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Bemalte Steine aus der Schelklinger Höhle

Die älteste Malerei ist 15 000 Jahre alt

Die Tübinger Urgeschichtler zeigen bemalte Steine aus der Schelklinger Höhle "Hohler Fels": Die ältesten Belege für Malerei in Mitteleuropa.

09.11.2011

Von RAIMUND WEIBLE

Tübingen Für den Tübinger Archäologen Nicholas Conard ist der Hohle Fels im Aachtal bei Schelklingen die Örtlichkeit, die sein Wissenschaftlerleben bestimmt. Seit 15 Jahren forscht er in der idyllisch gelegenen Karsthöhle, und das mit großem Erfolg. "Egal, wo wir graben, am Hohlen Fels kommen immer fantastische Funde heraus", sagt der 50-jährige Prähistoriker. 2008 kam beispielsweise die "Venus vom Hohle Fels" zum Vorschein, eine Miniatur-Plastik aus Elfenbein, um die 35 000 Jahre alt.

1998 fand ein Student aus dem US-Staat Connecticut in der Höhle erstmals einen bemalten Stein, 2009 und 2010 kamen vier weitere hinzu. Sie stammen aus der eiszeitlichen Magdalenien-Epoche, sind damit jünger als die Venus, aber doch 15 000 Jahre alt. Verglichen mit den prächtigen Höhlenmalereien in Südfrankreich und Nordspanien hält Conard die Funde für bescheiden. Aber die Steine stellten die "älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa dar - allein das ist interessant", sagt der Professor. Das Universitäts-Museum Hohentübingen präsentiert die Funde von heute an bis zum 29. Januar 2012.

Drei der Steine zeigen Doppelreihen mit rotbraunen, nur vier bis sieben Millimeter großen Punkten. "Wir haben nicht die geringste Ahnung, was sie bedeuten", sagt Conard. Doch er ist überzeugt: "Diese Punkte sind gewollt, und sie haben einen relevanten Inhalt." Man könne bisher nur spekulieren. Vielleicht hätten die Steinzeitmenschen den Erfolg ihrer Jagdzüge auf den Steinen festgehalten, vielleicht bedeuteten die Punkte auch Tage oder Jahre und hätten damit die Funktion eines Kalenders. Die rotbraune Farbe gewannen die Steinzeitmaler aus Hämatit und Rötel, das sie mit Kalkwasser anrührten.

Die Geröllsteine mit den Punkten dürften die Menschen als mobile Kunst begleitet haben. Ein anderes Fragment muss von der Höhlenwand abgeplatzt sein. Doch ob es großflächige Malerei auf Höhlenwänden der Alb gegeben hat, bleibt offen. Die klimatischen Bedingungen in den Albhöhlen sind so schwierig, dass Höhlenmalereien nicht lange bestehen konnten.

Die roten Punkte geben den Forschern Rätsel auf. Foto: dpa

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Erstellt:
9. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. November 2011, 12:00 Uhr

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