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Pflegerinnen sollen alles können

Die Zusammenlegung der Ausbildung ist heftig umstritten

Um die Reform der Pflegeausbildung wird heftig gestritten. Kranken- und Altenpflegerinnen sollen künftig einheitlich ausgebildet werden. Viele Altenpfleger befürchten, dabei unter die Räder zu geraten.

13.02.2016

Von DIETER KELLER

Berlin. In zwei Jahren soll der größte Ausbildungsberuf in Deutschland starten: Wenn es nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geht, wird dann die Ausbildung in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zusammengelegt. In dem neuen Pflegeberuf gäbe es mehr als 133 000 Auszubildende. Doch insbesondere in der Altenpflege regt sich Widerstand: Viele fürchten, dann ins Hintertreffen zu geraten.

Gröhe setzt ein Vorhaben des Koalitionsvertrags um. Dort ist allerdings von einer "gemeinsamen Grundausbildung und einer darauf aufbauenden Spezialisierung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege" die Rede. Nach Gröhes Gesetzentwurf dagegen soll es nur noch eine Einheitsausbildung zur "Pflegefachfrau" oder zum "Pflegefachmann" geben. Sie sollen alles können von der Prävention über die Behandlung bis zur Palliativversorgung von Sterbenden. Das klingt sehr anspruchsvoll für eine dreijährige - bei Teilzeit fünfjährige - Ausbildung in Theorie und Praxis. Wer besonders gut ist, kann ein Hochschulstudium anschließen.

"Der Pflegeberuf muss attraktiver werden", hat sich Gröhe vorgenommen. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt in den nächsten Jahren deutlich zu, und die Branche hat heute schon Nachwuchsprobleme. 2013 beschäftigten stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste über 1 Mio. Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr als 1999. Im Schuljahr 2013/14 gab es in den drei Pflegeberufen insgesamt 133 100 Auszubildende, vier Fünftel davon Frauen.

Der Minister erhofft sich, dass die Pflegerinnen künftig in allen Arbeitsfeldern eingesetzt werden können. Sie sollen leichter zwischen den Pflegebereichen wechseln können, was ihnen sowohl eine wohnortnahe Beschäftigung als auch bessere Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten eröffne. Zudem müssten die Pflegekräfte für neue Anforderungen gerüstet sein: "In den Krankenhäusern gibt es zunehmend demenzkranke hochbetagte Patienten. Da ist es wichtig, dass die Krankenschwester nicht erst in der Weiterbildung Altenpflege-Kenntnisse erwirbt", begründet Gröhe seinen Ansatz. So verspricht er sich unter anderem eine Verbesserung der Pflegequalität.

Die Reaktionen der Fachleute sind zwiespältig. So begrüßt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe die Pläne: Die Reform bringe die Pflegeausbildung endlich europäischem Niveau näher. Sie sei gerade für die Altenpflege "eine einzigartige Chance". Genau das Gegenteil befürchtet der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste: In der Altenpflege werde sich der Fachkräftemangel noch verstärken.

Einige Punkte finden allgemeine Zustimmung, etwa die generelle Abschaffung von Schulgeld von teilweise über 500 EUR im Monat, das es in einigen Bundesländern immer noch gibt, aber in Baden-Württemberg keine Rolle spielt.

Die Grünen im Bundestag warnen vor einem Schnellschuss, der ungeklärte Risiken berge. Das Gesetz dürfe nicht bis Ende Juni verabschiedet werden. Genau darauf bestehen die Gesundheitsexperten der SPD: Jede Verzögerung gefährde die Deckung des Bedarfs an Pflegekräften. Über die Reform werde schon seit Jahren diskutiert, seit 2012 bestehe zwischen Bund und Ländern Konsens, betont ihre gesundheitspolitische Sprecherin Hilde Mattheis. Bei der Union dagegen wächst die Skepsis: Je länger er sich mit der Zusammenlegung der Ausbildung befasse, desto mehr Probleme sehe er für die Altenpflege, sagt ihr Pflegeexperte Erwin Rüddel.

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Erstellt:
13. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
13. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2016, 08:30 Uhr

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