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Die eingebaute Sommerzeit

Die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit ist ein Ereignis im Leben eines jeden Langschläfers, weil er in dieser Nacht eine Stunde geschenkt bekommt. Glücklich pries ich mich samstags um zwei Uhr, weil es mit der folgenden Zeitumstellung eigentlich erst ein Uhr war. Ausgeschlafen erwachte ich am Sonntag vom Rasseln des Weckers. Die Funkuhr hatte funktioniert, die Stunde länger schlafen tat gut.

30.10.2015
  • Matthias Reichert

Für Montagmorgen stellte ich meinen Funkuhr-Wecker genau auf 8 Uhr. Um 9 Uhr wollte ich das Haus verlassen. Natürlich kam ich wieder mal nicht raus. Ich hörte den Wecker, wachte auf, schaltete ihn aus – und schlief weiter bis um Dreiviertel. Katzenwäsche, dann brühte ich in großer Hektik einen Kaffee auf, um für die Fährnisse des Tages gerüstet zu sein.

Zufällig blickte ich beim Schnürsenkel-Binden auf die Zweituhr auf dem Bücherregal. Sie zeigte gerade 7.55 Uhr. „Die hat die Zeitumstellung verpennt“, dachte ich – und wunderte mich ein wenig, denn dann müsste der Chronometer ja eigentlich eine Stunde nach- und nicht etwa vorgehen. Ein Blick auf die Armbanduhr, die ich am Sonntagfrüh von Hand zurückgestellt hatte. Tatsächlich: 7.55 Uhr.

Ich lief zum Wecker – der zeigte immer noch 8.55 Uhr. Eine schwarze „1“ auf der Anzeige symbolisierte, dass er die Zeitumstellung um eine Stunde rückgängig gemacht hatte. Prima. So konnte ich in aller Ruhe frühstücken und in der Stadt noch eine Reihe dringender Besorgungen erledigen, ehe ich auf den Zug nach Reutlingen ging (der im übrigen natürlich Verspätung hatte).

Ich war am Wochenende auf der Ostalb gewesen. Die Rückreise mit der Bahn hatte meinem Funkuhr-Wecker wohl geschadet. Kein Wunder: Eine Stunde ist vor dem Auge von Bahnchef Volker Grube eine zu vernachlässigende Rundungsungenauigkeit. In den Abgründen des Nahverkehrs sind eine Stunde fünf Minuten und fünf Minuten wie eine Stunde. Wer ab und zu um 22.12 Uhr von Reutlingen nach Tübingen fährt, weiß wie dieser Stoßseufzer gemeint ist.

Doch der Wecker mit eingebauter Sommerzeit ließ mir keine Ruhe. Offenbar überträgt sich die Verspätung der Bahn schon automatisch auf die Elektronengehirne, die in ihren Zügen mitfahren, dachte ich. Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten: Laptops, die im Zug geschriebene E-Mails mit einstündiger Verspätung verschicken. Smartphones, die erst nach einer Stunde klingeln, wenn jemand anruft. Ein Dorado der Entschleunigung. Ein Abgesang auf das stete Diktat des Sekundenzeigers.

Vielleicht hatte ja auch die NSA die Funkuhrsteuerung heimlich sabotiert. Oder eine Konkurrenzfirma des Weckerherstellers hatte eine Schadsoftware in der Funkübertragung zur Atomzeituhr installiert, um die Konkurrenz auf den Mond zu schießen. Oder der nordkoreanische Geheimdienst blies zur Offensive auf die deutsche Pünktlichkeit? Die Lösung fand ich später: Ich hatte in der Nacht beim Weckerstellen im Dunkeln zu lange den falschen Knopf gedrückt. Was beweist: Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.

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30.10.2015, 12:00 Uhr
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