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Ohne sie wäre Tübingen kälter

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte Ehrenamtliche mit einer Sause

Tübingen ist ja für so manches berüchtigt – nicht zuletzt für städtische Empfänge mit Butterbrezeln ohne Butter. Für die vielen Ehrenamtlichen ließ sich die Stadt aber nicht lumpen: Mit einem üppigen Fest dankte sie für deren vielfältiges Engagement.

15.04.2013

Von WOLFGANG ALBERS

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Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

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Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Die erste Tübinger Anerkennungsgala belohnte viele Ehrenamtliche mit einer richtigen Sause.

Tübingen. Ein bisschen unsicher war sich Heidi Schweizer, ob sie die Einladung annehmen solle: „Kenn? ich da überhaupt jemanden?“ Deshalb rechnete auch Oberbürgermeister Boris Palmer mit einem eher abwesenden Publikum: „Meine Angst war: Kommt da überhaupt jemand?“

Aber dann trat er am Freitagabend im Hotel Stadt Tübingen vor einen vollen Saal. Gut 160 Menschen waren da, einerseits wild durcheinandergewürfelt, andererseits, das merkte Heidi Schweizer schnell: Man sah viele Bekannte. Von denen man manchmal gar nicht wusste, dass man eines gemeinsam hatte: Ein Ehrenamt, ein Engagement für die Gesellschaft.

Alle Unkenrufen über unsere kalte Ellenbogengesellschaft zum Trotz: Freiwilliges, unentgeltliches Engagement ist verbreiteter, als es den Anschein hat. „41 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg sind ehrenamtlich tätig“, zitierte Palmer die Statistik. Und der gelernte Mathematiker hatte auch sofort das Ergebnis für Tübingen runtergerechnet: „Also engagieren sich hier 36 000 Menschen unentgeltlich für die Gesellschaft.“

Palmer spielte einmal in Gedanken durch, was wäre, wenn diese 36 000 Menschen ihre Leistung einstellen würden: „Tübingen wäre eine völlig andere Stadt, Tübingen wäre nicht mehr wiederzuerkennen. Vor allem wäre Tübingen eine kalte Stadt.“

Ida Ott (links) und Dietlinde Ellsässer alias „Hanni und Fanni – Die Fräuleins vom Ehrenamt“ bei der Tübinger Anerkennungsgala. Bild: Sommer

Tübingen ist durch dieses Engagement auch eine bereicherte Stadt. „Wir als Verwaltung“, gab Palmer zu, „könnten niemals das leisten, was Sie beitragen.“ Sein Fazit: „Es ist hervorragend, dass Sie das Wertvollste, was Sie haben, nämlich ihre Lebenszeit, für andere einbringen.“

Viel lobende Worte also fürs Ehrenamt. Aber: Wie kann man sich angemessen dafür bedanken? Mit einem der üblichen Empfänge? Nein, hat sich da Maria Margarita vom BüroAktiv gesagt: „Nicht wieder Butterbrezeln, wo man auf die Butter verzichtet.“ Ihre Idee war: „Wir machen mal eine richtige Sause.“ Auch wenn ihr klar war: „Das ist gar nicht so einfach in Tübingen. Das heißt es doch gleich: Dees isch ned nötig.“

Aber zusammen mit Petra Schaal, ebenfalls aus dem BüroAktiv, Gertrud van Ackern, der städtischen Beauftragten für Bürgerengagement, und Jürgen Bein vom Sozialforum Tübingen arbeitete sie ein Konzept aus, bei dem Boris Palmer erst einmal schlucken musste: „Zuerst kamen mir allerlei Bedenken – ganz schwäbische Bedenken. Was sagen denn die Leut, wenn wir hier bei Sekt und Buffet feiern? Vor allem, was sagt der Gemeinderat?“

Zwei Dinge räumten diese Bedenken aus. Etliche Sponsoren kamen schließlich für die Hälfte der Kosten auf. Und für die restlichen 5000 Euro hatte Boris Palmer schließlich eine einfache Rechnung aufgemacht: „Ich wüsste nicht, wie wir unser Geld so gewinnbringend anlegen können wie in Ihre Arbeit!“

