Umfrage

Die Wirtschaftskrise kommt bei den Menschen im Land an

Einkommenseinbußen, Zukunftsängste, Sorge um den Job: Über die Schwere der Corona-Folgen machen sich die Bürger wenig Illusionen.

14.01.2021

Von ROLAND MUSCHEL

Produktion der S-Klasse bei Daimler in Sindelfingen: Die Hälfte der Baden-Württemberger geht davon aus, dass die Autoindustrie im Südwesten an Bedeutung verlieren wird. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart. Am 6. Januar 2021 vermeldete die Landesregierung erleichtert und auch ein wenig stolz, dass sich der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg trotz Corona-Krise robust zeige. Im Dezember 2020 sei die Arbeitslosenquote stabil bei 4,2 Prozent geblieben, die Jugendarbeitslosenquote leicht auf 3,3 Prozent gesunken.

Während Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) die Zahlen bereits als „Licht am Ende des Tunnels“ deutete und der Blick auf die Börsenwerte diesen Eindruck zu unterstreichen scheint, sieht eine Mehrheit der Baden-Württemberger eher düstere Zeiten auf die Wirtschaft zukommen. Das zeigen die Ergebnisse der gemeinsamen Umfrage der Tageszeitungen in Baden-Württemberg, dem BaWü-Check, zur wirtschaftlichen Lage und Perspektive. Zwar schätzen aktuell 57 Prozent der Bevölkerung die ökonomische Situation des Südwestens positiv ein und nur 35 Prozent negativ. Je höher der Bildungsabschluss, desto positiver fällt im Schnitt die Einschätzung aus. Aber frohen Mutes startet nur eine Minderheit ins Wahljahr. Die große Mehrheit erwartet, dass die Arbeitslosigkeit im Land in den nächsten Monaten steigt: 17 Prozent rechnen mit einem steilen Anstieg, 52 Prozent mit einem begrenzten. Eine Mehrheit rechnet auch mit einer klaren Zunahme der Firmenpleiten, sogar 70 Prozent befürchten infolge von Insolvenzen auch eine zumindest zeitweise Verödung der Innenstädte.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat die Umfrage zwischen dem 11. und dem 21. Dezember 2020 durchgeführt und damit vor dem Beschluss über den aktuellen Lockdown. Inzwischen dürfte sich die Einschätzung also kaum verbessert haben.

Wie die Bürger die allgemeine Lage sehen, hängt stark davon ab, ob sie von den ökonomischen Kollateralschäden der Pandemie selbst betroffen sind. Dann sehen sie auch die Perspektiven für den Standort düsterer. Insgesamt beklagt die Hälfte der Bevölkerung direkte Folgen auf ihre wirtschaftliche Situation oder Perspektive: 23 Prozent der Berufstätigen haben durch die Krise Einkommenseinbußen, bei zwölf Prozent sind sie signifikant. 14 Prozent aller Berufstätigen im Land sind zurzeit in Kurzarbeit, zwölf Prozent fürchten um ihren Arbeitsplatz, vier Prozent haben ihn durch die Krise verloren.

Wer einen Abwärtstrend erwartet, sieht das Engagement von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Regel kritischer. Wer gute Perspektiven sieht, beurteilt auch den Einsatz des Regierungschefs eher positiv. Insgesamt ist das Meinungsbild in diesem Punkt gespalten. Das trifft auch auf die Frage zu, ob die Regierung die Ziele Wirtschaftswachstum und Klimaschutz gut miteinander vereinbart oder sich zu sehr auf eines der beiden Ziele konzentriert: 22 Prozent sagen, die Regierung vereinbare die Ziele gut, je 24 Prozent finden, dass etwa der Klimaschutz oder die Wirtschaft zu sehr in den Fokus gerückt sei.

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Erstellt:
14. Januar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2021, 06:00 Uhr

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