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Sommerfestival

Die Welt zu Gast auf dem Marktplatz

Sechs Tage lang feiert das Forum der Kulturen seinen 20. Geburtstag. Bis Sonntag werden 90 000 Besucher erwartet.

17.07.2018

Von RAINER LANG

Auf der Festival-Bühne wird ein Mix aus Eastern-Reggae-Sound, Klezmer-Musik, Afro-Beats und Balkan-Turbo geboten. : Foto: Tobias Trumpp

Stuttgart. 40 Prozent der Stuttgarter Stadtbevölkerung haben ausländische Wurzeln. „Diese Vielfalt wollen wir sichtbar und erlebbar machen“, sagt Rolf Graser. Der 64-Jährige ist Geschäftsführer des Forums der Kulturen, das in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen feiert. Höhepunkt ist das Sommerfestival der Kulturen, das an diesem Dienstag startet und bis Sonntag läuft. Sechs Tage lang verwandeln die Stuttgarter Migrantenvereine den Marktplatz in ein globales Dorf.

Bis zu 90 000 Besucher werden erwartet. Wie immer ist der Eintritt frei. Besonders verbunden ist dem Festival Baden-Württembergs Sozialminister Manne Luche (Grüne). „Weltklasse-Musik, ein buntes Kulturprogramm und leckeres Essen“ prägen für ihn das Open-Air-Event. Vor allem sei es aber „ein Fest der Teilhabe und des Zusammenhalts, ein Fest gegen Ausgrenzung und Diskriminierung“, so Lucha. Schirmherr ist sein Parteifreund, Stuttgarts OB Fritz Kuhn. Beide eröffnen heute kurz vor 18 Uhr das Festival. Der Streit in der Migrationsfrage werde dabei keine Rolle spielen, so Forums-Sprecherin Charlotte Kreuter. Es gehe vielmehr um Vielfalt und Teilhabe.

Rund 120 Mitgliedsvereine

Das Forum der Kulturen ist als Dachverband der Migrantenvereine und der interkulturellen Einrichtungen Stuttgarts längst zu einer Institution geworden. Zu den anfangs 20 Vereinen sind rund 100 weitere dazugekommen. Zum Etat von rund zwei Millionen Euro schießt die Stadt 500 000 Euro zu. Der Rest speist sich aus Projektgeldern. Trotzdem seien Mittel für die Verwaltungsarbeit knapp, sagt Graser.

Das Sommerfestival der Kulturen gehört zum Herzstück der Arbeit des Vereins. Aber warum wird im 20. Jahr des Bestehens erst das 17. Festival gefeiert? „In den ersten Jahren hatten wir nicht die finanziellen Mittel“, erklärt Graser. Grund für den dritten Ausfall war die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als auf dem Marktplatz Fußballfieber herrschte.

Start mit wenigen Ständen

Angefangen hat alles im Innenhof des Alten Waisenhauses. Aber da habe es keinen Platz für die Stände der Vereine gegeben, sagt Graser. „Deshalb waren wir froh, als wir auf den Marktplatz umziehen konnten.“ Am Anfang sei viel zu viel Platz da gewesen, erinnert sich Florin Zaheu, Vorstand des deutsch-rumänischen Forums. Die wenigen Stände hätten auf dem Platz verloren gewirkt.

In diesem Jahr sind allein 70 Migrantenvereine für die Verköstigung der Besucher zuständig. Im Wechsel bieten etwa 30 Vereine täglich Gerichte und Getränke aus unterschiedlichen Regionen der Welt an. An seinem Stand verkauft Zaheu allein 800 Kuchen. Neben Spezialitäten aus aller Welt ist auch Schwäbisches im Angebot. Übrig gebliebene Lebensmittel werden nicht weggeworfen, sondern von den Foodsavern der Initiative Foodsharing abgeholt und weitergegeben.

Kernstück des Festivals ist seit jeher die Musik von Bands aus aller Welt. Jedes Jahr erhält Graser rund 300 Angebote. Daraus wählt er rund ein Dutzend Gruppen aus, Newcomer genauso wie Stars der Weltmusikszene aus Afrika, Europa, Asien oder Südamerika. „Wir engagieren fast nur Bands, die sowieso auf Tour sind und nicht extra einfliegen müssen“, betont Graser.

Erstmals treten in diesem Jahr 14 Gruppen auf, ihr Repertoire reicht von Eastern-Reggae-Sound aus der Türkei über Klezmer-Musik aus der Ukraine bis zu Afro-Beats aus Südafrika und Balkan-Turbo aus Italien. Als Jubiläumshighlight spielen zum Festivalabschluss die Grammy-Gewinner „Ladysmith Black Mambazo“ aus Südafrika. Zu den Stars der Szene zählen auch die Mitglieder der Formation „Transglobal Underground featuring Natacha Atlas“. Die belgische Musikerin, die aus dem Nahen Osten stammt, tritt am Donnerstag (20.15 Uhr) auf. Die indische Band „Red Baraat“ feiert am Dienstag (20.15 Uhr) musikalisch 50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Mumbai. Zwischen den Auftritten der Musiker geht es auf der Bühne um die Arbeit der Migrantenvereine und die Lage in ihren Herkunftsländern.

300 ehrenamtliche Helfer

Die Kosten für das Festival beziffert Graser auf rund 180 000 Euro. Um 30 Prozent gestiegen sind die Kosten für Sicherheit. Ohne Sponsoren und die rund 300 Ehrenamtlichen sei das Festival in dieser Form nicht denkbar. Auch eigene Personalkosten würden nicht berechnet.

Jeder im 21-köpfigen Team muss anpacken. Im Büro stapeln sich kurz vor dem Start die Materialien. Graser blickt immer wieder leicht nervös aus dem Fenster. Unten auf dem Marktplatz wird gerade die Hauptbühne aufgebaut. Probleme gebe es immer wieder. Einmal sei zu wenig Wasser da, dann wieder zu wenig Strom. Am Ende lasse sich aber doch immer alles lösen, sagt der 64-Jährige und lacht.

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Erstellt:
17. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2018, 06:00 Uhr

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