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Die Wege der Töne
Ein Videostill von Andrew Putters singender Kommandeursgattin: „Secretly I Will Love You More“ aus dem Jahr 2007. Foto: Lionel Henshaw
Klangkunst

Die Wege der Töne

Hörenswert: Die Ausstellung „Buried in the Mix“ in der Mewo-Kunsthalle Memmingen.

20.11.2017
  • LENA GRUNDHUBER

Memmingen. Vielleicht wäre die Welt heute eine andere, vielleicht hätte ein kleines Mädchen überlebt und eine Sprache auch – das ist der Traum, von dem Andrew Putter vordergründig erzählt. Der Künstler lässt sein Video-Porträt einer holländischen Frau aus dem 17. Jahrhundert singen, wie es eigentlich nur im Traum möglich ist. Maria de la Quellerie, die Gemahlin des einstigen Kommandeurs am Kap von Südafrika, singt ein Schlaflied in der Sprache der Hottentotten, oder vielmehr der Khoikhoi. Singt es für ein kleines Mädchen aus dem Volk der Khoikhoi, weil sie es so liebt, dass sie es zu sich genommen und seine Sprache gelernt hat.

So der Traum. In Wahrheit wurden die Khoikhoi gezwungen, Holländisch zu lernen, in Wirklichkeit starb das Mädchen, das zu niemandem mehr gehörte, elend. Der Kolonialismus hat die Töne der Khoikhoi-Kultur ausgelöscht. Höchstens, dass man etwas davon auf einer der Schallplatten findet, die im Erdgeschoss der Mewo-Kunsthalle Memmingen ausliegen. Per Kopfhörer kann man sich anhören, was Ethnologen aufgenommen haben – und rundherum ist zu sehen, wie sehr uns schwarze Kultur wiederum heute prägt, nicht zuletzt musikalisch: Sonia Boyce hat den halben Raum mit Namen schwarzer Musikerinnen tapeziert.

Wenn die aktuelle Sound-Ausstellung „Buried in the Mix“ mit ihren 17 Künstlern eines zeigt, dann dass die Wege der Töne nicht einfach linear verlaufen; sie können Hierarchien unterlaufen oder einander überlagern, etwa wenn Boyce zwei Frauen unterschiedlicher Herkunft ihre Lieder gegeneinander ansingen lässt. Und im Lambada-Museum spielt Carlos Monroy herrlich materialverliebt mit kultureller Migration. Er stellt knallbunte Zeugnisse des brasilianischen Kults um einen Song aus, der eigentlich anderen gehörte.

Experimentierfreudige Schau

Kuratiert hat die international bestückte Schau nicht Kunsthallen-Chef Axel Lapp selbst. Dank des Programms „Fellowship Internationales Museum“ der Kulturstiftung des Bundes konnte er die Südafrikanerin Bhavisha Panchia für 18 Monate als Gast-Kuratorin einladen. Nicht immer ist ihre Schau gut ausgesteuert – hie und da überlappen sich die Klänge – und zu manchen Werken bräuchte der Besucher eine ausführlichere Betextung.

Doch der Charme des Klangexperiments macht das wett. Sound-Kunst kann nämlich auch lustig: Die Los Jaichackers lassen ein europäisches Akkordeon auf dem Wasserweg nach Südamerika reisen. Wie ein müdes Krokodil zieht es durch den Sand, aber wenn es sich erst richtig eingelebt hat, spielt jemand vielleicht einen Tango drauf.

Lena Grundhuber

Info „Buried in the Mix“. Bis 14. Januar, Di-So 11-17 Uhr. Do 13-19 Uhr.

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20.11.2017, 06:00 Uhr
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