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Digitale Sammelwut

Die Elektronikmesse zeigt, wie intelligent der Haushalt der Zukunft ist. Verbraucher bezahlen einen hohen Preis in Form von Daten-Striptease.

04.09.2017
  • MARIA NEUENDORFF

Berlin. Die chinesische Firma TCL hat ihren Stand mit dem Motto „Care Life“ überschrieben. Neben einem Kühlschrank, der seinen Inhalt scannt und gleich selbst online Lebensmittel bestellt, hängt eine smarte Klimaanlage. Sie misst die Herzfrequenz und Körpertemperatur des Anwenders und reguliert sich danach, erklärt die Messehostess stolz. Solche Technik soll sich künftig um die Menschen in ihrem Zuhause kümmern.

Meike Kamp reagiert kopfschüttelnd auf dieses Angebot: „Wenn solche sensiblen Informationen gespeichert oder sogar weitergeleitet werden, braucht man dazu eigentlich eine schriftliche Einwilligung,“ sagt die Mitarbeiterin des Büros der Berliner Datenschutzbeauftragten. Bei ihrem Rundgang über die Internationale Funkausstellung mit unserer Zeitung hat sie nicht die üblichen Themen „größer, innovativer und schicker“ im Sinn. Die 41-jährige Juristin hat vielmehr die Sicherheit der schönen neuen Produktwelt im Blick.

Sie schiebt sich mit dem Besucherstrom durch die Hallen, vorbei an gebogenen Fernsehern, lebendigen Computerspielfiguren und Minirobotern. Am Stand von Philips bleibt sie stehen. Dort wird eine High-Tech-Zahnbürste gepriesen, die Bilder des Gebisses ans Smartphone sendet. Verbraucher sollen erst mit Putzen aufhören, wenn alle virtuellen Zähne weiß geworden sind, erklärt eine Art Animateur. Über Sensoren macht die Bürste auch Karies-Stellen ausfindig und rät gegebenenfalls zu Zahnseide und Mundspülung.

Schwer überprüfbar

„Interessante Informationen für die Zahnzusatzversicherung“, findet Meike Kamp. Doch erst nach mehrmaligem Nachfragen bestätigt eine Konzern-Vertreterin, dass die Daten, die die schlaue Bürste braucht, nicht lokal beim Verbraucher bleiben, sondern in einer externen Datenwolke landen. „Sie werden aber nur von Philips genutzt“, heißt es. Aussagen, die schwer überprüft werden können, schon gar nicht vom einfachen Konsumenten.

Und was ist erst mit Cyber-Kriminellen, die Konto-Daten beim Teleshopping mit dem Smart-TV abgreifen oder Bildschirm-Kameras als Spion missbrauchen? „TV-Geräte und Spielekonsolen, die zum Beispiel mit Bewegungserkennung arbeiten, sind ein Risiko“, erklärt Meike Kamp. Gerade Elektronik, die über Bluetooth oder Wlan mit der Außenwelt verbunden ist, sei gefährdet, manipuliert zu werden, erklärt die Juristin. „Je vernetzter, desto verwundbarer“, lautet die Devise.

„Ja, das stimmt, die Geräte sind leicht zu hacken“, gibt auch eine Mitarbeiterin von Panasonic zu. Hinter ihr an der Wand hängen Sensoren, die kaputte Scheiben, Wasserschäden und Bewegungen registrieren und auf das Handy senden. Die Daten bleiben hier allerdings lokal in der Kamera. „Der Wohnungsbesitzer kann dann selbst entscheiden, ob er sie nach einem Einbruch der Polizei gibt“, erklärt die Messefrau.

Ganz anders bei Smartfrog. Das Berliner Start-up hat ein handgroßes Gerät entwickelt, mit dem Handy-Besitzer ihre Wohnung überwachen können. Zur Beweissicherung werden die Daten extern, aber verschlüsselt, ähnlich wie beim Online-Banking, gespeichert. „Sonst könnten Einbrecher die Beweise ja mit der Kamera zerstören“, erklärt Pressesprecherin Caroline Pfanne.

„Wer den Schlüssel verwaltet, hat die Möglichkeit, sich die Aufnahmen anzuschauen“, stellt Kamp klar. Mittlerweile gebe es sogar Hacker, die sich einen Spaß daraus machten, Videos aus privaten Überwachungskameras ins Internet zu stellen.

Auch auf den Amazon-Spachassistenten „Alexa“ wirft die Berliner Datenschützerin einen kritischen Blick. Damit der digitale Helfer auf direkte Ansprachen reagiert, um beispielsweise Licht oder Musik anzuschalten, muss das Gerät dauernd empfangsbereit sein. Daher nimmt es alles in seiner Umgebung auf. „Was passiert mit den Aufnahmen?“, möchte Kamp am Amazon-Stand wissen. Eine Antwort gibt es erst nach dem Messebesuch per Telefon. „Die Aufnahmen werden in der Amazon-Web-Cloud gespeichert“, erklärt Unternehmenssprecher Michael Wilmes. „Wir nutzen die Daten, um unsere Modelle zu verbessern.“ Über eine App könnten Kunden aber die Aufnahmen jederzeit anhören und löschen.

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04.09.2017, 06:00 Uhr
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