rechteinhaber hat die Möglichkeit, seinen Inhalt zu blockieren – oder damit Geld zu verdienen.

Im Google-Entwicklungszentrum in Zürich, dem größten außerhalb der USA, wird das System optimiert. 1800 Mitarbeiter aus 75 Nationen sind hier beschäftigt. Um Teamgeist, Kreativität und die Identifikation mit dem Arbeitgeber zu fördern, werden jede Menge Annehmlichkeiten geboten. Dreimal am Tag gibt es kostenfrei frisches Essen.

In dieser bunten Google-Welt wird an der Weiterentwicklung von Google Maps oder des Panorama-Dienstes Street View, am Google-Assistent gearbeitet, oder eben an Content ID von Youtube. Die immer intelligentere Technik führe zu einer immer schnelleren und präziseren Bild- und Sounderkennung, sagt Projektmanager Fabio Magagna. „Der Computer lernt dadurch, wie er gefüttert wird“, erklärt Magagna. Indem man einen Computer mit vielen Motiven speise, werde er immer besser.

Über Content ID wurden laut Youtube bisher 2 Mrd. Dollar (1,8 Mrd.  EUR ) an die Rechteinhaber ausgeschüttet. Natürlich verdient auch das Unternehmen selbst kräftig mit. Genaue Zahlen werden nicht genannt – nur dass mehr als die Hälfte der Erlöse an die Rechteinhaber gehe.

Aus der Musikindustrie wird allerdings immer wieder Kritik laut, dass Youtube gemessen an seiner Größe zu wenig Geld abgebe. Ende Juni spitzte sich der Streit zu, als sich über 1000 Musiker – darunter Stars wie Coldplay, Lady Gaga oder Ed Sheeran – bei der EU-Kommission beschwerten, dass Dienste wie Youtube mit ihren breiten Gratis-Angeboten die Musik entwerteten.

Zum Vergleich: Youtube hat über 1 Mrd. Nutzer. Beim Streaming-Marktführer Spotify sind es rund 100 Mio. – von denen sich mehr als zwei Drittel mit der werbefinanzierten Gratis-Version begnügen. Die Nummer zwei im Streaming-Geschäft, Apple Music, kommt gut ein Jahr nach dem Start auf rund 15 Mio. zahlende Abo-Kunden. In dieser Situation schießt sich die Musikbranche schon seit einiger Zeit auf Youtube ein, wo viele Songs gratis zu finden sind. Zugleich stellen die Musikkonzerne selbst frische Videoclips bei Youtube rein, um die Songs populärer zu machen.

„Youtube wird von 82 Prozent seiner Konsumenten genutzt, um Musik zu hören – damit ist es der größte On-Demand-Musikdienst der Welt“, sagt BVMI-Chef Drücke. „Trotzdem zahlt Spotify jährlich geschätzte 18 US-Dollar für jeden Nutzer, Youtube weniger als einen. Youtube will diesen Vergleich nicht gelten lassen.

Auch Content ID ist für den BVMI und dem globalen Musikverband IFPI kein Ersatz für eine „sachgerechte Lizensierung“. Das System funktioniere unzureichend, da es vom Nutzer leicht umgangen werden könne, so die Kritik.

Auch wenn 98 Prozent der copyright-relevanten Inhalte durch Content ID aufgespürt werden, rutscht immer wieder etwas durch den Filter, bis die Lücke wieder geschlossen wird. „Es bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagt Magagna.

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24.08.2016, 06:00 Uhr
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