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Königin aus Niederbayern

Die neue Jann-Orgel im Weggental wurde am Sonntag feierlich eingeweiht

Mit Wortgottesdienst und Konzert wurde die Einweihung der neuen Weggental-Orgel am Abend des dritten Adventssonntags festlich begangen. Gut 300 Gläubige und Musikfreunde füllten die barocke Wallfahrtskirche.

16.12.2014

Von URSULA KUTTLER-MERZ

Rottenburg. „Orgel, du gottgeweihtes Instrument, sollst erklingen zum Lob Gottes? betete Weihbischof Johannes Kreidler, bevor die neue Königin der Instrumente zum ersten Mal zu hören war, und fuhr mit dem Ansingen fort: „Künden sollst du von der Barmherzigkeit und Liebe Gottes, reden vom Frieden und der Einheit aller Christen, sollst dieses Gotteshaus erfüllen mit deinem Klang und unsere Bitten zur Mutter Gottes bringen?. Bevor er in Begleitung von Pater Guardian Franz Sales Kremer und drei Ministranten auf der Empore die Orgel mit Weihwasser besprengte, schloss er das Weihegebet: „Segne diese Orgel, damit sie unsere Herzen empor hebe zu dir!?

Es folgte das erste Spiel von Prof. Wolfram Rehfeldt. Er interpretierte ein Werk aus der Barockzeit: Johann Gottfried Walthers „Concerto? in A-Dur mit allen Prinzipalen und Mixturen samt einer Pedal-Zungenstimme. Orgelbaumeister Thomas Jann aus Allkofen in Niederbayern erläuterte humorvoll die anschließend vorgeführten Klangbeispiele der „Faszination Orgel?, beginnend mit dem Hauptwerk, dessen Register er mit einer Art Familie verglich: vom „Vierlings-Babygeschrei? der Mixtur und Flauto 8? „als liebe charmante Mutter mit Durchsetzungsvermögen? bis zur Bourdon-16-Fuß-?Oma? und zum „Onkel General?, der 8?-Trompete.

Als besonders schön empfanden viele Besucher die Schwebung im Schwellwerk und „Dulzian? im Rückpositiv. Eindrucksvoll auch ein nicht eigens kommentierter akustischer 32-Fuß ? mit Hilfe einer Quinte im Pedal vom Organisten gekonnt gemacht.

Insgesamt zeigte sich die von Rehfeldt gemeinsam mit Organist Bernhard Kugler entworfene Disposition der Jann-Orgel stark am süddeutschen Barock orientiert. Sie klingt erheblich barocker als etwa die Albiez-Orgel in St. Moriz. Nicht nur von den akustischen Beispielen, sondern auch von der Optik waren die Gottesdienstbesucher angetan: Das Orgelgehäuse korrespondiert in Form und Farbe harmonisch mit den schmucken Kapitellen der Wallfahrtskirche.

Nach dem Gemeindelied „Nun danket alle Gott? beschenkten Organist Wolfram Rehfeldt und seine Töchter Anna und Elisabeth (Sopran) die Zuhörer mit einem erlesenen Konzertprogramm. Johann Pachelbels „Aria Quarta? mit Variationen überzeugte durch Rehfeldts hervorragende Registrier-Kunst, ebenso die in Musik umgesetzten Schritte von „Maria durch ein Dornwald ging? in seiner eigenen Komposition für zwei Sopranstimmen und Orgel. Großartig gelang das gregorianisch inspirierte „Ave Maria? aus der 1951 komponierten Orgelsinfonie Nr. 1 des Belgiers Guy Weitz (1883-1970), wobei der Einfluss César Francks zu erkennen war.

Nicht zuletzt bei John Rutters „Angels Carol? und „I will sing with the spirit? erwies sich die neue Orgel auch als wunderschönes Begleitinstrument zum Gesang. Max Regers Ave Maria, die Adventsmeditation „Die Nacht ist vorgedrungen? wie auch die bewegten und bewegenden Toccaten von Wolfram Rehfeldt zeigten einmal mehr Klangvielfalt und Fülle beim Einsatz der Orgel als Soloinstrument. Die Zuhörerpapplaudierten minutenlang im Stehen.

Weihbischof Johannes Kreidler, Pater Franz Sales Kremer, Orgelbaumeister Thomas Jann und der Fördervereinsvorsitzende Herbert Baur dankten allen Beteiligten: Franziskanergemeinschaft Weggental, Dompfarrgemeinde, Orgelbauer, Spender und Orgelpfeifen-Paten, Kirchenmusiker, Förderverein und unzählige Helfer. Kreidler fasste die Bedeutung der Orgel „im Weggental, diesem Ort der geistlichen Wegsuche? zusammen: „Sie ist das Instrument des Glaubens, die Summe vieler Künste, sie strotzt vor Vitalität, und ihre Größe erinnert an Gottes Herrlichkeit!?

Zum Abschluss der Orgelweihe trafen sich die Gottesdienstbesucher rund um den nächtlichen Weggentalbrunnen im Kerzenschein bei Glühwein und Gebäck.

Weihe der neuen Jann-Orgel in der Rottenburger Weggentalkirche: Nach Ansage des Orgelbauers werden die verschiedenen Register vorgeführt. Bild: Sommer

Die in über 8000 Arbeitsstunden erbaute dreimanualige Jann-Orgel in historischer Stimmung (Neidhard 1725) hat Hauptwerk, Rückpositiv, Schwellwerk, Pedal(-türme) mit 32 Registern und 2130 Pfeifen. Der Orgelbauförderverein bittet dringend um weitere Spenden für das eine halbe Million teure Instrument (Konto: Volksbank BIC: GENODES1VBH, IBAN: DE05 6039 1310 0000 0140 01). Zur Finanzierung beitragen werden weiterhin die Orgeltreffs nach dem Sonntagsgottesdienst mit Weißwurst-Frühstück und Fleischkäs sowie das Krippencafé.

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Erstellt:
16. Dezember 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Dezember 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2014, 12:00 Uhr

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