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Vom Schwarzwald in die Stadt

Die Tübinger Jugendherberge hat ein neues Hausleiterpaar

Sie bringen Schwarzwald-Erfahrung mit: Simone und Norbert Eichin leiten seit kurzem die Tübinger Jugendherberge. Ihre Vorgänger Adolf und Marianne Schuster hatten sich nach zwölf Jahren am Neckarufer in den Ruhestand verabschiedet.

18.08.2015

Von Dorothee Hermann

Tübingen. Nach 18 Jahren als Herbergseltern in zwei Häusern im Hochschwarzwald zog es Simone und Norbert Eichin zurück in die Stadt. Deshalb lockte sie die Leitung der Tübinger Jugendherberge. Denn zu stark sollte der Kontrast zur Abgeschiedenheit in der Natur auch nicht werden: „Tübingen ist eine Stadt, aber überschaubar“, so Norbert Eichin. Ein weiterer Vorteil einer großen Jugendherberge wie in der Gartenstraße: Die Herbergseltern müssen nicht selbst im Haus wohnen, sondern können eine private Unterkunft beziehen und jeden Tag zur Arbeit kommen wie andere Berufstätige auch.

Den beengten Tübinger Wohnungsmarkt knackten sie mit viel Vorlauf. Sieben Monate vor Arbeitsbeginn begannen sie mit der Wohnungssuche – und waren überraschend schnell erfolgreich. Die Kehrseite: Schon vier Monate vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn mussten die beiden Miete zahlen. Die Strecke von ihrer Wohnung in Hirschau bis zur Jugendherberge legen sie mit dem Fahrrad zurück, auch im Winter. „Es ist ein wunderschöner Arbeitsweg“, sagt die 50-jährige Simone Eichin. Ob sie auch mit dem Auto nach Tübingen hineinfahren? „Nicht freiwillig“, ergänzt ihr Mann.

Die Eltern dreier Kinder haben sich als Hausleiter in jeweils neun Jahren in Menzenschwand und in Schluchsee-Wolfsgrund mit sämtlichen Arbeiten vertraut gemacht, die in einer Jugendherberge anfallen: Gäste versorgen, an der Rezeption begrüßen, kochen, putzen, Wäsche, Dekoration und, wenn gewünscht, Betreuung der Gäste, berichtet Simone Eichin. Zur Betreuung gehören beispielsweise Tipps für Ausflüge, Wanderrouten, das schönste Freibad oder eine Sauna in der Nähe. Neuerdings gibt es kostenloses W-LAN: jeweils 30 Minuten – alle acht Stunden. Als Vorbereitung auf die Position als Herbergseltern sammelten beide zunächst als Freizeitleiter drei Jahre lang Erfahrung. Der Vorteil des auf diese Weise geteilten Arbeitsplatzes: „Wir konnten die Kinder gemeinsam erziehen“, sagt Simone Eichin.

Der Einstieg in das Herbergswesen brachte damals Ruhe in das Leben der Familie. Zuvor waren sie umgezogen, wann immer es der berufliche Einsatz von Norbert Eichin, ursprünglich Ingenieur für Elektrotechnik, erforderte. Vor eineinhalb Jahren hat der jetzt 52-Jährige noch den Hauswirtschaftsmeister gemacht. Nun darf er auch ausbilden.

„Früher kannten wir jeden Gast persönlich“, sagt Simone Eichin über die Schwarzwald-Herbergen mit jeweils knapp 130 Plätzen. In einem großen Haus wie in Tübingen mit 200 Betten brauche das noch ein bisschen Zeit. Seit der Modernisierung samt Erweiterung vor ein paar Jahren ist das Haus deutlich mehr gefragt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009 buchten rund 12 000 Gäste etwa 24 000 Übernachtungen. Heuer sind es Mitte August bereits fast 21 000 Übernachtungen, bei knapp 9000 Gästen. Inländer schätzen die Tübinger Jugendherberge besonders, gefolgt von Franzosen, Italienern, Schweizern und US-Amerikanern. Doch es kommen auch Chinesen, Südkoreaner, Russen, Engländer und Schweden.

Bei Inländern beliebt,

bis nach China bekannt

Vor allem Schüler aus dem Ausland mieten sich in der Jugendherberge ein. Sie kommen etwa aus Griechenland oder Italien und möchten in Tübingen Deutsch lernen. Allein die Kooperation mit dem Sprachinstitut Tübingen (SIT) bringt allein in diesem Jahr 4000 Übernachtungen. Auch Tagungsgäste der Uni oder Studierende nehmen gerne ein Juhe-Zimmer. Erst vor kurzem brachte die Sommerakademie am hiesigen Max-Planck-Institut ihre Teilnehmer dort unter. Doch auch Familien, Konfirmandengruppen, Musikvereine oder Schülermitverwaltungen nutzen die preiswerte Unterkunft. Angehörige von Patienten der Uni-Kliniken mieten sich ebenfalls ein – oder sogar Patienten, die zu einem ambulanten Behandlungstermin anreisen.

Die neuen Herbergseltern Simone und Norbert Eichin an der Rezeption der Jugendherberge in der Gartenstraße. Bild:Sommer

Der Aufkleber „Bett & Bike“ an der Jugendherbergstür signalisiert, dass Radfahrer willkommen sind, auch für eine Nacht. Sie finden in den so gekennzeichneten Häusern einen abschließbaren Abstellplatz, ein Reparaturset, eine Waschmaschine sowie einen Trockenraum oder Trockner. Das Konzept wurde gemeinsam mit dem Fahrrad-Club ADFC entwickelt. Die meisten Radwanderer, die die hiesige Jugendherberge ansteuern, erkunden den Neckartalradweg, sagt die Herbergsleiterin Simone Eichin. „Sie kommen von Stuttgart her, oder von der anderen Seite, von Villingen her.“ Viele seien mit der Familie unterwegs. Doch auch Ältere, Ehepaare und Einzelreisende schätzten den Radtourismus – und die Jugendherberge.

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Erstellt:
18. August 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. August 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. August 2015, 12:00 Uhr

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