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Arbeitsmarkt

Die meisten Azubis sind zufrieden

Deutschlands Lehrlinge geben ihrer Ausbildung gute Noten. Zahlreiche Jugendliche suchen aber noch eine Stelle. Die Arbeitslosenquote ist im August wie erwartet leicht gestiegen.

01.09.2017
  • DIETER KELLER

Nürnberg/Berlin. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs haben bundesweit noch 98 000 junge Leute keine Lehrstelle. Dabei sind 136 000 Ausbildungsplätze nicht besetzt. 52 000 junge Frauen und Männer haben sich nach erfolgloser Lehrstellensuche erst einmal für einen weiteren Schulbesuch, ein Berufsvorbereitungsjahr oder die Teilnahme an einem freiwilligen Dienst entschieden. Trotzdem ist der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, optimistisch: Im September gebe es die größte Dynamik auf dem Ausbildungsmarkt.

Zudem gebe es viele Jugendliche, die sich gleich für mehrere Lehrstellen beworben oder sich doch noch für ein Studium entschieden hätten, sagte Scheele in Nürnberg. Insgesamt bewarben sich bis Ende August 532 000 junge Leute bei der BA um einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig wurden 528 000 Lehrstellen gemeldet. Besonders viele unbesetzte Plätze gibt es im Einzelhandel sowie bei Köchen.

Viele offene Stellen im Süden

Allerdings sind die regionalen Ungleichgewichte groß: In Süddeutschland, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es deutlich mehr offene Lehrstellen als Bewerber. In Berlin und Nordrhein-Westfalen sieht es genau umgekehrt aus. Zudem passen die Berufswünsche und das Angebot nicht immer zusammen.

In Baden-Württemberg standen Ende August knapp 12 500 Bewerbern rund 21 000 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Da in letzter Minute immer noch viel vermittelt wird, dürften noch mindestens 10 000 junge Leute eine Lehrstelle finden, erwartet der Chef der Regionaldirektion Baden-Württemberg der BA, Christian Rauch.

Hauptschüler im Nachteil

Eine deutlich ungünstigere Rechnung machte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf: Schon im letzten Jahr seien über 280 000 Bewerber leer ausgegangen, klagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Allerdings handelte es sich dabei zum Großteil nicht um neue Bewerber, sondern um junge Leute bis 25, die schon seit Jahren einen Ausbildungsplatz suchen und die sich mit Maßnahmen der Arbeitsagentur oder Gelegenheitsjobs behelfen. In diesem Jahr dürfte die Zahl auf mindestens 300 000 steigen, befürchtet sie, weil jetzt verstärkt Flüchtlinge eine Lehrstelle suchten. Schwer benachteiligt sind Hauptschüler: Nur 45 Prozent von ihnen schafften nahtlos den Sprung in eine Ausbildung, beklagte Hannack.

Der größte Teil der Jugendlichen, die eine Lehrstelle haben, ist damit auch zufrieden. Das zeigt der Ausbildungsreport, für den der DGB zum 12. Mal über 12 000 Lehrlinge in den 25 beliebtesten Ausbildungsberufen befragen ließ. Fast 72 Prozent sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden.

Dabei gibt es den eindeutigen Trend: Je größer der Betrieb, desto höher die Zufriedenheit, schon weil sich die Ausbilder stärker um den Nachwuchs kümmern. Auch nach Branchen gibt es große Unterschiede: Bei angehenden Mechatronikern, Industriekaufleuten, Industriemechanikern, Elektronikern und Zerspannungsmechanikern ist die Zufriedenheit am größten. Besonders häufig frustriert sind dagegen Anlagenmechaniker, zahnmedizinische Fachangestellte, Friseusen, Hotelfachleute und Lebensmittelfachverkäuferinnen.

Probleme gibt es immer noch mit Überstunden: Über ein Drittel der Befragten müssen regelmäßig länger arbeiten, im Schnitt sind es 4,2 Stunden pro Woche. Die meisten erhalten dafür entweder einen Freizeitausgleich oder Geld. 13 Prozent gehen dagegen leer aus, obwohl das nicht zulässig ist – genauso wenig wie mehr als 40 Stunden pro Woche für Azubis unter 18, was 12 Prozent beklagten.

Zudem vermisste jeder dritte Lehrling einen betrieblichen Ausbildungsplan, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben ist. Über 40 Prozent im letzten Ausbildungsjahr wussten noch nicht, ob sie nach Abschluss übernommen werden.

Auch in den Berufsschulen liegt einiges im Argen. Nur 58 Prozent der Azubis beurteilten die fachliche Qualität des Unterrichts als „gut“ oder „sehr gut“. Das hat sich in den letzten fünf Jahren kaum gebessert, als der DGB den schulischen Teil der Ausbildung schon einmal näher beleuchtete. Nur etwa die Hälfte der Azubis fühlt sich gut auf die theoretische Prüfung vorbereitet. Ähnlich viele bemängelten, die Abstimmung zwischen Schule und Betrieb klappe nicht gut.

Ferner beklagten die Gewerkschaften, dass die Klassen immer größer werden. Aktuell haben sie im Schnitt 21,5 Azubis. Allerdings gibt es Zusagen der zuständigen Länderminister, die Lehrerzahl zu verbessern. Hannack forderte einen Berufsschulpakt: Bund und Länder müssten deutlich mehr Geld für die technische Modernisierung und die notwendigen Lehrkräfte in die Hand nehmen.

Da ist sie sich mit dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, einig. Wenn es Missstände oder Konflikte zwischen Azubis und Ausbildern gebe, unterstützten die Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammern (IHK). Sie verfolgten jede Beschwerde, betonte Dercks.

Im Handwerk gebe es zahlreiche Programme und Projekte, damit die enorme Ausbildungsleistung qualitativ hochwertig bleibe und, wo nötig, verbessert werde, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der SÜDWEST PRESSE. Er verwies auf gezielte Schulungen, Ausbildungsleitfäden, Qualitätsschecks und Weiterbildungen für Ausbilder. Zudem beteilige sich das Handwerk an Projekten wie der assistierten Ausbildung und einem Beschwerdemanagement.

Wartezeit überbrücken

Die Schulabgänger und Ausbildungsabsolventen waren auch ein Grund dafür, dass es im August – wie jedes Jahr – mehr Arbeitslose gab: Zahlreiche Jugendliche überbrückten eine Wartezeit vor dem Beginn der Ausbildung Anfang September oder Oktober, indem sie sich arbeitslos meldeten. Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 2,55 Millionen. Das waren 27 000 mehr als im Juli, aber 139 000 weniger als im August 2016. Gleichzeitig waren 765 000 offene Stellen bei der BA gemeldet, 80 000 mehr als ein Jahr zuvor. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin positiv“, betonte BA-Chef Scheele.

Auch in Baden-Württemberg gab es diese Entwicklung. Die die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 222 000. Das waren 12 300 mehr als im Juli, aber 12 200 weniger als vor einem Jahr. (mit dpa)

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01.09.2017, 06:00 Uhr
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