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Die ehemalige Mössinger Textildruckfirma Pausa wird für Streuobstcafé und Info-Zentrum fit gemacht
Keine Zwischenwände versperren mehr den Blick durch die ehemaligen Werkstätten der Pausa. Baubürgermeister Martin Gönner ist begeistert von diesem lichtdurchfluteten und von Stahlbetonstützen rhythmisierten Raum.Bild: Faden
Mit vollem Durchblick

Die ehemalige Mössinger Textildruckfirma Pausa wird für Streuobstcafé und Info-Zentrum fit gemacht

Längst sind die Zwischenwände entfernt. Nirgendwo wird der Blick gebremst. Er durchdringt die ehemaligen Werkstätten bis an ihre Mauern. Jetzt, wo die Struktur des Gebäudes freiliegt, das Architekt Manfred Lehmbruck in den 1950er Jahren erbaute, wird offenbar, wie das Tragwerk aus Stahlbeton den Raum rhythmisiert und plastisch gestaltet.

02.09.2017
  • Susanne Wiedmann

Baubürgermeister Martin Gönner ist begeistert: „Das lässt einem das Herz höher schlagen. Was für ein dreidimensionaler Geist hier durchweht!“

Nicht nur der Geist. Auch das Licht flutet durch die Fensterfront herein, die im Moment eigentlich keine mehr ist, da die historische Verglasung bereits ausgebaut wurde aus diesem feinen, die Fassade gliedernden Tragwerk. Der Baubürgermeister berichtet von einem „intensiven, bis ins Detail dokumentierten Rückbau“ – alles in Absprache mit dem Denkmalamt. Und dazu gehören auch Untersuchungen der Art: Was ist das für ein Kitt an den Fenstern? Ist er bauzeitlich? Ist er schadstoffbelastet? Und überhaupt: Wie ist das Schadensbild? Was kann saniert werden und was ist so zerstört, dass es ersetzt werden muss.

Beispielsweise die alten Metalltore: Sie standen auf der Kippe, sagt Gönner. Im Moment geht er aber davon aus, dass ein Großteil erhalten bleiben könne.

Es ist ein ständiges Abwägen und Ringen in diesem Spannungsfeld zwischen dem heutigen Stand der Technik und der damaligen Baukonstruktion. Stets mit der Herausforderung, den Charakter des historischen Gebäudes nicht zu zerstören, zugleich aber einer technisch optimalen Lösung so nahe wie möglich zu kommen.

Drei verschiedene Mustergläser für die transparente Südseite wurden schon vorausgewählt. Sonnenschutz ist unerlässlich, aber keinesfalls dürfen die Gläser bläulich schimmern oder gar im Innenraum den Eindruck erwecken, man schaue durch eine Sonnenbrille. „Das einzigartige Raumerlebnis darf nicht verlorengehen“, betont Gönner. Auch die besonderen Schwingfenster werden bleiben.

Unzählige Untersuchungen gab es. Etwa zur Gebäudehülle. Belässt man sie nahezu in ihrem historischen Zustand, würde dies einen stärkeren Wärmeverlust im Winter bedeuten, aber auch viel Wärme an Sonnentagen durch die transparente Fassade. Klar: Im Winter willkommen, im Sommer nicht. Also schließen sich Fragen an. Was wäre wirtschaftlich verträglich? Und was bautechnisch? „Es gibt unterschiedliche Anforderungen. Und niemand kann wissen, wie es laufen wird. Wir werden nicht alles installieren für alle Eventualitäten“, sagt Gönner. Aber alles vorbereiten, um bei Bedarf problemlos nachrüsten zu können.

An der Decke haften einige Muster von Akustikpaneelen. Es wurde auch über Akustiksegel diskutiert. Also wieder eine Frage, die im Raum stand – und bereits beantwortet ist: Segel würden zu viel Aufmerksamkeit abziehen und die Raumwirkung beeinträchtigen.

In der nächsten Woche werden die Installationen beginnen. Einige Kernbohrungen sind schon gemacht. An die Werkstätten schließt ein rückwärtiger Trakt mit Haustechnik, Sanitär- und Putzräumen an. Darunter ist ohnehin die Technikzentrale samt Blockheizkraftwerk verborgen. So können die Werkstätten und nebenan die ehemalige Kantine auf kurzem Weg mit Energie versorgt werden.

In den Werkstatttrakt wird das Informationszentrum des Schwäbischen Streuobstparadieses einziehen, in der Kantine öffnet das Streuobst-Café – betrieben von der „Arbeit in Selbsthilfe“, einer KBF-Tochter. Durch zwei Glastüren werden Infozentrum und Café künftig verbunden. Genau an jener Naht, wo die Werkstätten 1960 nach Osten um die Werkskantine erweitert wurden.

Der historischen Galerie der Kantine wird als modernes Pendant eine Empore im Streuobstzentrum angefügt. Allerdings
nur im hinteren Bereich, damit Struktur und Rhythmus der Architektur nicht gestört werden, betont Gönner.

„Wir gehen davon aus“, sagt er weiter, „wenn die technische
Installation da ist, dass der Endausbau zügig sein wird“ – lediglich mit einem durchgehenden Objektestrich und einem neuen Anstrich. Dann fehlt nur die
Inneneinrichtung. Martin Gönner hofft, dass die Zeit reicht,
um das Café Ende des Jahres
zu öffnen.

Eines hat ihn während der bisherigen Sanierungsarbeiten überrascht: „Die fantastische Schlosserarbeit der Fassade.“ Und wie weit sie aus heutiger Sicht entfernt ist, wie sehr Technik und Wissenschaft seither fortgeschritten seien. Aber auch, wie schnell diese Handwerkskunst ins Nachtreffen geriet, weil sie nicht genügend nachgefragt wurde. „Alles ist ganz reduziert auf den Punkt gebracht. Jeder Träger nur so stark wie notwendig. Ein meisterliches Können.“

Wo Schreinerei und Schweißerei ihren Platz hatten

Die Pausa feierte 1955 den ersten Spatenstich für die Werkstätten: Schreinerei, Schlosserei und Schweißerei, Schmiede und Turbine fanden hier Platz. Im Jahr 2004 wurde das Textildruckunternehmen geschlossen. Ein Jahr später wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Im Jahr 2006 kauft die Stadt Mössingen das Pausa-Areal.

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02.09.2017, 01:00 Uhr
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