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Vom Kirchturm gestohlen: Der Hahn ist weg!

Diebe sind am Turm der Peter- und Paulskirche hochgeklettert und haben den Hahn gestohlen

War wieder mal die Zeitung schuld? Wer weiß! Erst am letzten Samstag hatte das TAGBLATT eine Sonderseite über „Mössingens höchste Baustelle“, nämlich die der Peter- und Paulskirche, gebracht.

13.06.2018
  • Eike Freese

Und ihn dort in all seiner Pracht abgebildet, ganz oben und ganz groß: den tollen Metall-Hahn, der seit gut 80 Sommern auf der Spitze des 501 Jahre alten Gotteshauses seinen Dienst tut. Ob das imposante Bild die Diebe erst auf die Idee gebracht hat?

Sicher ist nur dies: In der Nacht von Sonntag auf Montag ist einer der merkwürdigsten Diebstähle in der Geschichte der Stadt geschehen. Unbekannte sind über zahlreiche Absperrungen und Gerüste auf der Außenseite auf den rund 40 Meter hohen Turm der Kirche geklettert, haben den Hahn aus seiner Verankerung gehoben und ihn von der Spitze des Dachreiters gestohlen. „Ich konnte es erst selbst nicht glauben und kann es teilweise immer noch nicht“, sagt Pfarrer Joachim Rieger dem TAGBLATT: „Aber nachdem wir alle anderen Möglichkeiten des Verbleibs ausgeschlossen haben, bleibt nur der Diebstahl.“

Handwerker haben den Hahn also nicht mitgenommen und zwischengelagert – was durchaus möglich gewesen wäre. Im Zuge der aufwendigen Sanierungsarbeiten auf dem maroden Dach des Baudenkmals sollte nämlich auch der Blech-Broiler aus dem Jahr 1937 aufgehübscht werden. Er hatte Einschuss-Dellen. Von damals. Warum? Darüber gibt es nur Gerüchte.

Nun wird darüber spekuliert, wer die Stehler des Hahns sein könnten. Dass es die üblichen Metalldiebe sind, glaubt Pfarrer Joachim Rieger nicht: „Der Hahn ist nicht so groß und massig, dass er für Metalldiebe das Risiko rechtfertig – und außerdem besteht er aus einer vermutlich wenig wertvollen Legierung.“

Diebe sind am Turm der Peter- und Paulskirche hochgeklettert und haben den Hahn gestohlen
Hier thronte einst ein Hahn: die Turmspitze der Kirche. Bild: Franke

Dass es ein Trophäensammler sein könnte, hält Rieger schon eher für möglich. Doch es gehört schon viel Fantasie dazu, sich einen Antiquitätenfreund vorzustellen, der in tiefster Nacht die Absperrungen überwindet und sich über die windungsreichen Streben des Gerüstets auf den Weg in 40 Meter Höhe macht, um dann an das Objekt der Begierde zu kommen.

Rieger glaubt an eine Mutprobe, eine Wette oder eine Tat im Suff. „Wir haben schon einmal junge Leute vom Gerüst holen müssen, die mit Bierflaschen nach oben gekommen sind“, so der Pfarrer. Auch ein Heimatkundler auf Abwegen, erzählt Rieger, hat sich schon einmal verbotenerweise in die luftigen Höhen gewagt. Wer auch immer es war: Rieger ist sich sicher, dass es mehrere Täter gewesen sein müssen. Eine Person allein ist nicht groß und kräftig genug, auf dem Gerüst des Dachreiters nach oben zu langen und den Hahn aus seiner Verankerungsstange zu heben. Ein Mensch allein hätte mindestens eine Leiter gebraucht, für zwei Täter gemeinsam hätte vielleicht eine Räuberleiter gereicht.

Für die Gemeinde steht zudem die Tatzeit fest: „Es muss ziemlich tief in der Nacht zum Montag und vor Sonnenaufgang gewesen sein“, so Rieger: „Wer da hochklettert, den Hahn von der Stange zerrt und ihn nach unten bringt, macht auf jeden Fall eine Menge Lärm.“ Deshalb hofft die Gemeinde auch darauf, dass es vielleicht Passanten gibt, die etwas gesehen haben.

Und wenn es die nicht gibt, bleibt die Hoffnung, dass die Mutprobe mit der Tat beendet ist, sich der Täter ein Herz nimmt und den Hahn wieder zurückbringt. Ein wirklich gewinnbringender Verkauf der Antiquität ist vor allem in der Region eher unwahrscheinlich. Polizeibeamte haben die Daten aufgenommen und Fotos mitgenommen. „Der schlimmste Täter für uns wäre ein Antiquitäten-Liebhaber“, so Rieger: „Einer, der an so einem Hahn Freude hat, obwohl er ihn niemandem zeigen kann und ihn deshalb zu Hause versteckt.“

Übrigens: Die charakteristische Turm-Kugel des Dachreiters, die unter dem Hahn angebracht war, wurde nicht gestohlen. Die Gemeinde hat sie abmontieren lassen und erstmal in sichere Hände gegeben. „Wohin, steht besser nicht in der Zeitung“, sagt Rieger: „Nicht, dass noch jemand auf dumme Gedanken kommt.“

Der Hahn ohne Vergangenheit

Der hübsche Metallhahn auf der Mössinger Peter- und Paulskirche gehörte zu den modernen Gestaltungselementen am Haus. Er stammt nach Auskunft von Pfarrer Rieger wohl aus dem Jahr 1937 – doch mehr konnten Heimatkundler nicht über ihn herausfinden. Die Ästhetik der Metallfigur ist modern, Pfarrer Joachim Rieger interpretiert sie als „Art-déco-mäßig“. Wer ihn gebaut hat, ist nach Auskunft der Gemeinde nicht bekannt.

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13.06.2018, 01:00 Uhr
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