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Klein ist größer als halb

Die meisten Gastronomen teilen auf Wunsch Gerichte

Eine geteilte Gänsebrust sorgte kürzlich bei zwei Frauen in einem Tübinger Restaurant für Ärger. Nicht, weil das Brüstchen nicht gut war, sondern weil es so teuer war. Denn sie hatten mitnichten eine halbe, sondern jeweils eine kleine Portion bekommen. Wir fragten einige Wirte, wie sie es denn halten mit den halben und den kleinen Portionen.

15.01.2010
  • Sabine Lohr

Kreis Tübingen. Lisa Fricke und Mona Vitt aus Horb wollten sich „etwas gönnen“ und kehrten zum Mittagessen ins Restaurant Museum ein. Dort bestellten sie eine Gänsebrust – verteilt auf zwei Teller. Dass sie dann wesentlich mehr als den halben Preis dafür bezahlen mussten, ärgerte die beiden Frauen mächtig.

Museums-Wirt Lothar Schmid will sich zu dem Vorfall öffentlich nicht äußern. Das tat kurz nach Erscheinen des Beschwerde-Leserbriefs der beiden Horberinnen hingegen Alexander Stagl, Vorsitzender der Gastronomen-Vereinigung TüGast und Inhaber des Hotels Krone. Es sei „branchenüblich, dass für kleinere Portionen mehr als 50 Prozent berechnet werden“, schrieb er in einem Leserbrief, eine „kalkulatorische Erklärung“ liefere „jeder Gastronom mit Sicherheit“.

Die Kalkulation wollte Stagl auf TAGBLATT-Nachfrage nicht preisgeben. In seinem Restaurant Uhlandstube bietet er von den meisten Gerichten kleine Portionen an, „das sind dann etwa zwei Drittel einer ganzen Portion“, sagt er. Kinder bekommen auf Wunsch auch einfach einen leeren Teller, um sich dann bei den Eltern zu bedienen. Dieser „Räuberteller“ sei aber „voll subventioniert“, sagt Stagl.

Einen Teller ohne Aufpreis bekommen Kinder bis zwölf Jahre in den Monaten Januar bis März auch in der Rosenau – allerdings ist der gefüllt mit einem kostenlosen Essen nach Wunsch von der Kinderkarte. In den anderen Monaten bleibt er leer. Wirt Ernst Fischer bietet kleine Portionen an, und wer ein Gericht auf zwei Tellern verteilt haben wolle, bekäme das auch – „das ist aber noch nie vorgekommen“, sagt Fischer.

In der Familie Horn, die das „Casino am Neckar“ betreibt, haben die Leserbriefe „heftige Diskussionen ausgelöst“, wie Hans-Peter Horn berichtet. Er hat seine Bedienungen noch einmal darauf hingewiesen, die Gäste aufzuklären, wenn sie eine halbe oder eine kleine Portion bestellen. „Selbstverständlich verteilen wir ein Gericht auch auf zwei Teller oder bringen einen extra Teller“, sagt er. Dafür verlangt wird dann nicht mehr als fürs ungeteilte Gericht. Aber, so Horn, „nicht jedes Gericht lässt sich teilen.“ Zumindest nicht so, dass es noch schön aussieht. Deshalb sind auch manche Essen wie etwa die Gänsekeule nur als ganze Portion zu haben. Horn bietet auch kleine Portionen an – zwei Drittel einer ganzen Portion zum Preis von 15 Prozent weniger als für die normale Portion. Ein Wiener Schnitzel kostet dann statt 17,80 Euro noch 14,20 Euro.

Die meisten Gastronomen teilen auf Wunsch Gerichte
Aus eins mach zwei: Die halbe Portion kostet halb so viel wie die ganze, aber eine kleine Portion ist das nicht. Bild und Montage: Metz

Warum das so ist, erklärt Horn mit der Infrastruktur. „Wir bieten eine Dienstleistung an, angefangen vom geheizten Raum, den Toiletten, dem Einkauf der Ware und der Zubereitung bis hin zum gedeckten Tisch und zur Bedienung – das alles kostet Geld.“ Die Ware an sich mache nur 25 bis 30 Prozent des Preises für ein Gericht aus.

Ein Dessert zu zweit wird im Sterne-Restaurant Waldhorn in Bebenhausen gerne bestellt. Eher unüblich hingegen ist der leere Teller extra. „Wir bieten den Gästen dann zwei kleine Portionen an“, sagt Inhaberin Dorothea Schulz-Schilling. Die Gäste würden in diesem Fall darauf hingewiesen, dass diese zwei Portionen etwas teurer seien als eine ganze – „je nach Aufwand“. Schließlich müsse auch eine kleine Portion hübsch aussehen. Ein geteilter Knödel etwa kommt im Waldhorn nicht auf den Tisch, „da macht der Koch dann zwei kleine Knödel“. Wünschen die Gäste dennoch lieber eine Portion zu zweit, werde auch dieser Wunsch „selbstverständlich“ erfüllt – ohne Aufpreis.

Einen Euro mehr hingegen verlangt Hans-Jörg Becht im „Martinshof“ in Rottenburg, wenn jemand das Gericht auf zwei Tellern haben möchte. Oft käme das nicht vor, häufig hingegen wünschten Gäste kleine Portionen. Das würde dann „individuell verhandelt“. Zum Beraten seien er und das Personal schließlich da, findet er. Das Erlebnis der beiden Horberinnen im Museum ärgert Becht gewaltig. „Das und die Reaktion von Herrn Stagl in seinem Leserbrief schaden der ganzen Gastronomie“, sagt Becht. Er jedenfalls hätte den beiden Frauen in so einer Situation ein Dessert angeboten oder einen Kaffee.

Einen leeren Teller trägt das Personal im Mössinger „Delicasa“ immer mal wieder an einen Tisch, „vor allem für Kinder“, sagt Wirtin Petra Jagersberger. Für Erwachsene wird auf Wunsch ein Gericht geteilt – in der Küche oder, wenn es dann nicht mehr schön aussehen würde, am Tisch von den Gästen selbst. Gern geordert würden kleine Portionen, bei denen jedoch lediglich das Fleisch oder der Fisch kleiner ausfallen würden. Berechnet wird das dann nach Gewicht.

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15.01.2010, 12:00 Uhr
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