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Die unbeliebte Mahlzeit
Mensa des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Leinfelden-Echterdingen: Die Akzeptanz des Schulessens im Südwesten ist noch ausbaufähig. Foto: dpa
Ernährung

Die unbeliebte Mahlzeit

Mit viel Aufwand wurden im Südwesten hunderte Schulmensen gebaut. Doch in der Praxis hapert es vor Ort oft an Kleinigkeiten – die Akzeptanz ist entsprechend gering.

17.11.2017
  • HANS GEORG FRANK

Güglingen. Eine alte Weisheit bemühte Friedlinde Gurr-Hirsch, um die zunehmende Bedeutung der Ernährung in der Schule zu erklären. „Was Hänschen nicht lernt, das lernt auch Hans nicht mehr“, erklärte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gestern in Güglingen (Kreis Heilbronn), wo die Katharina-Kepler-Schule die zentrale Feier des Tages der Schulverpflegung ausrichtete. „Die Kinder sollen Kraft aus dem Essen schöpfen, um den Tag gut zu überstehen“, sagte die CDU-Politikerin. Die Ernährungsbildung verlagere sich immer mehr von den Familien in die Schulen. „Wenn das so ist, soll das Essen auch gut sein.“

Zwar ist im Ministerium bekannt, dass 40 Prozent der Baden-Württemberger täglich außer Haus ihre Mahlzeit zu sich nehmen. Aber über die Dimension der Schulverpflegung liegen keine Zahlen vor. Peter Grimm, Leiter der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung mit Sitz in Esslingen, wagt nicht einmal eine Schätzung, wie viele Schüler sich vom Klassenzimmer in den Speisesaal begeben können.

Frisch und fettarm

Klar ist nur, dass es hierzulande rund 1800 Ganztagesschulen gibt. Nach einem Beschluss der Kultusminister von 2004 sind diese Einrichtungen verpflichtet, eine Mittagsmahlzeit anzubieten. Was auf die Teller kommt, soll sich orientieren an den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: ausgewogen, fettarm, gesund, frisch. In vier Wochen sollten Gemüse, Salat, Getreide- und Kartoffelprodukte täglich vorkommen, Fleisch maximal acht Mal, Seefisch mindestens vier Mal.

Aber Schüler folgen den Empfehlungen von Wissenschaftlern ungern. Nach einer Erhebung sind Nudeln, Pizza, Pfannkuchen, Pommes frites am beliebtesten. Gar nicht schmecken sollen demnach Spinat, Suppe, Fisch und Kartoffeln. Aus religiösen Gründen bestellen auch Schüler in Güglingen kein Essen, weil Muslime befürchten mit Schweinefleisch in Kontakt zu kommen. Schon die Benutzung einer Pfanne, in der vorher Schnitzel lagen, reicht für die Ablehnung aus. „Sie trauen sich auch nicht, wenn es Pute gibt“, hat Schulleiterin Annegret Doll beobachtet.

In der Güglinger Mensa könnten in zwei Schichten 160 Gäste versorgt werden. Es kamen bisher maximal 110. Die Mahlzeiten stammen aus der Küche eines Seniorenheims. Kinder bezahlen dafür 3,25 Euro. Die Stadt als Auftraggeber überweist jedoch 5,60 Euro, außerdem werden die Betriebskosten in der Schule und die Bereitstellung des Personals übernommen. Finanzschwache Familien bekommen einen Sonderpreis von einem Euro. „Schulessen ist immer subventioniert“, erklärte Ernährungswissenschaftler Grimm. Es liege bei den Kommunen, welchen Einfluss sie auf die Qualität bei der Auftragsvergabe nehmen: „Vielerorts ist der Preis ausschlaggebend, da wird halt der billigste Bieter genommen.“ Dabei bestätigt sich für den Experten eine Erkenntnis, die nicht nur für die Schulspeisung gilt: „Essen hat bei uns einen relativ niedrigen Stellenwert.“

Die Schüler sollten mindestens zweimal jährlich nach ihrem Urteil gefragt werden, rät Grimm. Hilfreich seien auch „Kummerkästen“. Es käme durchaus vor, dass ein Caterer vorzeitig abgelöst werde, weil die Qualität des Essens nicht stimme. „Aber das hat sich in den letzten Jahren verbessert.“ Die Vernetzungsstelle hält einen runden Tisch mit Schülern, Eltern, Lehrern, Mensapersonal und Rathausmitarbeitern für sinnvoll. Doch oft würden die Akteure viel zu wenig gehört. Dies sei ein Grund, warum die Akzeptanz in Baden-Württemberg besonders gering sei. Die Auslastung der Mensen liege unter 20 Prozent.

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17.11.2017, 06:00 Uhr
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