Also stand der Fete nichts mehr im Wege. Dieter Baumann hatte kostenlos die Moderation übernommen und sich ebenfalls als Engagierter geoutet: „Ich leide unter der Krankheit, unter der viele Menschen hier leiden: Sie können nicht nein sagen.“

Dietlinde Ellsässer und Ida Ott sorgten als „Hanni und Fanni – Die Fräuleins vom Ehrenamt“ für Unterhaltung, DJ Loff für Musik zum Tanzen, und nach dem Sektempfang konnte man noch ein reichliches Buffet abräumen. „Alles umsonst, auch die Getränke, also hauen Sie rein“, ermunterte Dieter Baumann.

Wer kam in den Genuss? Wer sich bürgerschaftlich engagiert hatte, wurde nicht per Verwaltungsorder festgelegt, sondern per Bürgerbeteiligung entschieden. Vereine, Institutionen, Privatleute konnten Vorschläge machen – und alle wurden berücksichtigt.

So bekam zum Beispiel Ursula Schöntag eine Einladung. Seit 1988 arbeitet sie in der Aidshilfe Tübingen mit, damals verband sie das noch mit ihrer Arbeit als Ärztin im Gesundheitsamt. Seit sie im Ruhestand ist, engagiert sie sich ehrenamtlich im Vorstand: „Wir sind dafür verantwortlich, dass die Aidshilfe gut läuft, wir sind für den Haushalt zuständig und fürs Personal.“ Heidi Schweizer ist von der TSG vorgeschlagen worden. Dort unterstützt sie die Jugendabteilung der Fußballer. Sie rutschte in ihr Engagement, als ihre Söhne mit 13 und 14 Jahren schon Jugendmannschaften trainierten. Da ging sie immer zu den Spielen mit, damit die Eltern auch einen erwachsenen Ansprechpartner vorfanden. Mittlerweile guckt sie nach den Trikots der 15 Mannschaften und sorgt dafür, dass alle mit Trainingsanzügen ausgestattet sind. Und bei Turnieren ist sie in der Bewirtungs-Organisation dabei, vom Weckle-Einkauf am Morgen bis zum Abräumen in der Nacht.

Viel Arbeit – aber sie mache Spaß: „Da hat sich eine ganz tolle Gemeinschaft gebildet. Und es kommt viel Dank zurück.“ Und wenn sie durch die Stadt läuft, grüßen sie Kids aus allen Ecken. Zwei TSG-Jugendliche traf sie auf der Gala: Seriban und Sefkan Duygu. 16 Jahre alt und Zwillinge. Außer dem Sport haben sie es mit der Musik: er spielt Gitarre, sie Klavier, Geige und Cello. Ihren Spaß daran haben sie weitergegeben, in Projekten, in denen sie in den Ferien Kinder, die zu arm waren, um Musikunterricht zu nehmen, in Zwei-Wochen-Kursen ausbildeten.

„Wir haben wirklich alle“, sagte Petra Schaal vom BüroAktiv, als sie die Bandbreite des ehrenamtlichen Engagements in Tübingen anhand der Einladungsliste vorstellte. Da sind Vereinsveteranen mit jahrzehntelangen Ämtern, da ist der Jugendgemeinderat. Ein Mann repariert beschädigte Bücher, ein anderer hilft im Asylzentrum als Dolmetscher, eine Frau betreut Todkranke, eine andere ist Lesepatin im Kindergarten. Einer schützt Mauersegler, eine Frau baute ihr Haus um, um Kinder zu betreuen. Eine baut mit Kindern Nistkästen, eine andere pflegt verwahrloste Gräber. Einer organisiert das Tübinger Entenrennen mit, eine unterstützt Jugendliche bei der Jobsuche, eine andere eine alleinstehende Mutter mit ihrem chronisch kranken Kind. Und immer wieder gibt es Zusatzbemerkungen: „Macht kein Aufsehen um ihr Engagement.“ Oder: „Wo es brennt, stets abrufbar.“ Das Fazit von Petra Schaal: „Ich bin begeistert.“

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Erstellt:
15. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. April 2013, 12:00 Uhr

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