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Kanzlerin Angela Merkel besucht den Mittelstand - Columbus baut Globen in Krauchenwies

Die Weltkugel in der Provinz

Rückgrat der Wirtschaft im Land ist der Mittelstand. Um deren Probleme kennenzulernen, kommt die Kanzlerin zu den Unternehmen. Im schwäbischen Krauchenwies besichtigte sie einen Globus-Hersteller.

24.07.2009
  • PETER HENRICHMANN

Raus aufs Land. Gestresste Stadtbewohner sind am Wochenende gern in der Provinz unterwegs. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kann auch während der Woche das hektische Berlin verlassen: Sie ist unterwegs auf Mittelstandsreise. In Krauchenwies im Landkreis Sigmaringen besuchte sie Deutschlands einzigen Globushersteller. Columbus baut seit 100 Jahren Weltkugeln, angefangen hat es 1909 dort, wo Merkel herkommt: In Berlin. Nach dem Krieg ging es in Stuttgart weiter, in den 90er Jahren verlagerte die Inhaberfamilie Oestergaard den Betrieb nach Krauchenwies. Das ist er, der zuletzt vielzitierte Mittelstand, die Basis der baden-württembergischen und der deutschen Wirtschaft: Zwei große Hallen, eine kleines Verwaltungsgebäude, fertig. 50 Mitarbeiter stehen bei Inhaber und Geschäftsführer Torsten Oestergaard auf der Gehaltsliste, bei 5000 Einwohnern in Krauchenwies ist das schon was. "Spannend ", findet das die Kanzlerin. "Spannend, wie der Mittelstand arbeitet. " Beim Firmenrundgang lässt sie sich die Herstellung der Globen von Oestergaard und dessen Mitarbeitern erklären. Gabi Becker ist eine von ganz wenigen gelernten "Globus-Kaschiererinnen " in Deutschland. Die heute 53-jährige, "ich bin fast so alt wie die Kanzlerin ", hat noch mehr mit dem hohen Besuch aus Berlin gemeinsam, sie kommt aus der DDR. Das Ausschneiden und exakte Aufkleben der 12 Papierkarten auf die Kugeln aus echtem Glas braucht eine ruhige Hand, viel Erfahrung und Tapetenkleister. "Gelernt habe ich das Anfang der 70er Jahre in Leipzig ", sagt Becker, die auch nach zehn Jahren Krauchenwies noch feinstes Sächsisch spricht. "Man geht immer dahin, wo die Arbeit ist ", sagt sie. Und deshalb ist auch Angela Merkel da. Der Mittelstand beschäftigt in Deutschland die meisten Menschen, 70 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in Unternehmen mit maximal 500 Mitarbeitern. Die Kanzlerin spricht mit Oestergaard, neun weitere Mittelständler aus der Region sind angereist, um über ihre Probleme zu berichten. Vor allem bei der Kreditvergabe drückt in der Krise der Schuh. Merkel bleibt nach dem Gespräch allerdings vage, sagt nur, dass das Problem "in Kooperation mit den Banken " gelöst werden muss, der Staat könne den Geldhäusern "ein Stück Risiko abnehmen ". Dann ist sie bei den Innovationen, "mit denen kommen wir gestärkt aus der Krise ". Für Oestergaard und Columbus ist das ein alter Hut, ohne Innovationsbereitschaft gäbe es die Firma nicht mehr. Nach der Wende in Osteuropa wäre beinah Schluss gewesen, eine ganze Jahresproduktion landete auf dem Müllhaufen der Geschichte, die politische Landkarte änderte sich beinah wöchentlich. Wer kauft schon einen veralteten Globus? Oestergaard erfand Globen und Landkarten für Kinder, verlor sein traditionelles Kerngeschäft und seine Zulieferer aber nicht aus den Augen. Heute produziert er für "Geo " und "National Geographic " aus den USA. "Unsere Zulieferer kommen alle aus Deutschland, wenn es das öfter gäbe, sähe es im Land besser aus ", sagt er. Den Besuch Merkels findet er "angenehm ", in Krauchenwies war Harmonie. Merkel wurde von Ministerpräsident Günther Oettinger begleitet, mit dem es zuletzt Reibereien gab. Davon war nicht viel zu spüren, schon zum Empfang sang der Chor der Grundschule: "Du bist anders als ich, wir wollen Freunde sein. "

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24.07.2009, 12:00 Uhr
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