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Vereint zum fliegenden Auto

Die zweiten Tübinger Innovationstage bringen Firmen und Forscher zusammen

„Die Zeit des Tüftelns im Kämmerlein ist vorbei“, weiß Christian O. Erbe als Firmenchef: „Getüftelt wird im Team.“ Als IHK-Präsident sagt er das so: „Innovationen entstehen im Dialog“ – Wirtschaft und Wissenschaft müssen diesen Dialog kräftig vorantreiben. Die gestern eröffneten Tübinger Innovationstage sind eine wichtige Plattform dafür.

06.07.2011

Von Martin Mayer

Tübingen. Mit den Innovationstagen hat die Industrie- und Handelskammer in der Region ein Forum geschaffen, bei dem sich Wirtschaft und Wissenschaft – praktische Anwender und Grundlagenforscher – gegenseitig befruchten können. Die jetzigen Innovationstage sind die vierten, die Veranstaltung findet zum zweiten Mal in Tübingen statt: diesmal nicht an der Universität sondern bei Tübinger Unternehmen. Zur gestrigen Auftaktveranstaltung begrüßte Christian Erbe, der Chef der gleichnamigen Medizintechnik-Firma, als IHK-Präsident rund 80 Interessenten – allerdings nicht im eigenen Firmengebäude, sondern in den Räumen von Transtec („beim guten Nachbarn“) auf der anderen Seite der Waldhörnlestraße.

Die Firma Erbe selbst platzt dank guter Auftragslage „aus allen Nähten“ und muss erweitern (wir berichteten). Als „indirekter Gastgeber“ dieser Innovationstage hatte sie das Thema für die Auftaktveranstaltung gesetzt: die „Mensch-Maschine-Interaktion“. Bevor Christian Erbe und Prof. Heinrich Bülthoff, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik, Beispiele für solche Mensch-Maschine-Schnittstellen vorstellten, lud Erbe als IHK-Präsident die Firmen und Forscher der Region ein, intensiver zusammenzuarbeiten.

Die Innovationstage seien ein „jährliches Highlight“ – aber nur eine der Plattformen, „die den Dialog Wirtschaft-Wissenschaft vorantreiben“. Ein IHK-Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer soll demnächst gegründet werden. Der regelmäßige Austausch von Forschern und Firmen in Foren zu Innovations-Fragen stelle sicher, so Erbe an die Adresse der neuen Landesregierung, dass „ein Unternehmen keine Vorgaben“ braucht, „was es produzieren soll und was nicht“. Die versprochene Stärkung der Hochschulen wertete der IHK-Präsident aber als „sehr positiv“.

Oberbürgermeister Boris Palmer forderte die IHK auf, den Titel „Tübinger Innovationstage“ beizubehalten: „Dass die Wirtschaft in unserer Stadt so innovativ ist, wird viel zu wenig gewürdigt“, sagte er. Bei der Medizintechnik, im Verbund von Medizin- und Ingenieurstechnik sowie in der Biotechnologie habe die Unistadt mit Erbe, Zeltwanger oder den erfolgreichen Gründerfirmen im Technologiepark herausragende Unternehmen: Deren Produkte würden „die Märkte der Zukunft besetzen“ – davon könne „die Stadt einiges erhoffen“.

Auch für die Energiewende sei Tübingen, etwa mit den Firmen MHH oder Avat Automation, „gut aufgestellt“. Palmer sagte den Innovateuren „jede Unterstützung“ zu: Bei dem bevorstehenden demografischen Wandel sei „der Vorteil, nahe an der Universität zu sein, ein Standortvorsprung“, der sich noch stärker auswirken werde.

Die Universität ihrerseits hat großes Interesse, die Kooperation mit der regionalen Wirtschaft zu vertiefen, versicherte Prorektor Heinz-Dieter Assmann in Vertretung von Rektor Bernd Engler den versammelten Firmen- und Uni-Vertretern. Bei der Zusammenarbeit der Uni mit der IHK begebe sich die Wissenschaft keinesfalls „auf Fachhochschulniveau“, wie manche meinten. Diese Kooperation, die längst transnationalen Charakter habe, entspreche vielmehr der Überzeugung der Universität, schon bei der Auswahl der Forschungsfelder, „Verantwortung für gesellschaftliche Engpässe“ zu übernehmen.

Wie Grundlagenforschung neue Geschäftsfelder eröffnet, stellte Max-Planck-Direktor Heinrich Bülthoff vor. Die Wissenschaftler, die die menschlichen Sinnes-Wahrnehmungen als „komplexes kybernetisches System“ analysieren, kommen über den Bau von (Flug-)Simulatoren zu Flugunfall-Analysen und schließlich zu Trainings-Aufträgen. Vom Training für Hubschrauberpiloten kam Bülthoff in seinem Vortrag auf das mit 4,3 Millionen Euro geförderte Projekt „MyCopter“: „Fliegende Autos“ könnten viele der heutigen Verkehrsprobleme lösen. Das Projekt, das mit seiner Suche nach „Luftkorridoren“ über den verstopften Straßen den Individualverkehr „in die dritte Dimension“ heben soll, wurde im Januar gestartet und läuft vier Jahre.

Bülthoff will nun an Modellen und Simulatoren die Idee von den fliegenden Autos überprüfen und schauen, wie sowas in die Gesellschaft und zu den geltenden Gesetzen passen könnte. „Wir haben ein sehr enthusiastisches Team“, sagte er – und fügte für die Unternehmer an: „Wir haben hier sehr viel Industrie, die sich die letzten 100 Jahre vor allem mit dem Auto befasst hat.“

Mensch-Maschine-Interaktion: Um die Schnittstellen zwischen menschlichem Hirn und neuen Produkten geht es bei den Innovationstagen Bilder: Ulmer/Archiv

Christian O. Erbe

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Erstellt:
6. Juli 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Juli 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juli 2011, 12:00 Uhr

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