Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ein Bauhaus und der Blick zu den Sternen

Die schönsten Stadtwanderungen (1): Von der Haußerstraße über die Sternwarte zum idyllischen

„Kreuz und quer durch Tübingen“ heißt ein neuer Stadtführer des Silberburg-Verlags. 15 Stadtwanderungen werden darin beschrieben. Einige davon stellen wir unseren Lesern in diesem Sommer in loser Folge vor.

01.09.2015

Von Arndt Spieth

Wir beginnen diese Tour an der Kreuzung Haußerstraße/Mohlstraße und wandern die Haußerstraße bergauf. Hübsche Ein- und Mehrfamilienhäuser mit einigen bezaubernden alten Gartenhäusern wie bei Haus Nr. 37 säumen die Straße. Blicken wir am Beginn der Tour ins Tal, so sehen wir rechts einen langen Bau mit Mansardendach. Als „Deutsches Institut für ärztliche Mission“ 1909 in Anwesenheit des Königs Wilhelm II. von Württemberg eingeweiht, war es von 1945 bis 1952 Sitz der Landesregierung von Südwürttemberg-Hohenzollern, der Landtag selbst tagte in Bebenhausen.

Auf unserer Wanderung durch die Straße bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf Lustnau und den Österberg. Schließlich erreichen wir auf der rechten Seite ein kleines architektonisches Highlight: das Haus Laub (Nr. 42).

Das 1930 fertiggestellte Domizil war ein Werk des bekannten Architekten Martin Elsaesser. Außen- und Innenarchitektur sind mit der aus mehreren Kuben bestehenden Grundform ganz dem „Neuen Bauen“ verpflichtet. Elsaesser war ursprünglich Anhänger der konservativen „Stuttgarter Schule“ und freundete sich erst ab 1925 als Frankfurter Stadtbaudirektor mit den neuen Ideen des Bauhauses an.

Die Villa des Missionsdirektors Laub war Teil einer kleinen Villenkolonie im „Neuen Stil“, von denen noch das Nachbarhaus Nr. 44 (Architekt Karl Wägenbaur) erhalten geblieben ist.

Wir wandern weiter, halten uns oben in der Straße Im Schönblick kurz links, und folgen dann links von Haus Nr. 79 aus dem bergauf führenden Treppenweg. Nach den Staffeln ist der Pfad zunächst asphaltiert, dann geschottert. Oben erreichen wir den neuen Technologiepark, der zusammen mit den Ansiedlungen auf den Härten das größte deutsche Gründerzentrum für Biotechnologie bildet. In dieser aussichtsreichen Lage haben sich in den letzten Jahren zahlreiche junge Unternehmen aus der Bio-, Nano-, Medizin- und der Informationstechnologie in modernen Labor- und Bürogebäuden angesiedelt, und die begehrten Baulücken werden von Jahr zu Jahr rarer.

Der Weg führt uns nun in einem Bogen mit herrlichem Blick auf das Neckartal und die Schwäbische Alb zwischen den Max-Planck-Campus und den Sicherheitszaun des früheren Friedrich-Loeffler-Instituts FLI (Bundesinstitut für Viruskrankheiten der Tiere) mit zahlreichen Versuchslabors auf der rechten Seite. Die Fläche wird in den nächsten Jahren neu bebaut werden.

Oben angekommen, gehen wir die Paul-Ehrlich-Straße weiterhin bergauf und spazieren bald nach links zur Sternwarte (Nr. 70). 1955 bis 1957 für das neu gegründete Astronomische Institut der Universität erbaut, löste sie eine Reihe kleinerer Sternwarten in Tübingen ab. Das Teleskop wurde 1924 von Carl Zeiss Jena für die Privat-Sternwarte des Heidelberger Geheimrats Carl Bosch (1874–1940) gefertigt. 2003 gab das Astronomische Institut die Sternwarte auf und verkaufte sie der Stadt. Die Astronomische Vereinigung bietet hier regelmäßig öffentliche Himmelsbeobachtungen und astronomische Vorträge an. Im Erdgeschoss befindet sich jetzt ein Restaurant mit Café, ein gute Möglichkeit für eine Kaffeepause.

Von der Sternwarte wandern wir auf der anderen Seite, neben Ge-bäude Nr. 70/8, über einen Fußweg Richtung Süden und kommen wieder in die Paul-Ehrlich-Straße. Hier halten wir uns links. Vor den modernen Gebäuden der verschiedenen Max-Planck-Institute spazieren wir die Anlieferstraße rechts hinunter. Nach dem ersten Gebäude halten wir uns schräg links und gelangen über einen Fußweg mit Betonpflaster zu einem neu angelegten Teich, den wir queren. In diesem Instituts-Campus arbeiten und forschen rund 700 Personen. Für die Forschungen werden in Laboren auch lebende Affen verwendet, was immer wieder zu kontroversen Diskussionen führt.

Nun wandern wir nach rechts und kommen zwischen Ufer und ei-nem Versuchsgewächshaus über den abschüssigen Weg zu einer Kreuzung. Wir biegen hier in die nach rechts unten führende Spemannstraße ein und schlendern durch eine der besten Adressen Tübingens. In herrlicher Lage reihen sich schöne Villendomizile in gepflegten Gärten am Hang der „Eberhardshöhe“.

Schließlich erreichen wir die breitere Waldhäuser Straße und halten uns links. Nach Querung der Straße Im Schönblick folgen wir bald einem schräg nach links führenden Fußweg, der uns durch eine lauschige Klinge hinunterleitet.

Auf der linken Seite schmiegt sich ein bezauberndes altes Häuschen einer begnadeten Tübinger Textilkünstlerin an den bewaldeten Hang. Schließlich sind wir in der Straße Im Rotbad angekommen, in die wir links einbiegen.

Dieses beschauliche Sträßchen mit einer netten Mischung aus alter und neuer Bebauung windet sich harmonisch entlang des Südhangs. Immer wieder bekommen wir zwischen den Häusern Ausblicke auf die reizvolle Umgebung.

Wir erreichen die rechts abgehende Iglerslohstaffel, über die wir mit weiteren herrlichen Ausblicken auf neue und alte Villen mit idyllischen Gärten hinunter in die Mohlstraße gelangen.

Unten halten wir uns links und erreichen nach wenigen Schritten wieder den Ausgangspunkt.

Arndt Spieth, Kreuz und quer durch Tübingen. Silberburg Verlag und Schwäbisches Tagblatt, 256 Seiten, 14,90 Euro

Altes Gartenhaus in der Haußerstraße

Tourbeginn und -ende: Kreuzung Haußerstraße/Mohlstraße Bushaltestelle: Mohlstraße, Linie 6
Tourenlänge: circa 4 Kilometer
Höhenunterschiede: circa 130 Meter
Einkehrmöglichkeiten: Sternwarte

Zum Artikel

Erstellt:
1. September 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
1. September 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. September 2015, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+