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Totgesagte feiern länger

Die Tübinger Partyszene brummt vor allem in der Altstadt wieder

Vielen kleineren Universitätsstädten werden hochgeklappte Bürgersteige an den Wochenenden nachgesagt. Diesen Ruf hatte auch Tübingen eine Zeit lang. Heute ist das Nachtleben wieder vielfältig.

27.02.2015

Von Lorenzo Zimmer

Tübingen. Die Kneipenkultur in der Altstadt brummt wie seit Jahren nicht. „Die Vielfalt ist endlich wieder da“, sagt Mirko Przybille, 24, aus Kilchberg. Er macht gerade seinen Master für Medizintechnik in Tübingen und jobbt nebenbei in verschiedenen Clubs und Bars der Stadt. „Für jeden Geldbeutel, jeden Musikgeschmack und jeden Wochentag gibt es ein passendes Angebot“, lobt er die Tübinger Szene. Neben den vielen Kneipen in der Innenstadt bietet der Kuckuck auf Waldhäuser-Ost den dort ansässigen Studenten abends die Location für ein Bier – am Wochenende sogar Raum für Partys bis in die frühen Morgenstunden.

Vor nicht allzu langer Zeit sah es noch düster aus für alle, die in Tübingen feiern wollten. 2007 schloss das bei jungen Leuten sehr beliebte Depot – das Areal wurde komplett saniert, Wohnungen und Gewerbeflächen entstanden. Der Plan, dort wieder ein Tanzlokal unterzubringen, scheiterte zunächst wegen Lärmbedenken der Bauherren. Betreiber Jürgen Eberhardt machte im ehemaligen Foyer unter dem Namen Mancuso weiter – doch auch hier war das Schicksal von vornherein besiegelt, der Abriss des Gebäudes bereits beschlossen.

Zeitgleich standen auch im legendären Zentrum Zoo die Zeichen auf Abschied und der Blaue Turm kämpfte um eine Erweiterung in die Räume des psychologischen Archivs im Untergeschoss. Bis zu diesem Zeitpunkt vergeblich. Auch hier munkelte man von einer Schließung. Kurzum: Die Situation war 2008 so schlecht, dass vielen Feierwilligen nichts anderes als der Weg nach Reutlingen oder Stuttgart blieb. Przybille erinnert sich an diese Zeit: „Zum Weggehen war Tübingen nach der Schließung von Mancuso und Zoo quasi tot.“

Die Party-Vielfalt

ist zurückgekehrt

Die Tübinger Partykultur drohte auszusterben. Es gründeten sich Bürgerinitiativen zu ihrer Erhaltung. Gerade in der Innenstadt hatte es immer wieder Ärger mit Behörden und Anwohnern gegeben. Junge Leute warfen der Stadt vor, sie würde nicht genügend Raum zum Feiern bieten.

Doch seitdem hat sich viel geändert in der Tübinger Partyszene. Das Top 10 feierte 2008 große Eröffnung und wurde bereits am ersten Abend beinahe überrannt. Die Studierenden gehen seitdem vor allem am Mittwoch zur Studentennacht dorthin – es winken freier Eintritt und halber Preis für Getränke. Aber nicht nur die Großraumdisco hat die Feierkultur in Tübingen wiederbelebt.

Auch Lokale mit langer Tradition wie das Sudhaus sind erhalten geblieben. Hier locken neben Partys auch Konzerte studentische Besucher an. Die für Feierwütige lange unattraktive Innenstadt wirkt wieder quirlig und belebt. Dabei ist eigentlich nur die Butterbrezel an Raum hinzugekommen. Das Schwarze Schaf ersetzte die Tangente, der Schlachthof das Mancuso, der Blaue Turm schloss und eröffnete neu.

Ari Bicaj ist 31 und kommt aus Tübingen. Er betreibt seit April 2012 die Butterbrezel und hat eine Vermutung, warum die Leute wieder mehr in Tübingen feiern: „Quantitativ gibt es nicht viel mehr Angebote als früher.“ Doch das Ausgehverhalten habe sich verändert. Aus seiner Sicht legen die Leute nicht mehr soviel Wert auf hochwertige DJs: „Bei uns fragen sie an der Tür nicht wer auflegt, sondern wie viele Leute da sind. Der Versammlungsaspekt ist für die Gäste oft wichtiger als der DJ.“

Auch deshalb fahren die Studierenden nicht mehr nach Stuttgart, sondern feiern in der Bar nebenan mit ihren Kommilitonen. So kann das Tübinger Nachtleben punkten. Trotzdem achtet Bicaj bei der Auswahl seiner Künstler auf Qualität: „Wir geben viel Geld für gute Musik aus und sind froh, dass wir uns das leisten können. Aber ich glaube, einige Leute kommen primär, weil sie wissen, dass ihre Freunde da sind.“

Nicht nur zu Fußballspielen wie bei der Champions League Partie zwischen Schalke 04 und Real Madrid am 18. Februar füllt sich das Ribingurumu.Bild: Metz

Ammerschlag: Hier mischen sich ältere mit jüngeren Semestern in uriger Umgebung.
Bartista: Hochwertige Cocktails in gediegener Atmosphäre.
Blauer Turm: Nach dem Umbau mit mehr Platz und Shisha Bar.
Butterbrezel: Stimmungsvoller Keller.
Club 27: Für Liebhaber der elektronischen Musik.
Clubhaus: Urgestein der Studentenpartys. Immer wieder donnerstags.
Collegium: Szeniges Lokal, in dem gerne mal spontan getanzt wird.
Holy Horst: Im ehemaligen Hades erstrahlt das Horst in neuem Glanz.
Last Resort: Tischkicker und Rockabilly-Style.
Ribingurumu: Polstermöbel, hochwertige Spirituosen und gutes Bier.
Schwarzes Schaf: Jüngster Laden in der Runde. Kneipe und Club.
Shooters: Wer Shots mag, ist hier richtig.
Storchen: Kartenspielen und Biertrinken in rustikaler Stimmung.
Top 10: Für Studenten vor allem mittwochs einen Besuch wert.

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Erstellt:
27. Februar 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2015, 12:00 Uhr

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