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Die grüne Heide und die braunen Verehrer
Eine Bronze-Statue von Hermann Löns in Walsrode. Foto: Philipp Schulze/dpa
Hermann Löns – ein Zerrissener zwischen Mief und Moderne

Die grüne Heide und die braunen Verehrer

Der Heidedichter lieferte Stoffe für Heimatfilme lange nach seinem Tod, die Nationalsozialisten vereinnahmten ihn: der vor 150 Jahren geborene Hermann Löns.

29.08.2016
  • DPA

Walsrode. Hermann Löns – ach ja, der Heidedichter. Ein wenig aus der Mode gekommen ist der oft kritisierte Schriftsteller. Doch viele Facetten seines Charakters machen ihn zu einer Persönlichkeit. So war der vor 150 Jahren geborene Löns nicht nur Autor, Journalist und Jäger, sondern auch Naturschützer, Gesellschaftskritiker, Alkoholiker und veritabler Frauenheld.

„Löns flüchtete vor den Anforderungen der Moderne in Naturidyll, Gewalt und Geschichte.“ So beschreibt Thomas Dupke den oft nur als Reaktionär verschrieenen Autor. „Löns war innerlich zerrissen mit Wahnvorstellungen und Gewaltfantasien“, meint der Germanist und Historiker. „Modern in seinem Werk ist auch die Spannung zwischen Stadt und Land.“

Im westpreußischen Kulm – heute Chelmno in Polen – am 29. August 1866 geboren, wird Löns nach abgebrochenem Medizinstudium 1891 Journalist. Lange hält es den Rastlosen nie, Unpünktlichkeit und Alkoholkonsum stoßen seine Umgebung ab. Doch dann erscheinen seine Jagdgeschichten, Löns wird Bestsellerautor, seine Gedichte werden massenhaft vertont, so auch „Auf der Lüneburger Heide“. Das meistverkaufte Buch aber bleibt „Der Wehrwolf“ von 1910, ein blutiges Epos um wehrhafte Bauern im Dreißigjährigen Krieg. Nach 1933 vereinnahmen die Nazis den 1914 als Kriegsfreiwilligen auf dem Schlachtfeld gestorbenen Löns als „Blut-und-Boden-Dichter“ für ihre Ideologie. So sollte der Wehrwolf-Roman gegen Kriegsende als propagandistische Wunderwaffe neue Kräfte freisetzen, schrieb Dupke schon 1994 in seinem Löns-Buch „Mythos und Wirklichkeit“, das sich wie wohl keines zuvor den dunklen Seiten von Löns widmete – die Anhänger reagierten damals entsetzt.

Doch bekannt blieb Löns mit seinen Texten über die Lüneburger Heide: keineswegs reine Natur, sondern von Menschen geformte Kulturlandschaft. Bis in die 1950er bieten sie Stoff für höchst erfolgreiche Heimatfilme, und noch heute tragen bundesweit hunderte Straßen und viele Schulen seinen Namen. Walsrode nennt sich bis heute „Hermann-Löns-Stadt“.

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29.08.2016, 06:00 Uhr
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