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Die Ursachen fürs Scheitern sind unklar, der politische Einfluss war gewichtiger als erwartet
Die Blütenträume sind geplatzt: eines der 329 Bilder, die Grundschüler aus Rottenburg für die Landesgartenschau malten. Archivbild: Bernhard
Gartenschau: Katerstimmung nach misslungener Bewerbung

Die Ursachen fürs Scheitern sind unklar, der politische Einfluss war gewichtiger als erwartet

Nicht nur in Rottenburg herrscht nach der misslungenen Bewerbung zur Landesgartenschau Katerstimmung. Auch in Ludwigsburg, Bad Mergentheim, Schramberg und Tuttlingen lecken die Verantwortlichen in den Stadtverwaltungen ihre Wunden.

05.07.2018
  • Ulrich Eisele

Ludwigsburg etwa habe sich von der Landesgartenschau die Lösung des größten Verkehrsproblems erwartet, berichtet die „Heilbronner Stimme“: die Tieferlegung der Bundesstraße 27, die die Barockstadt in zwei Teile zerschneidet. Mit rund 100 Millionen Euro soll dort ein 800 Meter langer Tunnels gebaut werden, der beide Teile miteinander verbindet. Dafür hätten maximal fünf Millionen Euro Zuschuss vom Land zwar längst nicht gereicht, doch hätten sie dem Projekt immerhin Schub verliehen.

Auch in Bad Mergentheim wollte man mit der Bewerbung ein Verkehrsproblem lösen: Dort trennt die Bahnlinie die Stadt in zwei Hälften und sorgt morgens und abends für lange Staus zwischen den Wohngebieten im Süden und dem Geschäftsviertel im Norden. Eine Fußgängerbrücke über die Gleise gehörte – wie auch in Rottenburg – zu den Projekten in der Bewerbungsmappe. In Tuttlingen wollte man mit Landesgartenschau-Hilfe ein Schnellradwege-Netz bauen. Auch dort war die Verwaltung enttäuscht. Dem dortigen Oberbürgermeister hat der baden-württembergische Justizminister und Tuttlinger Landtagsabgeordneten Guido Wolf laut „Schwäbischer Zeitung“ immerhin nahegelegt, es mit einer neuen Bewerbung im nächsten Jahr zu versuchen.

Scheiterte die Rottenburger Bewerbung also mangels politischer Unterstützung? „Wir haben alle unsere Möglichkeiten zur politischen Einflussnahme genutzt“, widersprach gestern Baubürgermeister Thomas Weigel. Und der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal beteuerte: „Mit meinem Statement in der Bewerbungsbroschüre der Stadt und bei informellen Gesprächen mit dem Ministerium für Ländlichen Raum habe ich mich persönlich für das Rottenburg Konzept eingesetzt.“ Für Weigel liegt nach den gestrigen Presseberichten klar auf der Hand, „dass der politische Einfluss auf die Entscheidung gewichtiger war, als wir beim Besuch der Kommission dachten“.

Übereinstimmend berichteten nämlich „Südwest Presse“, „Stuttgarter Zeitung“ und „Schwäbischer Zeitung“, dass Ellwangen den Zuschlag als Ausgleich für die Verlängerung der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge erhält und Ulm die Landesgartenschau 2030 als Jubiläumsgabe – weil die Donaustadt 50 Jahre zuvor die erste Gartenschau im Land ausrichtete. Auf Rottweil fiel die Wahl schließlich aus Proporzgründen, weil auch eine Kommune aus dem Regierungsbezirk Freiburg zum Zug kommen musste.

„Wir waren am Dienstag schon sehr enttäuscht“, gestand Baubürgermeister Weigel. Er sei jedoch „Sportler genug, um aus einer Niederlage die richtigen Konsequenzen zu ziehen“: Jetzt müsse man die geplanten Projekte eben in kleinen Schritten umzusetzen versuchen – die Umgestaltung des Schänzle-Parks, das Thema Bahnübergänge und vielleicht auch die Aufwertung des Weggentals.

Ob sich Rottenburg im nächsten Jahr erneut bewerben wird – auf eine der Gartenschauen im Zeitraum 2031 bis 2035 –, wollte Waigel noch nicht sagen. Erst werde man versuchen, die genauen Gründe für den Misserfolg herauszubekommen. Auch zu den bisherigen Kosten für die Bewerbung könne er noch nichts sagen.

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05.07.2018, 01:00 Uhr
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