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Digitale Angebote ersetzen Ämtergänge, aber der direkte Kontakt ist auch wichtig
Zumindest in Friedrichshafen lassen sich Traunungen im Standesamt schon per Mausklick terminieren. Foto: © eyeQ - fotolia.com
Heiratstermin per Klick – Wie weit ist die Behörde 4.0?

Digitale Angebote ersetzen Ämtergänge, aber der direkte Kontakt ist auch wichtig

Vernetzung und Digitalisierung ist in den Behörden angekommen. Immer mehr kann im Internet erledigt werden. Aber die großen Würfe stehen noch aus.

06.08.2016
  • CAROLINE STRANG

Friedrichshafen. Wie wäre es denn mit einem Trautermin am 23. September? Mal kurz ins Internet schauen. Drei Klicks und das Ergebnis ist da: Oh ja, das Rathaus ist um 10:30 Uhr noch frei. Perfekt. So einfach ist nicht überall, einen Trautermin zu bekommen – in Friedrichshafen schon. Dort startete schon vor fünf Jahren ein Pilotprojekt, das quasi einen digitalen Kalender mit möglichen Trauorten und den Verfügbarkeiten zum Wunschtermin zeigt. Einfacher geht es kaum. Nun kann geheiratet werden.

Das ist nicht das einzige Projekt, mit dem die Stadt am Bodensee eine Vorreiterrolle ist Sachen Behörden 4.0, also der Digitalisierung und Vernetzung von Ämtern und Bürgern, spielt. Da gibt es noch den Bürger-Hinweis-Service „sags-doch.de„. Eine Plattform, auf der Bürger Anregungen und Fragen loswerden können. „Über sags-doch.de haben wir einen Kommunikationsweg geschaffen, der für viele Bürgerinnen und Bürger ideal ist: Schnell, einfach zu bedienen – und mit einer garantierten Antwort“, fasst Monika Blank, Leiterin Kommunikation und Medien der Stadt Friedrichshafen, zusammen. Das fordere die Mitarbeiter immer wieder, bringe aber auch wertvolle Hinweise.

Der Kontakt zu den Bürgern soll damit erleichtert und verstärkt werden. „Dennoch wollen wir den direkten Kontakt nicht vollständig durch den digitalen Weg ersetzen und denken, dass das auch gar nicht geht.“ So kann man auch weiterhin ins Rathaus gehen und sich dort über eine kaputte Straßenlaterne beschweren. Die Kosten für die digitalen Angebote lassen sich laut Blank nicht beziffern, „neben den Kosten für die Entwicklung, Pflege und Weiterentwicklung von Online-Services entstehen auch Personalkosten für die Betreuung.“

Die Resonanz der Bürger sei zum großen Teil sehr positiv. Im ersten Jahr nach dem Start von „sags-doch.de„ im September 2011 wurden dort 706 Anliegen geäußert. In den vergangenen zwölf Monaten waren es 1489. Tendenz steigend.

Solche Projekte überziehen Deutschland wie Leuchtpunkte, aber gibt es irgendwann einmal das Einwohnermeldeamt 4.0., bei dem man nicht mehr Nummern ziehen und lange warten muss, sondern alles digital von zuhause aus erledigt? Nicht nur das, ist sich Frank Hogrebe, Forschungsdirektor der Hochschule für Polizei und Verwaltung in Wiesbaden, sicher. „Die Verwaltung 4.0 ist mehr. Sie würde Ihnen Ihren neuen Personalausweis automatisch erstellen und zusenden. Das heißt, Sie müssten nicht mehr selbst daran denken, wann Ihr Ausweis abläuft.“

Doch wann ist es soweit? Die Frage, wieweit die Behörden sind, sei nicht pauschal zu beantworten, sagt Hogrebe. Zu weit lägen die Entwicklungen in den 13 000 öffentlichen Verwaltungen auseinander. Ein Beispiel: „So wird die rheinische Stadt Monheim in Kürze ihr gesamtes Stadtgebiet mit Glasfaserverkabelung ausgerollt haben, gleichwohl sind mehr als geschätzte 95 Prozent der übrigen deutschen Behörden noch weit davon entfernt.“

Ein Projekt also, das irgendwann in ferne Zukunft Realität werden könnte? Schaut man auf die Onlineseiten der Bundesregierung, sieht es nicht aus, als dürfte es noch allzu lange dauern. Zumindest geschrieben wurde zu diesem Thema schon einiges. Die Ziele von E-Government, dem Überbegriff für die elektronische Abwicklung von Geschäftsprozessen der öffentlichen Verwaltung und Regierung, sind vom IT-Planungsrat der Bundesregierung definiert. Die wichtigsten: Bürger und Unternehmen sollen möglichst viele ihrer Anliegen orts- und zeitunabhängig erledigen können, Behörden arbeiten schnell, vernetzt und Ebenen übergreifend zusammen, für Bürger ist erkennbar, wer ihre Daten verarbeitet und dass sie sicher sind und sie beteiligen sich über elektronische Medien aktiv an der politischen Meinungsbildung.

Doch was ist 4.0, ein Begriff aus der Industrie, überhaupt, was kann er für Behörden bedeuten? Da wird es theoretisch. Digitalisierung, so der Experte, sei die Umsetzung der gesamten Verwaltungsleistungen auf elektronischem Weg und eine elektronische Akte für jeden Bürger. Vernetzung, der zweite zentrale Aspekt von 4.0, sehe im Kern die behördeninterne und behördenübergreifende Abwicklung von Verwaltung vor – auch über verschiedene Ebenen. Hogrebe übrigens ist optimistisch. Verwaltung 4.0 sei ein vielversprechender Ansatz, sagt er. Schließlich existiere ein Rahmenkonzept und Lösungsansätze. „Hervorzuheben ist, dass 4.0 mehr ist als Digitalisierung und Vernetzung. Die Verwaltung 4.0 bezieht unter anderem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Organisation selbst gleichermaßen mit ein.“

Das merken auch die Verwaltungsangestellten in Friedrichshafen. „Wir haben in den letzten Monaten sags-doch.de erweitert um die Möglichkeit von Online-Beteiligungen. Also zu konkreten Projekten wie etwa städtebaulichen Fragen. Diese Möglichkeit wollen wir weiter ausbauen“, erklärt Monika Blank. Außerdem werde gerade die Website überarbeitet und in Zukunft mehr Online-Formulare angeboten. „Den Nutzen sehen wir auf beiden Seiten: Bürgerinnen und Bürger finden einen einfachen und schnellen Weg zu ihrer Stadtverwaltung – und wir müssen Daten nicht nochmals erfassen, Prozesse werden einfacher und schneller.“

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06.08.2016, 06:00 Uhr
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