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Villingen-Schwenningen

Die fiese Seite des Oberbürgermeisters

Rupert Kubon, der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen, ist im normalen, oberflächlichen Umgang ein netter Typ. Sympathisch, unkompliziert, kommunikativ, eben so, wie ein Oberbürgermeister sein sollte.

06.10.2015
  • PETRA WALHEIM

Diejenigen, die ihn so kennen, können es kaum glauben, was für ein fieser Typ er sein kann - allerdings nur auf der Theaterbühne.

Im Villinger "Theater am Turm" spielt er in dem Stück "Der Büchsenöffner" von Viktor Lanoux die Hauptrolle. Das ist ein Zwei-Mann-Stück, das in einem Bunker spielt. Zwei Männer kämpfen ums Überleben und mit der Erkenntnis, dass sie keine Chance haben. Jeder entwickelt seine eigene Strategie, um mit dem Unausweichlichen zurecht zu kommen.

Kubon gibt den intellektuellen Fiesling Johann, der seinen Mitbewohner Jakob unablässig in den Senkel stellt, ihn demütigt, niedermacht, als Dummkopf, Tölpel, Idioten und noch viel schlimmeres bezeichnet. Der Zuschauer erlebt einen Rupert Kubon, der mit viel Leidenschaft auf der Bühne steht - und damit unter den OB im Land eine Ausnahme sein dürfte. "Es wäre gut, wenn mehr Oberbürgermeister Theater spielen würden", sagt ein Kenner der Kulturszene nach der Aufführung. "Kultur bildet."

Allerdings muss dafür auch ein Talent vorhanden sein. Rupert Kubon hat es. "Ich habe schon in der Schule Theater gespielt", verrät er. Er habe sich an den Schauspielschulen in Stuttgart und München beworben. "Das ist aber nie was geworden." Stattdessen war er während seines Studiums am Stadttheater Konstanz als Regie- und Dramaturgie-Assistent aktiv und hat kleinere Rollen gespielt. "Damit habe ich mein Studium finanziert."

Seit 2003 ist Kubon Oberbürgermeister der Doppelstadt an der Neckarquelle. Doch erst 2010, aus Anlass der Landesgartenschau, betrat er in diesem Amt zum ersten Mal wieder eine Theaterbühne. Das Theater am Turm präsentierte "Das Sparschwein". Im Sommer 2014 brachte das Theater am Turm das Stück "Der Papst und die Hexe" auf die Bühne. Da hatte Kubon noch eine Nebenrolle. Jetzt ist es die Hauptrolle. "Ich habe bisher meistens fiese Typen gespielt. Nie die positiven Helden", sagt er.

Die Frage, ob er auch als Rupert Kubon diese Seite hat, lässt er offen. Die Antwort gibt sein Mitspieler Henry Greif mit einem Augenzwinkern. "Meistens tut man sich leichter mit Rollen, von denen etwas in einem steckt." Die Rolle als fieser Johann spielt Kubon mit Hingabe. Vielleicht lässt er auf der Bühne dieser Seite in sich freien Lauf, weil er sie im zwischenmenschlichen Umgang nicht leben möchte. Auf der Theaterbühne ist vieles möglich.

Für Kubon ist das Theaterspielen Energiequelle, Kontrastprogramm und Erholung von den Aufgaben als OB. "Klar ist man nach zwei Stunden spielen erschöpft, danach aber auch schnell wieder erholt und energiegeladen." Auf der Bühne hat er auch öfter die Erfolgserlebnisse, die er als SPD-Oberbürgermeister in der strukturell nicht einfachen Doppelstadt Villingen-Schwenningen nicht so oft hat.

Dafür nimmt er die zusätzliche Belastung in Kauf. Eine davon ist das Lernen des Textes. "Das habe ich im Flugzeug und im Urlaub gemacht." Der Lohn ist der Applaus. Davon gibt es reichlich, auch wenn den Zuschauern während des Stücks das Lachen immer wieder im Halse stecken bleibt. Es ist nun mal nicht lustig, wenn zwei Männer in einem Bunker sitzen, sich bekriegen, beschimpfen und beleidigen, bis sie endlich zum "Wir" finden und beschließen, sich künftig nicht mehr zu Du-zen - sondern zu Wir-zen.

Die fiese Seite des Oberbürgermeisters
Der tumbe Jakob (Henry Greif, links) und der intellektuelle Johann (OB Rupert Kubon) löffeln eine nicht vorhandene Suppe aus. Kubon spielt in "Der Büchsenöffner" des Theaters am Turm in Villingen die Hauptrolle. Foto: Theater am Turm

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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