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Der Rauch lichtet sich langsam

Die weltweit schrumpfende Tabakindustrie sucht nach Alternativen: Preiserhöhungen und E-Zigarette

Raucher haben es schwer. Von immer mehr Orten werden sie verbannt, Schockbilder sollen sie abschrecken. Immer weniger Menschen rauchen. Die Tabakindustrie erhöht die Preise und sucht neue Märkte.

02.08.2014

Von TERESA DAPP, DPA

London "Dies ist ein Nichtraucherflug." Die Flugbegleiter wiederholen es beharrlich vor jedem Start. Dabei käme wohl kaum einer der Passagiere auf die Idee, sich eine Zigarette anzustecken. Raucherabteile im Zug sind ausgestorben, ebenso verqualmte Großraumbüros wie in der TV-Serie "Mad Men". Viele Cafés, Kneipen und Clubs schicken Raucher bei Wind und Wetter vor die Tür. Das sind schlechte Nachrichten für Raucher - und ein Zeichen dafür, dass die Tabakkonzerne unter Druck stehen.

In den kommenden Wochen werden viele Packungen wieder teurer, wie Dirk Pangritz vom Deutschen Zigarettenverband ankündigt: "Zum ersten Januar gab es wieder Steuererhöhungen. Ein paar kleinere Firmen haben seitdem schon um 10, 20 Cent erhöht. Jetzt im August, spätestens September ziehen andere nach." So soll der 19er-Pack "Marlboro Red Soft Label" demnächst 5,40 EUR kosten. Trost für die Deutschen: Anderswo zahlen Raucher deutlich mehr. In Großbritannien kostet ein Pack über 10 EUR. Zudem arbeiten Regierungen daran, Zigaretten und ihre Verpackung möglichst unattraktiv zu machen. Spätestens 2016 warnen auch in der EU große Schock-Fotos vor fatalen gesundheitlichen Folgen des Qualms - Werbung für die Glimmstängel ist weitgehend verboten.

In Deutschland fiel der Tabakwaren-Verbrauch pro Kopf von jährlich 1700 Stück im Jahr 2000 um über 40 Prozent bis heute auf unter 1000. EU-weit geht die Zahl der Raucher zurück. In den USA rauchte 2010 nicht mal mehr ein Fünftel der Erwachsenen Zigaretten.

Die Tabakkonzerne klagen über die angebliche Regulierungswut. Schmuggel unversteuerter Zigaretten und Arbeitsplatzverlust seien die Folgen. Hat die Industrie tatsächlich Grund zur Sorge? PMI meldet genau so wie die europäischen Konkurrenten British American Tobacco ("Lucky Strike") und Imperial Tobacco ("Gauloises", "West") rückläufige Verkaufszahlen. Und das nicht nur in Europa und den USA. Zuletzt haben sich Steuererhöhungen etwa im weitgehend unregulierten Raucher-Paradies Philippinen deutlich bemerkbar gemacht. Auch auf dem größten nationalen Markt in China rückt, wenn auch zögerlich, der Nichtraucherschutz in den Fokus.

In Not ist die Branche allerdings nicht. Seit 2009 steigerte etwa "Marlboro"-Produzent PMI den Gewinn von 6,3 auf 8,6 Mrd. Dollar. Mit Preiserhöhungen lässt sich einiges ausgleichen, denn viele Raucher geben ihre Leidenschaft - oder auch Sucht - nicht gleich auf, weil die Packung etwas mehr kostet. "Klar stehen wir gut da", heißt es in Branchenkreisen. So deutlich zitiert werden will aber keiner, würde es doch die Argumente gegen Regulierung und mehr Steuern entkräften.

Trotzdem ist klar, dass es im klassischen Geschäft mit der Zigarette vor allem im Westen nicht mehr viel zu gewinnen gibt. Auf dem Vormarsch sehen Analysten eine rauchfreie Alternative. Bis zu 200 Mo. EUR könne der Handel mit E-Zigaretten in diesem Jahr umsetzen, prognostiziert der Verband des eZigarettenhandels (VdeH).

Die batteriebetriebenen Geräte zur Verdampfung aromatisierter Flüssigkeiten - mit oder ohne Nikotin - würden "die Tabakzigarette gleichsam ablösen, wie vor gut hundert Jahren das Auto die Pferdekutsche abgelöst hat", ist Verbandschef Dac Sprengel überzeugt.

Die E-Zigarette ist aber umstritten: Experten sind uneins, ob sie Menschen beim Aufhören hilft oder ans Rauchen heranführt.

Längst haben die großen Tabakkonzerne ein Auge auf die dampfende Konkurrenz geworfen. Das US-Unternehmen Lorillard kaufte die Marke "Blu". Die Altria Group ("f6", "L&M") hat sich mit "Green Smoke" die zweite E-Marke zugelegt. Im Gegenzug machen die Regierungen sich zunehmend Gedanken über die Verdampfer. Nikotinhaltige E-Zigaretten sollen laut Tabakrichtlinie in der EU künftig als Tabakprodukte oder Arzneimittel behandelt werden und damit strengeren Verkaufsvorschriften unterliegen. Bei den meisten Airlines ist das Dampfen im Flugzeug bereits jetzt verboten.

Der blaue Dunst verflüchtigt sich langsam. Seit Jahren nimmt die Zahl der Raucher ab. Das bringt die Tabakkonzerne in Bedrängnis. Foto: dpa

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Erstellt:
2. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. August 2014, 12:00 Uhr

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