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Aufstand im Altersheim

Die Wäldlesburzler führten am Wochenende ihren neuen Mundartschwank auf

Handgranaten und Hanfplantagen: Die Pfäffinger Theatergruppe thematisiert, was bei Senioren von heute auf der Agenda steht. Am Samstag war in Poltringen Premiere ihrer schwäbischen Kriminalkomödie „Operation Abendsonne“.

08.04.2013

Von Kathrin Löffler

Poltringen. Diese Alten. Wissen gar nicht, wohin mit ihren lebenslang angereicherten Sparstrumpf-Inhalten. „Die hen eh alle meah Geld, wia dass se?s braucha kennat?, hat Seniorenheim-Leiterin Anita Fink die schlimme Ungerechtigkeit der Lage erkannt. Das verlangt nach Umverteilung. Wie vorgehen? Der ausgefuchste Hausdrachen holt sich einen Banker ins Boot. Öliges Erscheinungsbild, kreativ in Sachen Anlage-Tipps, geldgeil. Vorzeige-Vertreter seines Metiers. Kleines Manko: Die abzuzockenden Greise erweisen sich als ausgeschlafener denn erwartet.

Eine Althippie-Dame und

ein Hauptfeldwebel

So ist die Ausgangslage in „Operation Abendsonne?. Aus eigener Wäldlesburzler-Feder stammt das Stück nicht. Wohl aber die Übersetzung des ursprünglich dialektfreien Lustspiels in lokal gefärbten Zungenschlag. Der Pfäffinger Traditions-Trupp aus höchst überzeugenden Laien-Mimen steht seit zwei Dekaden auf der Bühne. Für jeweils gut eine Handvoll Auftritte pro Jahr. Gestern Mittag bespaßte man die Halle des Poltringer Fasnet-Clubs.

Schon am Samstagabend war am selben Ort Saisonstart. 250 wollten sehen, ob das Vorbereitungspaket aus sechs Monate langem Üben, Proben-Wochenende und Support durch eine richtig gelernte Schauspielerin gefruchtet hatte. Der finale Beifallspegel besagte: Es hatte.

Glucks- und Kichergeräusche drangen besonders ob der originär-kernigen Einzelcharaktere aus den Stuhlreihen. Laut Story schickt sich nämlich ein gar nicht so tatteriges Ü70-Quartett an, die Pläne des diabolischen Raffgier-Gespanns zu unterlaufen. Iris Theurer gab Penny Laine: Prädikats-Althippie-Dame mit Tunika-Muster-Walledress und Hang zum Referat über die rechte Grasqualität. Evi Stanger erschien adrett in Faltenrock-Blusen-Kombi als pensionierte Lehrerin. Glaubhaft vermitteltes Lebensabend-Motto: „Wer einsam isch, der hat es gut, weil keiner kommt, der ihm was tut.?

Jörg Federschmidt stand drei Akte lang konsequent-kompromisslos stramm als Hauptfeldwebel im Ruhestand. Kracher-Typ gemäß Klatsch-Barometer: Sieger Hirt. Er agierte als Wäschedesigner in Rente. Mit einer sensiblen Ader für schöne Dessous-Prosa wusste er das Publikum zu verzaubern: „Trägst du Lampes warme Schlüpfer, machst du auch im Winter Hüpfer.? Gemeinsamer Plan der vier: Banküberfall.

Dabei knauserte man nicht mit Schenkelklopfern. Beispiel: „Fahr schee vorsichdig. S?isch 30.? Dieser Zuruf galt Best-Ager-Ganovenbraut Hedwig, sich mit dem Rollator-Fluchtfahrzeug aufmachend. Auch der optischen Schmankerl gab es nicht zu wenig. Von ganz besonderer Ästhetik: Opa Günthers militärisches Fitnesstraining zur Coup-Vorbereitung. Im sportiven Streifen-Strampler hechtete er behende über Sofalehne und robbte „onderm Disch durch?.

Bernd Rautenberg brachte mit Akkordeon und Kufstein-Lied gut über die Pause. Noch weitere Vorstellungen stehen für die neun Akteure plus Tross aus Regie, Souffleusen und Kulissenbauer an: Am Samstag, 20. April, spielen sie in Mössingen und eine Woche drauf, am 27. April, im heimatlichen Pfäffingen.

Noch haben der Banker Frank Lehmann (Jürgen Schneck) und die Heimleiterin Anita Fink (Christiane Braun) Grund zum Anstoßen: Sie feiern, dass sie die Alten abgezockt haben. Bild: Faden

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Erstellt:
8. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. April 2013, 12:00 Uhr

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